Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, im Jahr 2016 in der Ausstellung "Hieroglyphen", mit Werken des Künstlers Ernst Ludwig Kirchner im Hamburger Bahnhof (Quelle: imago images/Reiner Zensen).
Bild: imago images/Reiner Zensen

Ende der Ära Kittelmann - Direktor der Nationalgalerie verkündet Abschied

Seit elf Jahre ist Udo Kittelmann eine Instanz in der Berliner Kunstszene. Nun räumt der bisherige Direktor der Nationalgalerie seinen Posten auf eigenen Wunsch. In seine Zeit fallen spektakuläre Ausstellungen und eine gigantische Großbaustelle.

Der Direktor der Nationalgalerie Berlin, Udo Kittelmann, verlässt überraschend seinen Chefposten. Kittelmann werde auf eigenen Wunsch seinen laufenden Vertrag nicht verlängern, der Ende Oktober 2020 ausläuft. Das teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Mittwoch mit.

Der 61-Jährige wird dann zwölf Jahre an der Spitze des Verbundes gestanden haben, zu dem neben Alter und Neuer Nationalgalerie das Museum Berggruen, die Sammlung Scharf-Gerstenberg sowie der Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof gehören.

"Museumsmann mit ganz eigener Haltung"

Die kommissarische Leitung der Nationalgalerie wird laut der Stiftung nach dem Ausscheiden Kittelmanns bis zu einer Neubesetzung der Stelle der bisherige Stellvertreter Joachim Jäger übernehmen.

Die Stiftung bedauert Kittelmanns Entscheidung, hieß es. Präsident Hermann Parzinger nannte Kittelmann einen "Museumsmann mit ganz eigener Haltung", seine Arbeit habe "einen Grad an Nachhaltigkeit, der Bestand über den Tag seines Abschieds hinaus haben wird". Kittelmann habe die Nationalgalerie "im nationalen wie internationalen Rahmen zum Global Player gemacht".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betrachtet 2017 in Ahrenshoop Exponate der Ausstellung "Ikemura und Nolde"
Kanzlerin Merkel: In ihrem Arbeitszimmer hingen zwei Nolde-Bilder Bild: dpa/Axel Heimken

Viel beachtete Ausstellungen von Chipperfield bis Darboven

Für Aufsehen sorgt zurzeit die Emil-Nolde-Ausstellung, die zahlreiche Besucher in den Hamburger Bahnhof lockt. Nolde gilt als ein Meister des Expressionismus und Unterstützer der Nationalsozialisten, die seine Bilder jedoch als entartet brandmarkten. Gezeigt wird auch Noldes Gemälde "Brecher" von 1936. Das Bild hing mit "Blumengarten (Thersens Haus)" (1915) als Leihgabe im  Arbeitszimmer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Viel beachtet war auch die Ausstellung des Architekten David Chipperfield, der 2014 einen Wald aus Baumstämmen in die Neue Nationalgalerie  stellte. Auch die Ausstellungen zu dem Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner (2016) und der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (2017) galten als Besuchermagneten.

Kittelmann, 2013 als "Europäischer Kulturmanager des Jahres" geehrt, öffnete seine Museen auch für ungewöhnliche Events. So überließ er die Haupthalle des Hamburger Bahnhofs im Frühjahr für zwei Monate der Urban-Dance-Gruppe Flying Steps und dem brasilianischen Künstlerduo Osgemeos für eine spektakuläre Version aus Tanz, Musik und Kunst von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Zudem ließ er in der Neuen Nationalgalerie die Band Kraftwerk auftreten.

Hunderte neue Werke unter Kittelmann

In der Zeit als Direktor war Kittelmann nach Angaben der Stiftung verantwortlich für die Aufnahme von 500 wichtigen Werken in die Sammlungen der Nationalgalerie aus Epochen seit dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Dazu zählten etwa Lotte Lasersteins "Abend über Potsdam" (1930) oder Max Beckmanns "Selbstbildnis in Bar" (1942). Zudem setzte sich Kittelmann für die Sammlungen von Erich Marx, Ulla und Heiner Pietzsch, Friedrich Christian Flick und Egidio Marzona ein.

Kittelmann ist auch für einige Baustellen verantwortlich. So verlagerte er wegen der sanierungsbedingten Schließung der Neuen Nationalgalerie 2015 die Kunst der Klassischen Moderne zeitweilig in die Neue Galerie im Hamburger Bahnhof. Große Teile der Sammlung der Nationalgalerie waren nach Stiftungsangaben im Ausland und anderen Städten Deutschlands zu sehen. Die Sanierung der Neuen Nationalgalerie soll 101 Millionen Euro kosten. Mitte 2020 soll sie wie geplant wiedereröffnen.

Sendung: radioeins, 21.08.2019, 16 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Dies ist eine schlechte Nachricht! Nicht nur für die Nationalgalerie - nein - für den Kunst-Standort BERLIN insgesamt. Gerade WEIL Udo Kittelmann KEIN Kunshistoriker, aber ein innovativer, offener, mutiger Mann der Kunst ist. Seine Bilanz zeigt das. - Er wird nicht leicht zu ersetzen sein.

  2. 1.

    Sehr, sehr schade! Ein großer Museumsmann!!!!
    Ich wünsche ihm alles Gute!

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