Archiv- Das Metropol am Nollendorfplatz fotografiert in der Abenddämmerung am 21.11.2003 (Bild: imago-images/Schöning)
Audio: Inforadio | 28.09.2019 | Cora Knoblauch | Bild: imago-images/Schöning

Eröffnung des Metropol - "Supergeiler Laden - sieht aus wie eine Kirche"

Theater, Kino, Disko - das Berliner Metropol hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zuletzt stand das Gebäude am Nollendorfplatz leer. Eine Konzertagentur will es nun wieder zu einem angesagten Veranstaltungsort machen. Cora Knoblauch war am ersten Abend dabei.

Viel verändert hat Thomas Spindler, Chef von Berlins Konzertagentur Trinity, nicht im Metropol: Die weiß gestrichenen Emporen und die venezianischen Kronleuchter stammen noch aus der kurzen Zeit, als das Haus unter dem Namen Goya als exklusiver Schickeria-Club geführt wurde. Das Konzept ging damals gründlich in die Hose - die Kronleuchter, der helle Anstrich und die Säulen zwischen den Emporen aber sind geblieben. Und beeindrucken das Publikum am ersten Eröffnungsabend sehr: "Die Location ist mega", sagt eine Besucherin begeistert. Eine andere fügt hinzu: "Supergeiler Laden, sieht aus wie eine Kirche."

Von außen leuchtet die Fassade an diesem Freitagabend unter neon-pinken Lichtkegeln. Drinnen zerstreuen mehrere Bars auf drei Ebenen das Publikum, in kleinen Nebenräumen darf geraucht werden. Und es wird reichlich geraucht: Wie bei WG-Partys stets auf dem Balkon oder in der Küche tummeln sich die interessanten Gäste hier in diesen Raucherzimmern.

Viel Platz. Zu viel Platz?

Bis die Tanzfläche sich füllt, vergehen allerdings ein paar Stunden. Dabei arbeitet DJ Alex Gallus, Urgestein der Berliner Clubszene, hart an den Decks. Doch das Metropol fasst viele Menschen mit seinen drei Geschossen und es braucht mehrere hundert Besucher, um den Dancefloor, die Bars, Raucherzimmer und die Emporen gut zu füllen. Das gelingt an diesem Abend zunächst einmal nicht.

Die Headliner, das DJ Duo Moonbootica, ist auch erst für 2 Uhr morgens angekündigt. "Bin gespannt, ob die das schaffen, das dieses Mal am Leben zu halten", grübelt auch schon eine Besucherin über das Ziel, das Metropol zu einer neuen Partylocation in Berlin-Schöneberg zu machen.

Revival des West-Berliner Prunk

Künftig soll eine Mischung aus Partys bekannter DJs und Rock- und Popkonzerte das Haus füllen. Ein hauseigener Zirkus mit Tarot-Kartenlegern, Transvestiten und schrägen Vögeln steht für ein weiteres anvisiertes Klientel des Hauses: das LGBTI-Stammpublikum der angrenzenden Motzstraße.

Für den zweiten Abend hat sich der neue Betreiber des Metropol eine Band ausgesucht, die wie kaum eine andere den Theaterhaften Charakter des Metropol mit Glamour und Leben füllen wird: das "Moka Efti Orchestra" aus der 20er Jahre Serie Babylon Berlin. Und das Programm der nächsten Wochen reicht von der französischen Band "Nouvelle Vague" über DJ Westbam bis zum Berliner Tuntenball.

Agenturchef Thomas Spindler wird genau solche Bands wie das "Moka Efti Orchestra" brauchen, um sein Haus zu füllen. Bands, die ein Publikum ziehen, dass einen irgendwie aus der Zeit gefallenen, etwas angestaubten West-Berliner Prunk goutieren.

Eine hippe Location mit Tradition

Beitrag von Cora Knoblauch

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7 Kommentare

  1. 7.

    Hm, ist schon alles sehr super geil hier in Berlin...

  2. 5.

    Liebe Heike, immer gerne doch. Aber ich warne Sie, komme ich erst einmal so richtig in Fahrt, höre ich so schnell nicht wieder auf;-))

  3. 2.

    So so, die interessanten Menschen trifft man also im Raucherzimmer?

    Wohl eher solche die 10 Jahre früher abnippeln als jene die uninteressanterweise woanders feiern und deren Kleidung nicht stinkt.

  4. 1.

    Ich wünsche den neuen Machern des Metropol alles erdenklich gute. Wer einmal mitten auf der Tanzfläche bei vollem Betrieb seine Beine geschwungen hat, weiß, das der Tanzboden mitschwingt. Ein tolles Gefühl ist das. Auch finde ich die Akustik gut. Toi,toi,toi.

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