Archiv- Peter Maffay singt am 17.03.2018 ein MTV-unplugged-Konzert (Bild: imago-images/Eduard Bopp)
Audio: Inforadio | 30.08.2019 | Cora Knoblauch | Bild: imago-images/Eduard Bopp

Konzertkritik | Peter Maffay in Berlin - Gegen das "Früher-war-alles-besser"-Gequatsche

Rockstar Peter Maffay hat allen Grund zum Feiern: 50-jähriges Bühnenjubiläum und sein neues Album "Jetzt!", das pünktlich an Maffays 70. Geburtstag erscheint. In der Berliner Columbiahalle hat der Musiker in seinen Geburtstag gefeiert. Von Cora Knoblauch

Einen großen, runden Geburtstag - den feiert man mit seinen besten Freunden und Weggefährten. Das hat am Donnerstagabend auch Peter Maffay gemacht. Einer, der sonst grundsätzlich die größten Stadien der Bundesrepublik füllt, entschied sich, seinen 70. Geburtstag in der beschaulichen Columbiahalle in Berlin zu feiern.

Auf der Bühne standen Musiker, die ihn seit Jahrzehnten begleiten. Peter-Maffay-Fan-Clubs kamen aus der ganzen Republik angekarrt und brachten den Saal an den Rand seiner Kapazität. Schon bald herrschten Temperaturen wie in der Sauna. Und Maffay hatte für seine Fans ein Geschenk dabei: ein nagelneues, noch unveröffentlichtes Albums mit dem Titel "Jetzt". Das bekam das schwitzende Publikum als Premiere serviert.

"Was gestern war, das gilt nicht"

Zuerst aber gab es einen halbstündigen Dokumentarfilm über Maffays Karriere als einen der erfolgreichsten deutschen Rockmusiker. Seinen Anfang im Showgeschäft als Schlager- und Schnulzensänger streift der Film nur kurz. Ausführlicher präsentiert er den gebürtigen Rumänen Maffay als einen Musiker, der stets offen war und ist für verschiedene Musikstile und Künstler aus völlig anderen Kulturkreisen. Maffay: der ewig suchende, rastlose Weltbürger.

Maffay selbst, in eng anliegendem, schwarzen Latex-Muskelshirt, führte anschließend wie ein Conferencier durch sein brandneues Album. Seine neuen Rocksongs predigen Toleranz und warnen vor der Gefahr rechter Wortführer. Haltung zeigen, das predigt Maffay seinem treuen Publikum an diesem Abend mehrfach. Vor allem gegen eines wehrt sich der Deutschrocker: Dieses "Früher-war-alles-besser"-Gequatsche. Dem setzt er den Song "Jetzt" entgegen, dem sein neues Album den Titel zu verdanken hat und singt: "So viele Lieder über früher. Man hört es wieder und wieder: Wo sind die guten alten Zeiten hin? Doch die Zeichen stehen auf jetzt, was gestern war, das gilt nicht."

Oft belohnen Musiker ihre Fans an Jubiläen mit einem Best-of ihrer größten Hits. Nicht Peter Maffay. Da die Songs seines neuen Albums – außer der Single – niemand kennt, kann natürlich auch niemand mitsingen. Trotz Hitze im Saal, trotz schwerer Beine – auch die Maffay-Fans werden schließlich nicht jünger – bleibt das Publikum dabei.

Um Punkt zwölf krachen die Konfetti-Kanonen und alle singen "Happy Birthday". Viele haben Luftballons und persönliche Glückwünsche dabei. Anschließend gibt Maffay brav Autogramme. Und wenn kommendes Jahr die große Maffay-Stadion-Tour beginnt, dann haben auch sicherlich alle die neuen Songtexte parat. 

Sendung: Inforadio, 30.08.2019, 9 Uhr

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Antwort auf [ein Leser] vom 01.09.2019 um 15:54
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35 Kommentare

  1. 35.

    Ist eigentlich niemandem aufgefallen, dass der Ton grottig war? Zumindest im Magenta-Cinestar.
    Die Musiker fand ich gut - zum Großteil ja alte Garde. Die Songs haben mich musikalisch nicht begeistert. Zu viel Einheitsbrei. Das Kannen-solo war super. Einige Texte waren für mich kaum zu verstehen, aber das ist halt Maffay. Ansonsten stimme ich zu: sehr inhaltsschwer, vielleicht etwas zu sehr.

  2. 34.

    Genau: "Jetzt!", erst mal wieder Geld verdienen.
    früher war nix:
    https://www.spiegel.de/spiegel/peter-maffay-der-saenger-und-seine-fragwuerdige-stiftung-a-1159101.html

  3. 33.

    Darum geht es doch gar nicht was man heute zu kaufen bekommt. Das ist nun einmal der Stand der Entwicklung.Damit lässt sich Geld verdienen, nicht aber mit dem Nonsens der zuhause im Kämmerlein entsteht. (99,999%)
    Was ich meinte ist, das sämtliche Bands mit Rang und Namen ihre Songs und ihre Musik selber getextet und komponiert haben. Lediglich der Feinschliff fand unter Fach-Assistenz im Studio statt.
    Wenn ich aber schon lese, Superstar x lyrics by... composed by... arranged by... usw. denke ich einfach an Galionsfiguren, Scheinkünstler und Kommerz.

