Alexander von Humboldt - Reisetagebücher im Original; © Staatsbibliothek zu Berlin - PK / Fotostelle, C. Seifert
Audio: rbbKultur | 11.09.2019 | Interview mit Barbara Schneider-Kempf | Bild: Staatsbibliothek zu Berlin/C. Seifert

Interview | Staatsbibliothek stellt Reisetagebücher aus - Was Humboldt über seine Reise zum Fluss Orinoco schrieb

Es ist eine seltene Gelegenheit: Die Staatsbibliothek zu Berlin stellt die Reisetagebücher von Alexander von Humboldt im Original aus - für drei Tage. Anlass ist der 250. Geburtstag des Naturforschers. Generaldirektorin Schneider-Kempf hat schon ein bisschen geschmökert.

Am 5. Juni 1799 brach Alexander von Humboldt im Alter von 30 Jahren zu seiner fünfjährigen Forschungs- und Erkundungsreise durch Süd- und Mittelamerika auf. Neben zahlreichen Messinstrumenten hatte er auch Papier und Tinte mit auf die Reise genommen. Er beschrieb und notierte alles, was ihm interessant erschien, auf allen erdenklichen Gebieten. Die Staatsbibliothek zu Berlin stellt alle neun Bände vom 13. bis 15. September aus - Anlass ist der 250. Geburtstag des Naturforschers.

rbb: Frau Schneider-Kempf, ist es eine Art Geburtstagsgeschenk, das Sie den Humboldt-Fans machen wollen, die Original-Reisetagebücher zu zeigen?

Barbara Schneider-Kempf: Ja, auf jeden Fall. Wir haben nun die Gelegenheit gehabt, diese Tagebücher zu erwerben. Es ist also eine Verpflichtung, zu diesem großen Geburtstag, die Tagebücher zu zeigen.

Es handelt sich um Aufzeichnungen von Humboldts fünfjähriger Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika. Das sind neun Bände mit mehr als 4.000 Seiten, die bei Ihnen aufbewahrt werden. Wie sehen diese Bände und diese einzelnen Seiten eigentlich aus?

Die Bände haben unterschiedliche Größen, kein Band ist größer als DIN A4, eher etwas kleiner, so wie man sich Tagebücher vorstellt. Sie sind in Leder gebunden und die Seiten sind ganz eng beschrieben. Papier hatte natürlich damals einen bestimmten Wert. Die Bücher mussten auch auf die Reise mitgenommen werden, jedenfalls der größte Teil. Deswegen hat Alexander von Humboldt eng und klein geschrieben, um den Platz so gut wie möglich zu nutzen.

Was ist auf diesen Seiten zu sehen?

Natürlich seine Aufzeichnungen. Aber eine der besonders faszinierenden Dinge ist ja, dass Alexander von Humboldt auch ein guter Zeichner war. Und so haben wir Abbildungen von Fischen, von Flussverläufen und von Pflanzen. Und dann gibt es auch das berühmte Äffchen, das nicht in den Tagebüchern abgebildet ist. Das ist aber auf einem anderen Platz zu sehen.

Sieht man, dass diese Aufzeichnungen auf einer strapaziösen, auch gefährlichen Reise entstanden sind? Gibt es Reisespuren auf den Blättern?

Ja, aber minimal. Bei einem Buch kann man zum Beispiel vermuten, dass das mal in einen Fluss gefallen ist, vielleicht in den Orinoco. Es sind nämlich Wasserflecken zu sehen. Aber sie sind - auch wichtig - in einem wirklich guten Zustand. Als wir sie erworben haben vor sechs Jahren, haben wir auch restauratorisch nur ganz wenig tun müssen.

Von Berlin in die Welt und wieder zurück

Wie nah kommt man eigentlich der Person Humboldt mithilfe dieser Aufzeichnungen?

