Helena Zengel, Schauspielerin, bekommt den Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost für den Film "Systemsprenger". (Quelle: dpa/Fischer)
Audio: Radioeins | 22.08.2019 | Gespräch mit Regisseurin Nora Fingscheidt | Bild: dpa/Fischer

"Bester nicht-englischsprachiger Film" - "Systemsprenger" geht als deutscher Kandidat ins Oscar-Rennen

Bei der Berlinale erhielt "Systemsprenger" vom Publikum den Silbernen Bären. Nun soll das Spielfilmdebüt von Regisseurin Nora Fingscheidt für Deutschland ins Oscar-Rennen gehen. Ein Erfolg auch für die Filmstandorte Berlin und Brandenburg.

Der Film "Systemsprenger" von Regisseurin Nora Fingscheidt soll im kommenden Jahr für Deutschland den Auslands-Oscar holen. Der Spielfilm wurde am Mittwoch in München als deutscher Kandidat für die Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" gekürt. Dies gab German Films, die Auslands-Vertretung des deutschen Films, am frühen Abend bekannt.

Die Oscar-Akademie wählt im Januar 2020 fünf der ausländischen Bewerber-Filme aus, die offiziell für den Oscar in der Auslands-Kategorie nominiert werden.

"Das ist natürlich eine große Freude", sagte Fingscheidt noch am Abend dem rbb. "Systemsprenger" ist das Langfilmdebüt von Regisseurin Fingscheidt. Bei der Berlinale erhielt der Film im Februar den Silbernen Bären der Leserjury. Das Drehbuch wurde bereits zwei Jahre zuvor mit einer Berlinale-Förderung ausgezeichnet. Die Dreharbeiten fanden zwischen November 2017 und März 2019 in Hamburg, der Lüneburger Heide und Berlin statt. Produziert wurde der Film von Weydemann Bros. aus Berlin, Kineo aus Potsdam und Oma Inge Film aus Hamburg.

Ein sehr wütendes aber auch total schlaues Kind

"Systemsprenger" erzählt die Geschichte des Mädchens Benni, mit dem niemand klarkommt. Mit ihren neun Jahren ist Benni bereits durch sämtliche Institutionen marschiert: Pflegefamilien, Sonderschule, Wohngruppen, Kinderpsychiatrie. Niemand kann sie bändigen, alle sind froh, wenn das Kind wieder fort ist. "Benni – eigentlich Bernadette, will aber nur Benni genannt werden – ist ein sehr, sehr wütendes, ein sehr energetisches, aber auch ein total schlaues und witziges und lebendiges Kind", so die Regisseurin über die Hauptfigur: "Der Film begleitet ihre Reise durch die verschiedenen Institutionen der Jugendhilfe und ihren unbändigen Wunsch, wieder bei Mama zu wohnen."

Regisseurin Nora Fingscheidt (l.) und Produzentin Frauke Kolbmüller beim 54. Filmfestival Karlovy Vary (Quelle: dpa/TSP/Manfred Thomas)
Bild: dpa/TSP/Manfred Thomas

Auf den Titel "Systemsprenger" kam Fingscheidt bei ihrer Recherche für den Film: "Das ist kein offizieller Begriff vom Jugendamt, sondern ein inoffizieller Begriff, der sich eingebürgert hat und dieses Phänomen beschreibt, wenn ein Kind gar keinen festen Wohnplatz finden kann – wenn es überall rausfliegt und von einer Institution in die nächste wechselt", erklärte sie im rbb.

Bisher drei Fremdsprachen-Oscars für Deutschland

Sieben Filme standen auf der Bewerber-Liste für den deutschen Oscar-Kandidaten - darunter die Hape-Kerkeling-Biografie "Der Junge muss an die frische Luft" von Regisseurin Caroline Link sowie "Lara" von Jan-Ole Gerster.

Link hat den Oscar bereits einmal gewonnen - 2003 für ihren Film "Nirgendwo in Afrika". Außer ihr schafften das für Deutschland nur Volker Schlöndorff mit "Die Blechtrommel" (1980) und Florian Henckel von Donnersmarck mit "Das Leben der Anderen" (2007).

Sendung: Brandenburg aktuell, 21.08.2019, 19.30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Ein Höflichkeitsoscar, an den eine Woche danach ggfs. niemand mehr außerhalb Deutschlands erinnert.

  2. 3.

    Na das währe ja was, wenn dieser Film ein Oscar bekäme. Es ist ja immer wieder erstaunlich wie oft man den deutschen Film tot sprechen möchte oder das eigentlich nur noch Filme nach Till Schweiger Rezept wahre Erfolge erzielen und dann taucht eine Regisseurin auf der Berlinale auf, die ihr Erstlingswerk präsentiert das alles andere als lustig oder unterhaltsam ist und bekommt dafür absolut zurecht einen silbernen Bären und nun die Oscar Nominierung.
    Als ich die Premiere auf der Berlinale gesehen habe, habe ich mit dem Erfolg dieses Films absolut nicht gerechnet, auch wenn er durch und durch überzeugt hat mit seiner Wucht an Emotionalität und der starken Hauptdarstellerin, die übrigens ein Jahr zuvor auf der Berlinale im Film „Die Tochter“ bereits ihr können zeigte.

    Ich wünsche dem Team viel Erfolg, auch wenn ich von der Oscar Verleihung nicht viel halte. Aber es währe ein tolles Zeichen wenn ein Film wie dieser die Anerkennung erhält, die er verdient. Ein Zeichen dafür, das Deutschland durchaus fähig ist gute Filme zu machen die nicht nur eine Komödie sein müssen.

  3. 2.

    Super, das freut mich! Mit dem Film schaut dann die ganze Welt in Deutschlands dunkle Erwachsenen-Seele. Heftig.

  4. 1.

    Glückwunsch. Ich rechne mir da aber keine großen Chancen aus.

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