Guy Chambers am Piano (Quelle: dpa/Golejewski)
Audio: Inforadio | 30.09.2019 | Cora Knoblauch | Bild: dpa/Golejewski

Konzertkritik | Guy Chambers im Silent Green - Nur keine Hotellobbymusik!

Für Robbie Williams hat er Hits komponiert, für Kylie Minogue, James Blunt und Katie Melua. Nun präsenierte Guy Chambers, einer der wichtigsten Songwriter der britischen Popgeschichte, sein erstes Soloalbum im Berliner "Silent Green". Von Cora Knoblauch

Ein Album nur mit Piano-Songs – das wünschte sich die Mutter von Guy Chambers viele, viele Jahre. Erst jetzt, nach ihrem Tod, konnte der britische Pianist und Komponist seiner Mutter den Wunsch erfüllen. "Go Gentle Into The Light" heißt das Album, es ist Chambers erstes Solowerk.

Versammelt hat der Brite darauf einige der bekanntesten Hits, die er für und gemeinsam mit Robbie Williams geschrieben hat.  Robbie Williams und Guy Chambers – diese kongeniale Symbiose hielt fünf Jahre und warf fünf Alben auf den Markt, die vielfaches Platin einspielten und Williams in die Liga der Superstars katapultierten.

Als sich die beiden 2002 im Streit trennten, endete der scheinbar unerschöpfliche Quell an Nummer-Eins-Hits für Robbie Williams, Chambers wandte sich anderen Musikern zu. Keiner von beiden konnte an den Megaerfolg der gemeinsamen fünf Jahre anknüpfen. Nach zwölf Jahren Funkstille arbeiten beide mittlerweile wieder miteinander.

Anekdotische Führung durch den Abend - und die Hitsammlung

Nun spielt Chambers die von ihm komponierten und arrangierten Hits wie "Millenium", "Angels" und "Feel" selbst. Das Licht im Silent Green ist bis zur Düsternis gedimmt an diesem Sonntagabend, die schweren Vorhänge an den Türen zugezogen, Chambers sitzt in der wunderschönen Kuppelhalle des ehemaligen Krematoriums alleine an einem Flügel.

Bekannte Popsongs in der Piano-Version - der Abend könnte nun abrutschen in die langweilige Wohlfühl-Atmosphäre einer gediegenen Hotellobby.

Doch anstatt seine großen Hits geschmeidig am etwas blechern klingenden Flügel runterzuspielen, unterbricht sich Chambers nach jedem Song und erzählt auf britisch-humorvolle Weise kleine Anekdoten. So erfährt das Publikum, dass einige Stücke im gemeinsamen Urlaub von Williams und Chambers auf Jamaika entstanden, wo das Marihuana gleich Säckeweise bereitstand. Und dass es einen der größten Pop-Songs beinahe nicht gegeben hätte.

Etwas Entscheidendes fehlt - die Stimme von Robbie Williams

Guy Chambers wollte ein Treffen mit Williams absagen, weil er so erkältet war. Doch Chambers Mutter riet ihrem Sohn am Telefon, sich lieber mit Robbie ans Klavier zu setzen anstatt sich ins Bett zu legen. Die beiden ackerten schließlich den ganzen Tag - am Ende entstand "Angels". Immer auf die Mutter hören, zwinkert Chambers.

So unterhaltsam die Ausflüge ins Universum eines der erfolgreichsten Komponisten englischsprachiger Popmusik sind: Etwas Entscheidendes an diesem Abend fehlt. Die Kraft, diese Musikstücke zu Popsongs für die Ewigkeit zu machen - die verleiht eben erst die Stimme von Robbie Williams.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wieder eine tolle Titelgeschichte auf der sogenannten Kulurseite von rbb24.

    Interessante Beiträge über Berlin findet man allerdings woanders.

    https://www.br.de/nachrichten/kultur/berlin-hauptstadt-der-arabischen-exil-intellektuellen,RdScDSl

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