Kurt Krömer im rbb-Studio, Quelle: rbb/Daniel Porsdorf
Audio: Radioeins | 03.09.2019 | Interview mit Kurt Krömer | Bild: rbb/Daniel Porsdorf

Interview | "Chez Krömer" im rbb Fernsehen - "Das sind alles Leute, die mir suspekt sind"

Nach fünf Jahren Pause ist Kurt Krömer mit seiner neuen Sendung "Chez Krömer" zurück im rbb Fernsehen. Im Interview erzählt er, warum er sich seine Gäste im Verhörraum vornimmt - und warum er sich jetzt, anders als früher, auf sie vorbereitet.

rbb: Das ist ja ein ungewöhnliches Konzept Deiner neuen Sendung: Der Gast sitzt im Verhörraum und ist Deinen Fragen ausgeliefert. Gab es einen Auslöser dafür, dass jetzt mal härter nachgefragt wird?

Kurt Krömer: Ich hab ja fünf Jahre Pause gemacht, weil ich damals ein bisschen unterzuckert war, was den künstlerischen Anspruch der Sendungen "Krömer Late Night" und "Krömer - die internationale Show" anging. Ich bin total unvorbereitet in die Sendung gegangen und habe einfach Prominente abgewatscht. Da dachte ich dann: Lasst uns das mal umdrehen. Wir machen etwas, was ich vorher noch nicht gemacht habe: Ich bereite mich vor.

Was bedeutet das für Dich? War es anstrengend?

Ich habe mich mit Friedrich Küppersbusch zusammengetan, ein ganz fieser Trick, mit einer Journalisten-Legende. Er ist quasi journalistisch gesehen mein großer Bruder und ohne ihn könnte ich das auch gar nicht machen. Es ist wirklich so, dass ich zu Dir sage, "Werde nicht frech, sonst hole ich meinen großen Bruder!"

In der ersten Sendung ist der Motivationstrainer und Autor Jürgen Höller zu Gast, der sich beschwerte, dass er nicht ausreden konnte. Was stört Dich an dem Mann?

Das sind alles Leute, die mir suspekt sind. Da ist nun ein Motivationscoach, der 3.000 Euro für ein Seminar verlangt. Und in dem ganzen zweistündigen Seminar geht es darum, dass man jetzt bitte das nächste Seminar kauft für 5.000 Euro. Das hat mich ein bisschen an Scientology erinnert.

Zu Gast bei "Chez Krömer": Motivationstrainer Jürgen Höller

"Chez Krömer" – Die neue Show mit Kurt Krömer
rbb/Daniel Porsdorf


Wie muss man generell sein, damit Du Dich richtig ärgerst und aufregst? Was ist Dein Gäste-Beuteschema?

Leute, die sich hinstellen und sagen "Ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und gib mir mal 3.000 Euro, dann gebe ich dir einen guten Tipp". Wenn ich zum Beispiel total zerstört bin, weil meine Frau sich von mir getrennt hat und ich die Kinder bei mir zu Hause habe, ist doch eine Therapie eigentlich viel besser. Dann durchläuft man fünf oder sechs Stunden und das kostet vielleicht 250 und 500 Euro. Aber nicht 3.000 Euro.

Weißt Du schon, wer noch kommen soll?

Eine Stelle ist vakant. Es ist jetzt bei dem Format blöd gewesen, dass die Sendung jetzt schon online verfügbar ist. Die Gäste, die wir jetzt anfragen, gucken sich die Sendung an und sagen dann ab. Aber zwei Gäste haben wir schon fest. Die haben vor Wochen schon zugesagt, als sie die Sendung noch nicht gucken konnte: Kevin Kühnert und Philipp Amthor.

Du bist als lustiger Kurt Krömer bekannt, aber Du hast natürlich auch eine ernste Seite. So hast Du beispielsweise Recherchereisen unternommen. Vor Jahren warst Du auch mal in Afghanistan. Wie hat es Dich dahin gebracht?

Ich bin Totalverweigerer und die Bundeswehr hatte mich drei- oder viermal wegen Truppenbetreuung angefragt. Ich dachte mir nur, dass ich doch eigentlich eine Akte haben müsste und die Bundeswehr wissen müsste, was damals abging. Denn ich hatte mich drei oder vier Jahre mit denen angelegt, bin untergetaucht und war sozusagen weg vom Fenster. Ich habe dann gesagt: Ich komme gerne mit einem Kamerateam vorbei und ich muss alles aufnehmen können, was ihr da macht. Zunächst dachte ich, sie stimmen zu und nehmen mir dann vor Ort die Festplatte weg oder bedrohen mich mit der Pistole, dass ich das wegschneiden soll. Aber so war es nicht. Diese Offenheit dort war schon sehr erschreckend, weil ich wirklich Einblicke hatte.

Kann man das alles mal sehen?

In der "Krömer Late Night Show" hatten wir mal einen Beitrag verbraten. Aber es war damals natürlich auch schwierig zu verstehen, warum jemand eine Comedy-Show macht und Afghanistan-Einspieler zeigt. Die warn teilweise auch richtig lustig - aber es war halt Afghanistan. Die Sender hatten damals Schiss.

Ich bin immer noch am Rumbaggern, weil ich es eigentlich als Trilogie sehe. Ich war einmal bei der Bundeswehr, danach dachte ich, das ist ja nicht Afghanistan, das ist ja nur das Camp, das ich nicht verlassen durfte. Einmal war ich noch auf eigene Faust in Kabul. Nun müsste ich nochmal hin, um zu gucken, wie die Lage nach dem Abzug der Soldaten nun ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Tom Böttcher, Radioeins.

Dieser Text ist eine redigierte und leicht gekürzte Fassung. Das Interview können Sie hören, wenn Sie auf das Abspielsymbol im oberen Bild klicken.

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wie sehr ich den Humor von Kurt Krömer auch liebe. In dieser Folge wurde aus meiner Sicht der Bogen überspannt. Ich hätte mir gewünscht, dass Jürgen Höller hätte ausreden dürfen. Den Umgang mit ihm empfand ich ungerecht. Besonders die Verabschiedung vor dem Publikum war sehr erniedrigend, da Kurt versucht Jürgen Höller auf seine Straftat zu reduzieren.

  2. 3.

    Es wäre wirklich schön gewesen, wenn der liebe Herr Krömer seinen Gast hätte einmal ausreden lassen. Aber nein er verhält sich wie ein Klotz.... Irgendwie dachte ich der Höller haut ihm gleich eine rein.

  3. 2.

    Oh schön. Der Festplattenrecorder ist schon programmiert. Wenigstens bekommt man mal was für seine Rundfunkgebühren.

  4. 1.

    Oje. Wieder ein Grund mehr, den Fernseher endgültig im Keller zu lassen. Und für so was muß man auch noch Fernsehgebühren bezahlen.

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