Mini Mansions im Juni 2015 in Tennessee (Bild: imago images/ZUMA Press)
Audio: Inforadio | 21.08.2019 | Henrike Möller | Bild: imago images/ZUMA Press

Konzertkritik | "Mini Mansions" im Privatclub - Böse Blicke und bestechende Klänge

Bei den "Mini Mansions" haben Mitglieder bekannter Rockbands wie "Queens Of The Stone Age" zusammengefunden. Im ausverkauften Privatclub bewiesen Frontmann Michael Shuman und Kollegen am Dienstag, dass sie ein gemeinsames Ziel haben. Von Henrike Möller

Michael Shuman sieht nicht so aus, als hätte er sich auf diesen Konzertabend in Berlin gefreut. Bitterböse schaut der Frontmann der Mini Mansions am Dienstag von der Bühne in den ausverkauften Privatclub herunter - und das, obwohl er heute Geburtstag hat. Oder vielleicht gerade deshalb: Wer will an seinem Geburtstag schon weit weg von der kalifornischen Heimat einen kleinen Club-Gig spielen!? Als Bassist der bekannten Rockband "Queens Of The Stoneage" ist Shuman zudem anderes gewöhnt, Größeres, Dekadenteres. Und nicht den heißen, kleinen, stickigen, Privatclub. Auch wenn der ihm ganz lieb "Happy Birthday" krakeelt.

Headbanging und Sprünge über die Bühne

Doch schnell stellt sich raus: Alles ein Irrtum. Mit Shumans Laune ist alles in bester Ordnung. Er scheint lediglich ein "Resting Bitch Face" zu haben - also mürrisch aussieht, obwohl er einfach nur entspannt ist - ja, sowas gibt's auch bei Männern. Lächeln sieht man ihn zwar das ganze anderthalbstündige Konzert kaum, sein Körper verrät aber, dass er durchaus Lust hat. Und wie!

Bei seinen Gitarrensoli greift er so inbrünstig in die Saiten, dass sich die Leute in der ersten Reihe kaum noch einkriegen. Eilig zücken sie die Handys, um alles für Instagram festzuhalten. Das sei genau die Geburtstagsparty, die er sich gewünscht habe, sagt Shuman. Und man glaubt es ihm. Nach kurzer Zeit ist sein weißes Hemd komplett durchgeschwitzt. Seine kinnlangen Haare, die er anfangs noch fast schnöselig mit Gel nach hinten gekämmt hatte, hängen ihm klatschnass ins Gesicht. Beim Headbangen und Wild-über-die-Bühne-Springen zerstäubt er feine Schweißtropfen übers Publikum.

Das Publikum ist konstant begeistert

Bassist Zach Dawes - hauptberuflich Bassist der britischen Retro-Indie-Rock-Band "The Last Shadow Puppets" - zieht sein Hemd lieber gleich aus. Darunter kommt ein weißes, biederes Unterhemd zum Vorschein. Nur einer hält der Hitze im Privatclub stand: Keyboarder und Sänger Nummer zwei, Tyler Parkford. Auch er ist die meiste Zeit für eine andere Band beschäftigt: die britische Post-Punk-Band "Arctic Monkeys". Seine Ähnlichkeit mit dem deutschen Comedian Bastian Pastewka ist verblüffend. Entspannt und im Vergleich zu seinen drei Bandkollegen fast schon statisch, bedient Parkford die Tasten. Schräg hinter ihm verausgabt sich Jon Theodore am Schlagzeug, der Drummer der "Queens Of The Stoneage".

Das Publikum ist konstant begeistert. Männer und Frauen sind gleichermaßen vertreten, die Altersspanne reicht von 20 bis Ende 50. Vom ersten Song an sind die Leute am Hüpfen, Tanzen und Hände-in-die-Höhe-halten. Dabei feiern sie die groovigen Disco-Glam-Rock-Sachen vom neuen Album "Guy walks into a bar" genauso wie den Stoner Rock oder den Psychedelic Rock der früheren Platten.

Bemerkenswerte Souveränität

Ihre Setlist haben "Mini Mansions" so zusammengestellt, dass ihre klangliche Bandbreite gut zur Geltung kommt. Und die ist für eine Gitarrenband, die sich klar den alten Rock-Traditionen verschrieben hat, wirklich bemerkenswert. Bemerkenswert ist auch ihre Souveränität: dass alle Mitglieder quasi nonstop am Touren sind - ob mit ihrer Hauptband oder ihrem Nebenprojekt "Mini Mansions" - ist nicht zu übersehen.

Langweilig ist diese Professionalität aber auf keinen Fall. Nach anderthalb Stunden Konzert nimmt man vor allem eines mit: "Mini Mansions" sind begnadete Profimusiker, die es geschafft haben, sich den Spaß an der Sache zu erhalten.

Sendung: Inforadio, 21.08.2019, 7:40 Uhr

Beitrag von Henrike Möller

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