Besucher des Lollapalooza sitzen vor dem Berliner Olympiastadion. (Quelle: imago-images/POP-EYE)
Audio: Inforadio | 28.08.2019 | Silke Mehring | Bild: imago-images/POP-EYE

Veranstalter schließt Klage nicht aus - Lollapalooza muss strengere Lärmschutzvorgaben erfüllen

Hotel-Ersatz für etwa 1.400 Haushalte: Das Lollapalooza muss beim diesjährigen Festival am Berliner Olympiagelände deutlich strengere Auflagen als im Vorjahr erfüllen. Der Veranstalter will nun alle Optionen prüfen - am Ende könnte auch eine Klage stehen.

Das Musikfestival Lollapalooza muss an seinem Standort im Berliner Olympiapark und im Olympiastadion strengere Lärmschutzvorgaben erfüllen als noch im vergangenen Jahr. Das gab die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am Dienstag bekannt und veröffentlichte die Genehmigung für das Festival [berlin.de]. rbb|24 hatte über die strengen Vorlagen bereits vor knapp drei Wochen exklusiv berichtet.

Grund für die Auflagen seien zahlreiche Beschwerden aus dem Vorjahr, hieß es. Jeweils rund 70.000 Besucher hatten an zwei Tagen dort gefeiert. Für den sogenannten Lärmschutzkreis wurde nun der Pegel auf 76 Dezibel gesenkt, was etwa dem Geräuschpegel einer Waschmaschine beim Schleudern entspricht.

Lärmschutzkreis mit betroffenen Wohnungen

Lärmschutzkreis um das Lollapalooza-Festival auf dem Olympiagelände (Quelle: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz; grafische Bearbeitung von rbb|24)
| Bild: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK); grafische Bearbeitung von rbb|24

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr galt für die nähere Umgebung noch eine Grenzlautstärke von 80 Dezibel. Damals waren laut Veranstalterangaben nur rund 80 Haushalte betroffen. In diesem Jahr könnten rund 1.400 Haushalte eine Ersatzunterbringung beantragen.

Veranstalter: "Prüfen alle Optionen"

Wie die Senatsverwaltung in ihrer Mitteilung schreibt, ist der Veranstalter verpflichtet, bis zum 31. August ein Hotel-Kontingent vorzuhalten. Darüber hinaus hätten Anspruchsberechtigte die Möglichkeit, sich selbst eine Unterkunft zu suchen. Für die Kosten soll der Veranstalter aufkommen.

Der Veranstalter sieht die Auflagen und die sich daraus ergebenden Maßnahmen nach wie vor kritisch, wie der Sprecher Lollapalooza-Festivals, Tommy Nick, rbb|24 am Mittwoch sagte. Er erklärte aber, erst einmal bleibe nichts anderes übrig, als die erhöhten Auflagen zu erfüllen. Ziel sei das Gelingen des Festivals und dass es auch für die Anwohner erträglich sei. Es würden jedoch alle Optionen geprüft, so Nick. Eine Klage schloss er nicht aus. 

Bereits Anfang August hatten die Veranstalter mit Unverständnis auf die strengen Vorlagen reagiert. "Das bedeutet eine massive Ausweitung für uns, die wir nicht nachvollziehen können", sagte Jule Kauert aus dem Veranstalter-Team. Sprecher Tommy Nick sagte nun, die erhöhte Zahl an Beschwerden in der Vergangenheit, auf die sich der Senat berufe, sei "nach Aktenlage nicht gegeben". Beim letzten Festival habe sie "nicht mal im zweistelligen Bereich gelegen". Außerdem setze man auf eine andere Technik als im Vorjahr, die bestimmte Geräuschkulissen minimiere.  

Bereits 2017 juristische Auseinandersetzung

Auf Anfrage von rbb|24 hatte der Sprecher der Umweltverwaltung, Jan Thomsen, in der vergangenen Woche noch vor der Genehmigung des Festivals gesagt: "Der Veranstalter wird nicht gegen den Bescheid klagen", er sei einverstanden mit den Bedingungen. 

Sollte der Veranstalter gegen die Auflagen klagen, wäre es nicht die erste juristische Auseinandersetzung zwischen Lollapalooza und Behörden wegen Lärmschutzauflagen: Im Jahr 2017 - bei der dritten Auflage des Festivals - in Hoppegarten (Märkisch-Oderland) legte der Veranstalter Widerspruch gegen die Entscheidung des Landkreises ein, die 3.000 Anwohnern eine Entschädigung zusprach. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg lehnte diesen in einem Eilverfahren ab, die Veranstalter mussten zahlen [berlin.de].

In diesem Jahr spielen bei dem Festival am 7. und 8. September unter anderem Rita Ora, Kraftklub, Kings of Leon, Billie Eilish oder Marteria & Casper.

Sendung: Abendschau, 27.08.2019, 19:30 Uhr

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36 Kommentare

  1. 36.

