Baustelle für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam (Quelle: Imago)
Bild: Imago

Potsdamer OB mit neuem Nutzungsvorschlag - Garnisonkirche soll Jugendbegegnungsstätte werden

In der Debatte über den Wiederaufbau der Garnisonkirche hat Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) eine Nutzung als internationale Jugendbegegnungsstätte für Bildung und Demokratie ins Gespräch gebracht. Sollte dafür neben dem Turm auch das Kirchenschiff wiedererrichtet werden, müsse die Architektur diesen Anforderungen folgen, erklärte Schubert am Dienstagabend in Potsdam. Bis 2023 solle dafür ein inhaltliches Konzept erarbeitet werden, das sich auch mit der Frage der Trägerschaft befasst.

Dauerstreit um Wiederaufbau

Um den Wiederaufbau der Garnisonkirche wird in Potsdam seit Jahren gerungen, da sie wegen ihrer NS- und Militärgeschichte umstritten ist. Zwei Bürgerinitiativen wenden sich unter anderem mit Online-Petitionen gegen die aktuellen Wiederaufbaupläne. Unter dem Motto "Bruch statt Kontinuität" dringen die Initiatoren auf Veränderungen an dem bereits begonnenen Projekt.

Die Garnisonkirche wurde 1945 weitgehend zerstört und 1968 abgerissen. Die Diskussion über ihre Geschichte werde häufig auf ihre Symbolik für das NS-Regime reduziert, die zum historischen Alleinstellungsmerkmal gemacht werde, betonte Schubert. Es gebe jedoch auch in anderen Städten Bauten und Orte mit starken Bezügen zum NS-Regime und entsprechender Symbolwirkung. In diesen Städten gebe es dazu jedoch Dokumentations- und Bildungszentren.

Hitler traf Hindenburg in Kirchengebäude

Die bis 1735 errichtete Garnisonkirche war einer der bedeutendsten Bauten des norddeutschen Barock. Bekannt ist sie vor allem aber auch durch den sogenannten Tag von Potsdam am 21. März 1933. Damals trafen sich Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg an den Grabstätten der preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich des Großen und eröffneten in der Garnisonkirche den Reichstag.

Der Grundstein für den neuen Kirchturm wurde 2005 gelegt, die Bauarbeiten haben im Herbst 2017 begonnen. Die Fertigstellung ist für 2021 geplant. Ein Wiederaufbau des Kirchenschiffs ist bislang nicht vorgesehen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.09.2019, 11:30 Uhr

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3 Kommentare

  1. 2.

    Zweifellos ist es Aufgabe der Stiftung (zum Wiederaufbau der Garnisonkirche) nicht nur den Kirchturm, sondern auch das Kirchenschiff zu errichten. Das ist ihre satzungsgemäße Aufgabe. Deshalb hat auch Clemens Viehrig recht, dass er darauf hinweist, dass die besagte Angelegenheit Aufgabe des Bauherrn sei. Über den Inhalt eines Kirchenschiffs ist damit noch nichts gesagt, auch nicht darüber, ob es Änderungen gegenüber dem Ursprungsbau geben soll. Das Grundstück einschl. desj. Teils des Rechenzentrums, der auf dem ursprünglichen Kirchenschiff steht, ist für den Bau vorgesehen und alles weitere liegt im Einvernehmen der Beteiligten.



  2. 1.

    "Sollte dafür neben dem Turm auch das Kirchenschiff wiedererrichtet werden, müsse ..." - "Bis 2023 solle dafür ein inhaltliches Konzept erarbeitet werden..." - "Ein Wiederaufbau des Kirchenschiffs ist bislang nicht vorgesehen." - Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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