Außenaufnahmen des Theaters an der Parkaue in Berlin-Lichtenberg (Quelle: imago/photothek.net/Thomas Trutschel)
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Berliner Jugendtheater - Florian Stiehler wird neuer Intendant an der Parkaue

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat die Intendanz des Theaters an der Parkaue - Junges Staatstheater am Donnerstag kommissarisch an den geschäftsführenden Direktor Florian Stiehler übertragen. Dieser werde das Haus bis auf Weiteres leiten, teilte die Senatskulturverwaltung am Donnerstag mit.

Anfang September dieses Jahres war der langjährige Intendant der Bühne, Kay Wuschek, gegangen - "aus gesundheitlichen Gründen", wie die Senatskulturverwaltung mitteilte.

Die Schauspielerin Maya Alban-Zapata (Quelle: imago/Scherf)
Die Schauspielerin Maya Alban-Zapata | Bild: imago/Scherf

Schauspielerin war rassistisch beleidigt worden

Nachdem am Theater an der Parkaue zuletzt Fälle von Diskriminierung gegeben hatte, werde zusammen mit der Rechtsanwältin Sonja Laaser eine eigene Anti-Diskriminierungsklausel nach dem Vorbild der Anti-Rassismus-Klausel entwickelt. Ab 2020 solle diese als juristische Grundlage des Miteinanders am Theater dienen. Darüber hinaus soll Betroffenen von Diskriminierung einen Weg der Auseinandersetzung außerhalb der üblichen Theaterstrukturen aufgezeigt werden, hieß es am Donnerstag weiter.

Wie die "tageszeitung" Ende Juni berichtet hatte, war die afrodeutsche Schauspielerin Maya Alban-Zapata im Jahr 2018 bei Proben zu "Die Reise um die Erde in 80 Tagen" nach Jules Verne mehrmals rassistisch beleidigt worden. Anlass dafür war ein Streit um den Begriff "Neger", der bereits in der Textvorlage des Wiener Burgtheaters verwendet worden war.  

Regisseur und Intendant verließen das Theater

Die theoretische Auseinandersetzung über rassistische Begriffe sei dann in eine rassistische Praxis übergegangen, die sich gegen Alban-Zapata persönlich gerichtet habe, schrieb die "taz". "Allgemein stellte sich in den Proben eine Art Stammtisch-Atmosphäre ein", bestätigte die damals zuständige Dramaturgin Almut Pape. Ein großer Teil des Ensembles und auch Regisseur Volker Metzler sollen den Schilderungen zufolge beteiligt gewesen sein. Alban-Zapata verließ daraufhin die Proben. Als der Vorfall öffentlich wurde, musste Metzler seinen Posten aufgeben.

Stiehler will für "angstfreie und respektvolle" Kommunikation eintreten

Künftig sollen Fälle wie dieser nicht mehr vorkommen. Der neue kommissarische Intendant betonte, wie wie wichtig es sei, gegen jede Art von Diskriminierung vorzugehen. Ihm gehe es darum, dass am Theater an der Parkaue "angstfrei und respektvoll" kommuniziert werde und "Diskriminierungserfahrungen ernst genommen werden", sagte Stiehler.

Stiehler war im August 2018 als geschäftsführender Direktor an das Theater gekommen. Zuvor war er Verwaltungsleiter des Theaters der Altmark in Stendal. Er sei froh, dass sich Stiehler so schnell bereit erklärt habe, neben seiner Aufgabe als geschäftsführender Direktor die  neue Aufgabe zu übernehmen, sagte Kultursenator Lederer. "Somit gewinnt das Theater wichtige Spiel- und Planungssicherheit."

Als Chefregisseur werde Thomas Fiedler die Aufgaben des Oberspielleiters für die aktuelle und die kommende Spielzeit übernehmen. Gemeinsam mit der Dramaturgie wird er die Spielzeit 2020/21 planen, die Leitung des Ensembles übernehmen und die Zusammenarbeit mit Gastkünstlern und -künstlerinnen koordinieren.

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