Kevin Parker von der Band Tame Impala beim Festival 50 Jahre Musikexpress in der Max-Schmeling-Halle in Berlin, 13. August 2019 (Quelle: Imago Images)
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Audio: Inforadio | 14.08.2019 | Hendrik Schröder | Bild: imago-images

Konzertkritik | 50 Jahre Musikexpress mit Tame Impala - Gewaltiges Psychedelic-Pop-Gewitter im Strobo-Licht

Das Magazin Musikexpress bot zu seinem 50. Geburtstag mit Tame Impala, Blood Orange und Yeasayer ein buntes Lineup. Bei einem höhepunktreichen Abend in der Max-Schmeling-Halle verlor Victor Buzalka jedoch fast sein Augenlicht.

Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe des Musikmagazins Musikexpress von 1969 ist der Leadsänger der Beach Boys Mike Love als lächelnder Seemann mit strahlend blauen Augen, blonden Haaren und einem rötlichen Bart zu sehen – er hätte sich bestimmt gut eingereiht in das gut gelaunte, hippe Tanzpublikum beim 50. Geburtstag des Magazins in der Max-Schmeling-Halle am Dienstagabend.

Archivbild: Blood Orange bei einem Auftritt im Hyde Park in London. (Quelle: imago images/Justin Ng)
Devonté Hynes alias Blood Orange | Bild: imago images/Justin Ng

Balance zwischen Ballade und Tempo-Song

Den Auftakt macht an diesem Abend die experimentelle Indie-Rock-Band Yeasayer aus New York, die sich mit ihrem psychedelischen Sound hervorragend in das Programm eingliedert, allerdings als Einlaufmusik für die riesige Shopping-Mall-artige Mehrzweckhalle etwas untergeht.

Der zweiten Gruppe rund um den englischen Sänger, Songschreiber und Plattenproduzenten Dev Hynes, auch bekannt als Blood Orange, gelingt es auf Anhieb, das Publikum mit ihren süßen R&B-, Pop- und Elektronica-Klängen in Wallung zu bringen. Während im Hintergrund auf einer riesigen Leinwand die hochstilisierten und etwas selbsverliebten Musikvideos des Ausnahmekünstlers zu sehen sind, spielen Hynes und seine sechs BandkollegInnen virtuos und beherrschen die Akustik in der Halle sowohl bei zähen, langsamen Pop-Balladen, als auch bei temporeichen Hip Hop- und Funk-Songs meisterhaft.

Von der Wuhlheide in die Max-Schmeling-Halle verlegt

Als schließlich die Psychodelic-Pop-Rockband Tame Impala die Bühne betritt, geht ein ohrenbetäubendes freudiges Kreischen durch die Halle – mit ihrem Pop-Hit "Let It Happen" beginnen die fünf Australier rund um Mastermind Kevin Parker (Produktion, Gesang, Gitarre) ein Konzert der Superlative.

Die Nachricht, dass das Konzert aus technischen Gründen von der Wuhlheide in die Max-Schmeling-Halle verlegt wurde, sorgte bei den Fans und Ticketinhabern vorab für Unverständnis. Als der Auftritt der Band mit zahllosen bunten Scheinwerfern, viel Nebel, LED-Bühnenlicht, Leinwandprojektionen, sowie Konfettikanonen und Lasereffekten beginnt, wird schließlich doch jedem im Publikum klar, dass Tame Impala ein atemberaubendes Gesamtprogramm abliefern, welches anspruchsvoller Rahmenbedingungen bedarf.

Psychodelischer Bass und Stroboskop-Licht

Nachdem Tame Impala die Max-Schmeling-Halle mit ihrem Rockbrett "Elephant" und einer sehr eindringlichen Bassgitarre endgültig zum Beben gebracht haben, fordert der introvertierte Frontmann Kevin Parker das Publikum dazu auf, die nächste Pop-Ballade "Feels Like We Only Go Backwards" mitzusingen, sodass schließlich alle seiner zarten Tenorstimme und dem melancholischen Groove von Tame Impala folgen.

Parker tigert zwar gelegentlich vor dem LED-Rechteck, das ihn und seine Bandmitglieder auf dem Bühnenboden umgibt auf und ab, und er setzt und legt sich auch mal am Bühnenrand hin; die eigentliche Energie des Konzerts geht jedoch ganz klar nicht von seiner Bühnenperformance, sondern von dem Gefüge aus wabernden Psychodelic-Bass-Klangwelten und dem hypnotisierenden Bühnenlicht aus. Teilweise werden die Scheinwerfer und das Stroboskop-Licht dermaßen intensiv eingesetzt, dass man als Zuschauer meint, zu erblinden. Doch dann kommt immer wieder die Erlösung durch eine weitere Bühnenprojektion oder einen neuen Lichteffekt.

Nichts bleibt dem Zufall überlassen

Neben weiteren Pop-Hits wie "Yes I´m Changing" und "Eventually", die das Publikum weiter zum ekstatischen Mittanzen und –singen anregen, spielen Tame Impala auch "Patience" und "Borderline" – hypnotische Pop-Songs von ihrem heiß erwarteten noch nicht betitelten neuen Album, welches noch dieses Jahr veröffentlicht werden soll.

Als Zugabe geben Tame Impala schließlich "The Less I Know The Better" und Kevin Parkers Lieblingslied "New Person, Same Old Mistakes" zum Besten und die begeisterten 6.500 Gäste in der Max-Schmeling-Halle werden beseelt nach Hause geschickt. Ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird.

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