Das Schloss auf der Pfaueninsel im Mai 2018 (Quelle: dpa/Sören Stache).
Bild: dpa/Sören Stache

Sanierungsarbeiten bis 2024 - Schloss auf Pfaueninsel wird gesperrt

Das kleine Schloss auf der Berliner Pfaueninsel, das auch als ländlicher Rückzugsort oder königliches Lustschloss bezeichnet wird, muss saniert werden. Die Holzkonstruktion war 1794/95 von einem Zimmermeister für König Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) als Zierde für die Insellandschaft errichtet worden. Nun soll das Gebäude für 4,2 Millionen Euro instandgesetzt und restauriert werden.

"Unter dem Radar der Bauaufsicht" sei das Schloss entstanden, berichtete Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, am Dienstag während einer Baustellenbesichtigung. Nun sollen die aus einem Sonderprogramm von Bund, Berlin und Brandenburg für die Rettung bedeutender Denkmäler stammenden Mittel sehr genau verplant werden. 

Das "Otaheitische Kabinett" im Schloss auf der Pfaueninsel ist mit Leinwand ausgeschlagen und von dem Dekorationsmaler Philippe Burmat wie eine Bambushütte ausgemalt (Quelle: dpa/Bernd Settnik).
Bild: dpa/Bernd Settnik

Asbest-Reste aus Siebziger Jahren

Die Arbeiten sollen bis 2024 dauern. Bis dahin bleibt das Schloss für den Publikumsverkehr geschlossen. Die eigentlichen Arbeiten stehen laut Projektleiter Max Daiber ab 2021 an, dann soll das Schloss unter einem Wetterschutz verschwinden und das weitgehend intakte Fachwerk hinter der hölzernen Außenwand des Schlosses freigelegt sein. Die Holzfassade wird dann komplett ersetzt. 

Die Experten gehen davon aus, dass etwa alle 50 Jahre eine Sanierung fällig ist. Die jüngsten Arbeiten aus den 1970er Jahren sind für die Verantwortlichen heute aber ein Problem, denn im Anstrich wurde damals auch Asbest vermengt. Das inzwischen als hoch giftig erkannte Material verlangt besondere Vorkehrungen und macht die Reste der alten Schlosskonstruktion zu Sondermüll, der entsprechend behandelt werden muss.

Südsee-Exotik als Kulisse

Die vergleichsweise gut erhaltenen Innenräume gelten wegen ihrer gestalterischen Kombination als einmalig für das 18. Jahrhundert, machen die Sanierungsarbeiten aber aufgrund ihrer seltenen Papier- und Stofftapeten sowie der Holzvertäfelung komplizierter. Wegen der langen Schließzeit des Schlosses sollen sie am Europäischen Tag der Restaurierung am 13. Oktober noch einmal zugänglich sein. Sie sind unter anderem von der damaligen Vorstellung einer Südsee-Exotik geprägt. Die Inneneinrichtung ist während der Sanierung teils eingelagert, einige Dinge werden auch im Schloss Paretz (Havelland) untergebracht. 

König Friedrich Wilhelm II. ließ das ländliche Lustschloss für seine Geliebte Wilhelmine Encke errichten. Der kulissenhafte Bau wird laut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten auch als "verfallenes römisches Landhaus" bezeichnet. Später nutzte Friedrich Wilhelm II. die Pfaueninsel als Sommerresidenz mit seiner Gemahlin Elisabeth und ließ sie zu einem Landschaftsgarten umgestalten.

Sendung: Abendschau, 20.08.2019, 19:30 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Gut Ding braucht Weile und da sind fünf Jahre zwar nicht schön, aber doch glatt nachzuvollziehen. Nicht verwunderlich auch, dass wieder einmal Sanierungen der 1970er Jahre Probleme bereiten, ein Zeitalter vorrangiger Zweckmäßigkeit, gleich auch welcher Folgen.

    Soweit nichts dazwischenkommt, werde ich sicherlich nach 2024 wieder irgendwann einmal dort sein - am östlichsten Punkt der auf Potsdam hin ausgerichteten Kulturlandschaft, seit 1920, der Eingemeindung von Zehlendorf und Wannsee, namentlich der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft.

  2. 5.

    Danke Matthias! Ich bin wirklich froh, dass es Menschen wie Sie gibt die sich in Geschichte auskennen und sehr irritiert, dass der rbb so schlechten Journalismus betreibt.

  3. 4.

    Aber König Friedrich Wilhelm III. nutzte zusammen mit seiner Gemahlin Luise die Pfaueninsel als Sommerresidenz...

    Friedrich Wilhelm II. war wohl kaum mit seiner Frau dort, hatte er die Insel doch für seine Mätresse gestalten lassen.

  4. 2.

    Die kleinen baulichen Sehenswürdigkeiten auf der Pfaueninsel sind doch eher das Tüpfelchen auf dem 'I' beim Besuch. Auf die Pfaueninsel geht man wenn dann vor allem wegen der urigen Bäume. :)

  5. 1.

    Alles bisschen durcheinander liebe Redaktion. Friedrich II. starb 1786, er kann die Pfaueninsel samt Schloss schlecht später als Sommersitz mit seiner Frau genutzt haben, wenn erst sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II. das Schloss errichten ließ. Seine Gemahlin hieß auch Elisabeth und nicht Luise.
    Die berühmte Königin Luise war die Frau Friedrich Wilhelms III.

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