Kirill Petrenko
Audio: rbb Kultur | 20.08.2019 | Silke Mehring | Bild: Stephan Rabold

Berliner Philharmoniker am Brandenburger Tor - Petrenko versprüht "Götterfunken" über 30.000 Zuschauer

Dieser Neubeginn mit Beethoven ist der ausdrückliche Wunsch des neuen Chefs der Berliner Philharmoniker: Am Samstag führt Kirill Petrenko mit dem Orchester die 9. Symphonie vor großem Publikum am Brandenburger Tor auf - übertragen live im rbb. Von Silke Mehring

Es wird ein Jobeinstieg vor vielen Zeugen: Am Freitag tritt Kirill Petrenko offiziell sein Amt als neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker an und dirigiert in der Philharmonie. Am Samstag muss er dann gleich das erste Mal auf der wohl größten Bühne der Stadt die Berliner überzeugen: Die Philharmoniker spielen Beethovens Neunte open air am Brandenburger Tor.

Die Idee hinter dieser Show ist es, ein Fest zu veranstalten: Beethovens Neunte steht dabei für Freiheit, Freude und Frieden. Und in diesem Jahr - 30 Jahre nach dem Mauerfall - kommt die Neunte nun an dem Symbol der Freiheit, dem Brandenburger Tor, zur Aufführung.

Hinzu kommt die Prominenz des neuen Chefdirigenten. Aber mit dieser Aufführung bekommt eben nicht nur Petrenko selbst die Bühne, sondern auch die Stamm- und Gelegenheits-Besucher der Philharmonie haben ein gemeinsames Erlebnis. "Teilhabe schaffen" nennt es die Intendantin der Berliner Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, und zwar am "Wahrzeichen für Berlin, international bekannt und politisch von großer Bedeutung". Hinzu komme, dass auch Petrenko diese Breite mag: "Er brennt dafür, die klassische Musik in die Gesellschaft zu tragen."

Übertragung im rbb

Rund 30.000 Menschen können sich nun vor historischer Kulisse einen Eindruck vom neuen Chef und seinem Orchester verschaffen – und das ganz ohne Eintritt zu zahlen.

Damit aber der Klanggenuss auch von einem noch breiteren Publikum erlebt werden kann, übeträgt der rbb das Konzert live im Fernsehen. Für rbb-Intendantin Patricia Schlesinger wird diese Aufführung von Beethovens Neunter das Open-Air-Großereignis des Jahres in Berlins Mitte: "Wir haben einen wunderbaren, geradezu furiosen Dirigenten, der sich hier am Brandenburger Tor vorstellt, und das ist für alle. Eintritt frei." Der rbb erfülle mit der Übertragung des Konzerts zudem seine Aufgabe als öffentlich-rechtlicher Rundfunk, diese wunderbare klassische Musik in die Welt zu tragen, für all jene, die nicht dabei sein könnten.

Viel Raum für Überraschungen

Das Konzert der Philharmonikern findet in einer Phase von Aufbruch-Stimmung im Orchester statt: Kirill Petrenko tritt nun auch offiziell als neuer Chef-Dirigent an. Er ist dabei für das Orchester bereits sehr vertraut, schließlich dirigierte er bereits 30 Konzerte mit den Berlinern. Hinzu kommt, dass Petrenko Berlin sehr gut kennt, denn er war Chef-Dirigent an der Komischen Oper und wirkte und lebte bereits elf Jahre in der Stadt.

Und jetzt, wo er bei den Philharmonikern den Ton angibt, kann er gemeinsam mit seinen Musikern an den Interpretationen feilen. "Wir haben gestern früh mit geteilten Proben begonnen: morgens die Streicher und nachmittags die Bläser und Schlagwerker, Pauke, und die Stimmung war hervorragend", berichtet Intendantin Zietzschmann. "Alle sind wirklich mit Freude zum ersten Dienst - in Anführungszeichen - gekommen, Petrenko war sehr, sehr guter Dinge, und jetzt ist einfach Arbeit angesagt."

Gemeinsam mit den Philharmonikern tritt auch ein hochkarätiges internationales Solisten-Ensemble auf die große Bühne am Brandenburger Tor: Marlis Petersen (Sopran), Elisabeth Kulman (Mezzosopran), Benjamin Bruns (Tenor) und Kwangchul Youn (Bass). Und hinzu kommt der Rundfunkchor Berlin. Damit wird der Abend zu einem Zusammenspiel, das auch die ein oder andere Überraschung bereit hält, denn Petrenko ist bekannt dafür, dass bei ihm jeder Abend anders verläuft und anders klingt. "Die Musiker müssen ganz auf hab acht sein, dass er doch irgendwelche Tempi anders macht. Philharmonie und Brandenburger Tor sind natürlich ganz andere Verhältnisse", beschreibt Intendantin Zietzschmann die Bedingungen für die Philharmomiker.

Sicherheit ist ein großes Thema bei diesem großen Open Air

Natürlich gelten für das Event am Brandenburger Tor besondere Sicherheitsauflagen, insbesondere für das Publikum. So sind etwa Plastikflaschen und Picknickdecken erlaubt, Glasflaschen und Klappstühle aber nicht. Es gibt ausschließlich Stehplätze. Die mitgebrachten Gegenstände dürfen nicht größer sein als DIN A3 und für Essen und Trinken ist an Ständen gesorgt.

Der rbb sorgt mit großem Aufwand dafür, dass alles gut zu sehen und zu hören ist. Elf Kameras begleiten die Musiker und fangen Eindrücke vom Publikum ein, erklärt Intendantin Schlesinger: "Wir hängen knapp 60 Mikrophone auf, um sicherzustellen, dass sowohl bildästhetisch als auch klanglich das geliefert wird, was wir an Maximum liefern können."

"Magische Momente" verspricht die rbb-Intendantin für diesen Abend: "Das ist Berlin: Das ist die Verschmelzung von großartiger Musik, Künstlern und Historie."

Sendung: rbb Kultur, 20.08.2019, 17 Uhr

Beitrag von Silke Mehring

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