Es sind keine Tagebücher in dem Sinne "Heute geht es mir gut, morgen vielleicht weniger". Humboldt war Naturwissenschaftler - und das sind seine Arbeitsunterlagen. So würde ich es ein wenig prosaisch, aber durchaus treffend sagen. Es gibt mal Hinweise auf die Moskitos oder wie mühsam und strapaziös die Rahmenbedingungen dieser Reise waren. Der Person kommt man nicht näher, aber dem Wissenschaftler.

Wie wichtig waren Humboldt diese Aufzeichnungen? Er hat sie einige Jahre vor seinem Tod erst in Leder binden lassen. Hatte er damit noch weitergearbeitet, als er wieder zurück in Europa war?

Auf jeden Fall. Humboldts Aufzeichnungen waren ja nie als Manuskript gedacht, um sie später mal zu veröffentlichen. Es waren wirklich seine Arbeitsunterlagen, die er jahrelang noch genutzt hat, sei es für seine Vorträge oder für andere Ergebnisse seiner Forschungen.

In den Werken dürfen Besucher sicherlich nicht blättern. Wie werden die Tagebücher präsentiert?

Wir zeigen die Werke an diesen drei Tagen aufgeschlagen. Da wählen wir Seiten aus, von denen wir annehmen, dass sie besonders interessant sind.

Man kann sie sich aber auch außerhalb dieser Ausstellung Seite für Seite auf Ihrem Online-Portal ansehen.

Man kann sich auch die Schrift ganz nah heranzoomen. Ob man sie lesen kann, wäre eine zweite Frage.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Barbara Schneider-Kempf führte Andreas Knaesche für rbbKultur.

Berlin feiert Alexander von Humboldt

Bereits seit Anfang des Jahres feiert Berlin Alexander von Humboldt (1769-1859) mit zahlreichen Veranstaltungen. Zum 250. Geburtstag des Naturforschers am 14. September verdichtet sich das Programm noch einmal - eine Auswahl:

  • Eine Schnitzeljagd durch die Stadt Berlin zu wichtigen Stationen in Humboldts Leben: Noch bis zum 31. Dezember können Spurensuchende zu Fuß oder mit dem Fahrrad wichtige Originalorte aus dem Leben und Wirken von Alexander von Humboldt erkunden, sie lernen Details über die Geschichten und können seinen Wegen nachspüren. Die Schnitzeljagd kann auf der Webpräsenz des "me Collectors Room Berlin" heruntergeladen werden: www.me-berlin.com/humboldt

  • Bis zum 26. Oktober läuft die Ausstellung "Humboldts Tierleben" in der Humboldt-Bibliothek in Reinickendorf. Sie zeigt ausgewählte Tierzeichnungen, die Humboldt während seiner großen Forschungsreise durch Amerika anfertigte. Seine Texte und Zeichnungen waren ein Meilenstein für die Zoologie.

  • Am 13. und 14. September wird im Humboldt Forum der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt gefeiert. An beiden Festtagen werden zeitgenössische Arbeiten von Künstlern etwa aus Bogota, Lima, Quito und Mexiko-Stadt in Ausstellungen, Installationen und Performances gezeigt und laden ein, Humboldts Erbe neu zu entdecken.

  • Im Deutschen Historischen Museum läuft vom 22. November 2019 bis zum 19. April 2020 die Schau "Wilhelm und Alexander von Humboldt". Die Brüder werden heute als deutsche Kosmopoliten gefeiert. Ihre Biografien sind jedoch auch von den Gegensätzen ihrer Zeit geprägt.

  • "Zu Hause bei Alexander von Humboldt" heißt eine Führung im Museum Knoblochhaus am 12. November. Von Humboldt hatte es gern tropisch warm - sein Zimmer war immerzu überheizt. Wie aber lebte Humboldt sonst? Was unterschied seine Art zu wohnen von der des Weimarer Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe? Diesen Fragen geht die Sonderführung der Stiftung Stadtmuseum Berlin nach.

Sendung: rbbKultur, 11.09.2019, 09:10 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Spannend. In diesem Original würde ich wirklich gerne mal blättern...

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