Die Bücher «Das flüssige Land» von Raphaela Edelbauer, «Kintsugi» von Miku Sophie Kühmel, «Nicht wie ihr» von Tonio Schachinger, «Herkunft» von Sasa Stanisic, «Winterbienen» von Norbert Scheuer und «Brüder» von Jackie Thomae stehen in einem Buchladen. Die sechs Titel sind von der Jury für die Endrunde für den Deutschen Buchpreis ausgewählt. Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 jährlich den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Quelle: dpa/Jens Büttner
Audio: Inforadio | 17.09.2019 | Julika Tillmans | Bild: dpa/Jens Büttner

"Roman des Jahres" - Zwei Berlinerinnen für den Deutschen Buchpreis nominiert

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat seine Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2019 bekannt gegeben. Die Berliner Autorinnen Jackie Thomae und Miku Sophie Kühmel haben es mit ihren Romanen unter die letzten sechs Kandidaten geschafft, die für den "Roman des Jahres" nominiert sind.

Ein schwules Paar und zwei ungleiche Halbgeschwister

Miku Sophie Kühnel wurde 1992 in Gotha geboren, seit 2011 wohnt die Autorin in Berlin. Ihr Roman "Kintsugi" ist im August im S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main erschienen und erzählt von einem schwulen Paar, das mit Freunden ein Wochenende in der Uckermark verbringt und dabei die Beziehungen neu ordnen muss.

Der Roman "Brüder" der Berliner Autorin Jackie Thomae ist im August beim Berliner Hanser-Verlag erschienen. Thomae erzählt darin von zwei ungleichen Halbgeschwistern. Der gemeinsame Vater hat ihnen seine dunkle Hautfarbe vererbt. Sie leben unterschiedliche Leben, stellen aber die gleichen Fragen.

Der Deutsche Buchpreis wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober verliehen. Jahr für Jahr stellen sieben Juroren eine Auswahl von 20 Romanen zusammen, aus der dann eine sogenannte Shortlist mit sechs Titeln hervorgeht. In diesem Jahr sind drei Frauen und drei Männer für den Preis nominiert. Neben den Romanen der beiden Berlinerinnen sind Bücher der Wiener Autoren Tonio Schachinger ("Nicht wie ihr") und Raphaela Edelbauer ("Das flüssige Land") sowie der Hamburger Sasa Stanisic ("Herkunft") und Norbert Scheuer aus der Eifel ("Winterbienen") nominiert.

Rolle des Mannes wird "neu ausbuchstabiert"

So unterschiedlich die Bücher stilistisch sind, sie teilen ein großes Thema, sagt Jury-Sprecher Jörg Magenau: "In allen geht es um familiäre Zusammenhänge" und die Erfahrung, "dass dabei vor allem die Identität des Mannes problematisch geworden ist". Nicht im Sinne von Kampf und Konfrontation, betont der Literaturkritiker, sondern schlicht als Feststellung: "Es verschiebt sich was, es verändert sich was, die Rollen werden neu ausbuchstabiert". Sowohl bei Autorinnen als auch bei Autoren spiele das eine Rolle, besonders aber bei den Jüngeren, die "bei diesen Themen schärfer hinschauen".

Neben der Frage nach neuen Familienformen und Männlichkeitsbildern gibt es eine weitere Gemeinsamkeit: "Die Suche nach der Herkunft ist das große Thema, auch über die Shortlist hinaus", sagt Juror Magenau. In einer Welt, wo sehr viele Menschen sehr viel unterwegs sind, wo sich Bindungen lösen und Unsicherheit eine Konstante ist, wachse das Bedürfnis, sich seiner Vergangenheit zu vergewissern. Viele Autoren seien "auf der Suche nach einer Verankerung, dem Ort in der globalen Welt, von dem aus das eigene Dasein zu begreifen ist".

Deutscher Buchpreis ist mit fast 40.000 Euro dotiert

Die Jury-Mitglieder haben ihren Angaben zufolge insgesamt 203 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2018 und dem 17. September 2019 erschienen sind. Der Jury gehören neben Jörg Magenau noch Petra Hartlieb (Hartliebs Bücher, Wien), Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt am Main), Björn Lauer (Hugendubel Frankfurt), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk), Daniela Strigl (Literaturwissenschaftlerin) und Margarete von Schwarzkopf (Autorin und Literaturkritikerin) an.

Der Gewinner bzw. die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises erhält 25.000 Euro, alle übrigen fünf Autoren der Shortlist bekommen jeweils 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr wurde der Roman "Archipel" von Inger-Maria Mahlke ausgezeichnet.

Sendung: Inforadio, 17.09.2019, 12.00 Uhr

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