    Ich halte es für egoistisch, wenn sich einige wenige über den Spaß von mehreren zehntausend Menschen so dermaßen aufregen und fordern dass es abgesagt werden sollte.

    So was, wie "mitfreuen" hat man anscheinend verlernt.

  2. 35.

    Man man man, ich kann es kaum fassen, wie viel Spießertum es noch gibt.
    Wie popelchen bereits sagte, ist es schon dreist dort hin zu ziehen und sich dann über Eventlärmbelästigung zu beschweren. Das Argument der Wohnungsnot zählt hier für mich nicht. Wer sich es leisten kann, im Corbusierhaus zu wohnen, der dürfte auch keine Probleme haben eine andere Wohnung in der Stadt zu finden.
    Das Festival geht nur zwei Tage und nicht zwei Wochen.

    Ich wünschte, ich würde dort wohnen, dann hätte ich freien Eintritt gehabt!

    Ich finde es echt schade, dass man mit derartiger Berichterstattung solchen Leuten Raum gibt.
    Denn das Festival wird pro Tag sicherlich von ca 100.000 Menschen besucht, welche daran sehr viel Spaß haben, können entdecken, erleben oder auch mal ausgelassen feiern. Doch dann gibt es einige wenige, die es anscheinend schaffen, mit ihrer negativen Haltung so laut zu sein, dass sie am liebsten so vielen Menschen den Spaß verderben würden.

  3. 34.

    Ich habe mir jetzt Tatsache alle Kommentare durchgelesen und möchte diese mal grob vergleichen.
    Ich kaufe mir ein Grundstück nahe Schönefeld - und rege mich anschliessend über Flugzeuglärm auf.
    Ich ziehe in eine ruhige, sehr bürgerliche und schöne Umgebung - wohlwissend das in genau dieser Umgebung ein "Eventzentrum" ist. Waldbühne, Maifeld, O-Stadion.
    Ich wohne da schon "ewig" ... nun will ich meine Ruhe haben - war ich "früher" anders?
    Man Leute kommt auf den Teppich!
    Bei Helene F. und Co. wäre dieses Gartenzwerggehabe deutlich geringer - unabhängig von der Lokation.

  4. 33.

    <Muss man da die richten Leute für kennen, um in den Kreis der Entschädigungsberechtigten zu kommen?>
    Nö - einfach mal " in sich gehen".
    War ich "früher" anders?

  5. 32.

    Hab' meine Karte für Wacken 2020 \m/ sicher.
    <https://www.wacken.com/de/news-details/das-woa-2020-ist-ausverkauft/>
    Freue mich auf meine 60 in Wacken, den absolut leckeren Pflaumenkuchen der völlig entspannten "Omas" am Gartenzaun, dieses ganze "Gewusel", den Sound.
    Verstehe es aber irgendwie nicht warum sich "Berliner Kleinbürger" über temporären "Radau" in einem sehr lokalem Bereich aufregen.
    Ey - so ist das Leben!

  6. 31.

    Kann mir jemand erklären, wie es zu dieser "Nase" im Lärmschutzkreis am S-Bahnhof Pichelsberg kommt. Die scheint ja gezielt auf ein einzelnes Haus in der Sarkauer Allee zu zielen. Es kann bei den Nachbarhäusern ja nicht wirklich leiser sein. Davor in Richtung Maifeld liegt eine Reitanlage und die Harbig-Halle bietet dem Haus, wenn überhaupt, ja sogar mehr Schallschutz als den Nachbarn in Richtung Schirwindter Allee. Wir wohnen selbst Luftlinie kaum weiter weg. Muss man da die richten Leute für kennen, um in den Kreis der Entschädigungsberechtigten zu kommen?

  7. 30.

    Das mit der Minderheit ist schon richtig. Sie dürfen nicht vergessen, dass es sich bei den 1400 Anwohnern lediglich um die handelt, die teilweise Ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen. Alle anderen liegen außerhalb der Lärmschutzgrenze, haben aber fast den selben Lärm.
    Sie schreiben, dass das Festival nicht bis in die Nacht geht? Das Festivalgelände ist Samstag bis 1 Uhr Nachts geöffnet und Sonntag bis 0 Uhr. Dann ziehen grölende Horden von Festivalbesuchern durch die Straßen und danach geht es weiter mit dem Ab- und Umbau. Vom Souncheck rede ich hier gar nicht erst.

    Es bleibt dabei. Solch ein Festival gehört nicht hier her. Kann man doch nach Brieselang oder Wustermark verlegen. Vielleicht freuen sich die Anwohner da genauso wie in Wacken das einmal im Jahr was los ist. Wenn die Anwohner dann so eingebunden werden wie in Wacken und der ganze Ort von dem Festival auch profitiert, dann ist doch alles in Ordnung. Dann haben alle Ihren Spaß. Hier will das niemand haben.

  8. 29.