  4. 32.

    Na dann, viel Spass mit der WAHREN Musik! Geht doch nix ueber einen ordentlichen Dogmatismus! Warum sollte man auch mit anderen zusammenarbeiten und -spielen? Man kann eigentlich alles allein machen; besonders heute, wo es Loop-Recorder fuer nen (Bio-)Appel und n Ei gibt. Am besten bastelt man sich gleich noch ne eigene Sprache! Sonst waer das Risiko doch zu gross, dass jemand anders etwas schon mal so gesagt hat. Ja, und auf Publikum soll man eigentlich auch verzichten, um nicht versehentlich das zu schreiben, was die vermeintlich hoeren wollen...

  5. 31.

    Wenn es nicht wichtig, brauchen Sie sich ja nicht zu melden. Für mich sind wahre Musiker diejenigen die ihre Lieder selber schreiben. In den Booklets steht unter Texter und Arrangement jemand anderes. Maximal Co-Texter.

  6. 30.

    Kucken Sie einfach in die Booklets. Detaillierte Recherche mach ich Ihnen fuer 40 EUR/h zzgl MwSt. - Aber wofuer ist das eigentlich wichtig?

  7. 28.

    Fragen Sie sich das ernsthaft ernsthaft? Oder wollen Sie nur sagen, dass Sie kaum was kennen und/oder nichts Sie angesprochen hat? Z.B. Anfang und Mitte der 80er hat Maffay m.E. durchaus sehr interessante Musik gemacht. Dann hab ich eine Weile nichts von ihm gehoert. Auf seinem 2014er Album finde ich einige Stuecke unterschiedlicher Tempi sehr gelungen; besonders die Sachen, wo er nicht zwanghaft den Rocker raushaengen laesst. Zudem hat er interessante Musiker hier ein bisschen bekannter gemacht, z.B. den Afghanischen Star Farhad Darya. - Man muss jedenfalls auch aus Maffay keine 'Ganz-oder-Gar-nicht'-Frage machen: Er hat gute, weniger gute und schlechte Lieder, manchmal redet er dummes Zeug, manchmal kluges. Jedenfalls ist er jemand, dem nicht alles egal ist, und schon das sollte man ihm positiv anrechnen, selbst wenn man (was mich wundern wuerde) mit keinem seiner Songs was anfangen kann.

  8. 27.

    Dass Hr. Maffay auf "jetzt" setzt ist mir klar bei seinem Alter. Trotzdem lebt er von seinen Hits, und nur die wollen die Fans hören, egal was er selbst toll findet.

  9. 25.

    Ich frage mich ernsthaft, was der liebe Peter die letzten 40 Jahre als Musiker kreativ vollbracht hat, außer sich die Erlaubnis zu holen, über sieben Brücken zu gehen, die Sonne in der Nacht scheinen zu lassen und Tabaluga zu erschaffen um damit heute Möhrchen und Mini Paprikas im Supermarkt zu vermarkten.

  10. 24.

    Würde sich P. Maffay zu ernst nehmen, hätte er keinen Humor. Haben Sie diesen Eindruck? Mir scheint, dass Sie sein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl nicht erkennen wollen und wie wichtig er für andere Menschen ist. https://www.petermaffaystiftung.de/deutsch/home.html#

  11. 21.

    Als "Botschafter für Engagement" muss ein außergewöhnliches Maß an Sendungsbewusstsein für positive Erfolge vorhanden sein, und was seine jahrzehntelang wiederkehrenden Highlights anbelangt, erscheint mir jegliche Kritik daran nicht nur überzogen sondern sogar peinlich. https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/kristina-schroeder-ernennt-ulrike-folkerts-und-peter-maffay-zu-engagementbotschaftern/96842

  12. 20.

    Besser als die Spacken die heute auf der Bühne stehen, rum Krähen und meinen das ist Musik, für jaulen kaufe ich mir einen Hund, für gute Musik P. M

  13. 18.

    Ach, also "Schrott" finde ich Maffay nun druchaus nicht: Er ist noch immer ein guter Musiker mit einer recht sympathischen Ausstrahlung. Vielleicht aber sollte er sich selbst nicht immer ganz sooo ernst nehmen.

  14. 16.

    Danke fuer den Link - Na, da war frueher ja dann doch dies & das besser: Z.B. so manche Lieder, die Maffay in den fruehen 80ern u.a. mit Bernd Meinunger und Michael Kunze geschrieben hat. Das fast 40 Jahre alte Album "Ich will leben" etwa ist musikalisch wie textlich brandaktuell. Hingegen ist das aktuelle Titelstueck "Jetzt" sowohl inhaltlich als auch von Melodie und Arrangement ein Aufguss des 2014er Alben-Openers "Niemals war es besser". - Nicos Vorwurf aus #11 kann ich da nun wahrhaftig nicht bestaetigen: Der Text von "Jetzt" ist ebenso pseudo-poetisch wie pseudo-politisch hingekleckert, dafuer aber allzu ernsthaft vorgetragen und mit ordentlich Geschrammel unterlegt - so, als sei es erneut dringend noetig zu beweisen, dass Maffay noch nicht zum Altmetall gehoert.

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