Luigi Colani im Jahr 2018 (Quelle: dpa/Deck)
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Video: rbb24 | 16.09.2019 | Material Abendschau | Bild: dpa

Im Alter von 91 Jahren - Berliner Designer Luigi Colani gestorben

Der deutsche Designer Luigi Colani ist tot. Er sei am Montag im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe an einer schweren Krankheit gestorben, teilte seine Lebensgefährtin Yazhen Zhao mit.

Der 1928 in Berlin als Lutz Colani geborene Designer gestaltete Autos und Flugzeuge, aber auch Möbel und Gebrauchsgegenstände. Typisch für seine Designs sind die aerodynamischen und organischen Formen. Vielen Deutschen dürften die bunten Spardosen in Form eines Elefanten bekannt sein, die er in den 1970er Jahren für die Dresdner Bank entworfen hatte.

Wenn ein Hirn trainiert, wenn es entfesselt wird, wenn man ihm die Chance gibt, zu spinnen, es nicht eindämmt, wie das in unseren Schulen geschieht, wo alles in dieselbe Margarine-Würfelform zusammengeprügelt wird, wenn das nicht geschieht, dann haben wir die Chance, uns mit dem, was uns umgibt, auseinanderzusetzen. Und das ist meistens Schrott."

Luigi Colani in einem Interview mit der "FAZ" 2008

Der eigene Name als Marke

Colanis Vater war Schweizer aus dem italienischsprachigen Teil des Landes, seine Mutter Polin. Um seine Kreativität zu fördern, richteten ihm seine Eltern schon als kleinen Jungen eine Bastelstube ein - damit der Sohn sich seine Spielzeuge selbst ausdenkt und baut.

Nach der Schule studierte Colani zunächst Bildhauerei und Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin, brach das Studium dort aber ab und ging nach Paris. Dort studierte er zunächst Aerodynamik und Ultraleichtbau und später an der Sorbonne Philosophie. Im Laufe seines Lebens arbeitete er außer in Deutschland, Italien, Mexiko, den USA oder Russland auch in Frankreich, Japan und China. 

Colani kreierte futuristische Automobile, Flugzeuge, Möbel, Küchen, Kameras und Klaviere, aber genauso auch Armbanduhren, Zahnbürsten, Regenmäntel und Kloschüsseln. Rechte Winkel und gerade Kanten interessierten ihn nicht, er schuf lieber fließende Formen. Colani feierte riesige Erfolge etwa mit der legendären Kamera Canon T90, die das Design der Marke entscheidend prägte - und mit der Kinderspardose "Drumbo" in Form eines Elefanten. Seine Designs wurden in Museen wie dem Centre Pompidou in Paris oder dem Museum of Modern Art in New York gezeigt.

Träume von der Eco-City

In den 70er und 80er Jahren avancierte Colani zum Medienstar und verdiente viel Geld. Er war einer der ersten Designer, der seine Produkte unter seinem Namen vermarktete mit dem geschwungenen Schriftzug "Colani". "Ich war sehr früh sehr reich. Für den einfachen Mann verfügte ich über Millionenbudgets und habe nie auf Aufträge aus der Industrie gewartet. Die waren mir einfach zu dämlich, ich muss es einmal so hart formulieren. Außerdem hätte die Industrie immer reingequatscht", beschrieb er seine Arbeitseinstellung in einem Interview mit der "FAZ" [faz.net]. 2003 rückte er nach längerer Zeit wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit - als die von ihm designten neuen blauen Uniformen an die Hamburger Polizei geliefert wurden. 

Auch im hohen Alter war Colani noch äußerst umtriebig. Unter anderem arbeitete er auf der chinesischen Jangtsekiang-Insel Chong Mingh an der Realisierung seiner Eco-City (früher Bio-City), eine Wissenschaftsstadt, in der einmal 50.000 Forscher leben können sollten und die ohne fossile Energie auskommen sollte. Zuletzt lebte er abwechselnd in Asien, Karlsruhe und Südfrankreich, wo er ein Schloss besaß.

Sendung: Inforadio, 16.09.2019, 12:20 Uhr

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2 Kommentare

  1. 1.

    Danke Herr Colani für Ihre Inspiration, Ihre Ideen und tolle Designs, mit denen Sie sich verewigt haben - mit einer schönen, angenehm anzusehenden Formensprache.
    Ruhen Sie in Frieden, mein Beileid den Hinterbliebenen.

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