    Von welcher Minderheit ist hier die Rede? Etwa die 70000 Festivalbesucher oder doch die 1400 betroffenen Anwohner? Ich wünsche mir manchmal Verhältnismäßigkeit! Es ist ein einmal im Jahr stattfindendes 2-tägiges Festival - und noch nicht mal bis Tief in die Nacht hinein wie sonst üblich bei Festivals. Das ist in meinen Augen typisch Deutsch, alles totzukritisieren. Es gibt Menschen, die leben in der Innenstadt und haben permanente Lärmbelästigung, Menschen nahe Flughäfen (Tegel) oder eben auch nahe Veranstaltungsorten. Mag sein, dass sich Veranstaltungen häufen, es geht aber sicher nicht um eine Minderheit an Besuchern, die Anwohner sind da deutlich in der Minderheit, haben am Ende aber die lautere Stimme und so finden Großevents dieser Art immer schwieriger Platz in Berlin. Finde ich schade!

  9. 28.

    Lollapalooza findet nur statt damit Berlin seinen "war auch in Berlin" Stempel drauf setzen kann. Das Berliner Event ist meilenweit von den Lollapalooza in der Welt entfernt. Nur Grütze.

  10. 27.

    Jepp!
    Noch schöner ist es, wenn der "Spross" oder die "Sprössin" mitbekommt - weil mitgefahren - , das Wacken keine Insel ist ;-).
    Wo war nochmal das O-Stadion?
    Bevor ich mich über unpolierte Gartenzwerge aufrege, fass ich mir doch erstmal ans eigene Bärtchen. Kraule mir selbiges und grinse.

  11. 25.

    Der Fehler liegt bei mir, es ist natürlich das Corbusierhaus, Olympiastadion verleitet zum anderen Namen.

  12. 24.

    @ Berliner Retter
    Es handelt sich hier um das Corbusierhaus. Hat nüscht mit Coubertin zu tun. Das sollten sie aber schon wissen, wenn Ihre Schwester dort wohnt. Ich kann das Haus von meiner Wohnung übrigens sehen. Von daher kann ich ganz gut mitreden, was den Lärm angeht ;-)
    Und auch ich wiederhole mich gerne nochmal als Antwort auf Ihr "Jeder wusste wo er hinzieht" Totschlagargument. Es gab hier früher nicht diese Menge an Veranstaltungen und schon gar nicht in dieser Lautstärke. Als die meisten Menschen hierher zogen war es ruhiger. Trotz des Stadiongeländes. Wir wussten also wo wir hinziehen. Nämlich in eine ruhige Gegend.

  13. 23.

    Ganz interessant, wo Ihre Schwester wohnt...
    Bitte dort nochmal nachfragen, denn Coubertin war der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit und hat rein garnix mit der Wohnmaschine - dem Corbusierhaus zu tun. Es kann auch sein, Ihre Schwester hat da was verwechselt ;-)

  14. 22.

    @Falk

    Aber kein aktueller Anwohner kann rein biologisch vor dem Olympia Gelände schön dort gewohnt haben. Also wusste jeder wo er hinzieht

  15. 21.

    @ Falk

    Meine Schwester wohnt im coubertien Haus, denke da erlebt so einiges an Events vor der Tür

  16. 20.

    2 Fragen an die rbb online Redaktion.
    1. Gibt es irgendwo eine Karte vom Lärmschutzkreis auf der man auch die Straßennamen erkennen kann?
    2 Vor einiger Zeit haben sie darüber berichtet, dass man auch eine Geldzahlung beantragen kann falls man nicht das Ausweichquartier in Anspruch nimmt. Es gibt ja auch alte und kranke Menschen denen das alles zu anstrengend ist. Aber die sollten wenigstens darüber informiert sein, dass es unter Umständen diese Möglichkeit gibt.

  17. 19.

    Alle die sich hier beschweren, sollten sich bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz beschweren, die haben das Festival dort wo es jetzt stattfindet, genehmigt.

  18. 18.

    @Berliner Retter

    Können Sie sich unter Umständen vorstellen, dass hier der Großteil der Bewohner schon seit Jahrzehnten lebt? Hier finden Sie sehr wenig Zugezogene. Die Menschen sind nämlich hergezogen weil es so schön gediegen und ruhig war.
    Allen anderen Experten sage ich, dass sie auch nicht ansatzweise eine Vorstellung davon haben was für ein unfassbarer Lärm hier 2 Tage Nonstop stattfindet. Selbst die wenigsten Festivalbesucher setzen sich ja 2 Tage der Dauerbeschallung aus. Meistens schaut man sich ein paar von den "Sängern" an und geht dann für zwei oder drei Stunden woanders hin und kommt dann wieder. Oder man bleibt vielleicht 6 Stunden und geht dann nach Hause (wo es ja ruhig ist) und kommt am nächsten Tag wieder. Wir Anwohner müsen uns die Grütze 2 Tage ununterbrochen bis in die Nacht antun. Da sind die Souncheckzeiten noch gar nicht mit eingerechnet.

  19. 17.

    Hier hat man Erfahrungen aus dem Vorjahr. Wie groß war die im Treptower Park und warum gab es dort wohl keine Wiederholung?

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