Rocksänger Alice Cooper während eines Konzerts im Rahmen seiner "Ol' Black Eyes"-Tour. (Quelle: imago-images/Jan Huebner)
Audio: Inforadio | 14.09.2019 | Hans Ackermann | Bild: imago-images/Jan Huebner

Konzertkritik | Alice Cooper in Berlin - Geisterbahn des Rock'n'Roll

Mit viel schwarzer Schminke und silbernen Totenköpfen verwandelt Alice Cooper die Berliner Max-Schmeling-Halle in eine Rockmusik-Geisterbahn. Behände wie ein junger Mann, trotz seiner 71 Jahre. Von Hans Ackermann

Ein paar Takte aus dem Song "Feed my Frankenstein" zu Beginn - und schon hat Alice Cooper die Konzertbesucher an diesem Freitagabend in der Berliner Max-Schmeling-Halle Halle im Griff. Er will etwas zu essen - "Lunchtime", her mit der roten Suppe! Anders als in früheren Jahren wird auf der Bühne jetzt aber nicht mehr literweise Kunstblut vergossen. Doch die schwarz umränderten Grusel-Augen hat sich Alice Cooper als Markenzeichen erhalten, ist damit "Ol' Black Eyes", die dunkle Gestalt mit Zylinder und Stock.

Die Krücke ist nur Rock-Theater

Und in diesem Frack tobt Cooper am Freitagabend behände wie ein junger Mann über die Bühne.  Dabei hat der singende Frankenstein im Februar seinen 71. Geburtstag gefeiert - unglaublich, aber wahr.

Dem Alter dann doch Tribut zollend, stützt sich der Sänger beim anschließenden Song  "I'm 18" tatsächlich kurz auf eine Krücke - spielt damit aber nur wieder Rock-Theater. Das Genre, das Alice Cooper in den 1970er Jahren mitbegründet hat, als Vorbild für Marilyn Manson und jüngere Generationen sogenannter Schock-Rocker.

Dollar und Lametta – aber kein Satanskult

Bei bekannten Titeln wie "Poison" recken viele im Publikum die Arme zum Metal-Gruß, strecken den kleinen und den Zeigefinger aus, als Symbol für die beiden Hörner des Teufels. Doch diesen Gruß wird Alice Cooper niemals erwidern, auch gibt es auf seiner Bühne keine umgedrehten Kreuze. Denn den Satanskult hat er immer abgelehnt. Sein Vater und sein Großvater waren Pfarrer, Alice Cooper ist nach eigenen Angaben ein gläubiger Christ.

Womöglich also aus Nächstenliebe fliegen dann bei "Billion Dollar Babies" echte Banknoten ins Publikum, abgeschossen aus einer riesigen Totenkopf-Kanone. Später sprüht Lametta aus riesigen Luftballons, die der Sänger mit einem Samurai-Schwert zum Platzen bringt. Und während sich die glitzernden Schnipsel über dem Publikum verteilen, hört man endlich auch dieses Gitarrenthema, auf das alle schon sehnsüchtig gewartet haben. Dazu klingelt noch eine Schulglocke - jeder weiß, was nun kommt.

Richtig laut singen dann gut 10.000 Stimmen im Publikum den größten Erfolg dieses unverwüstlichen Musikers mit: "School's Out". Zusammen mit  Deep Purples "Smoke on the Water" die große Hymne der guten alten Rockmusik der 1970er Jahre. Allein dafür hat sich der Weg in die Konzerthalle gelohnt.

Sendung: Inforadio, 14.09.2019, 07:55 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    :-) ja das war Kult. Und eine wunderbare Zeit. Ich gestehe das ich der musikalischen Zeit von damals oft hinterher trauere.
    Ich gehe zwar auch heute mit meiner Tochter viel auf Konzerte, auch waren wir beim Lollapalooza Festival,es hat Spaß gemacht, aber irgendetwas fehlt in der heutigen Musik....finde ich.

  2. 9.

    Dürfte hinkommen. Da war ich gerade fest nach Westberlin gezogen. Erinnere mich auch deswegen, weil jeder „Echter Alice Cooper Fan“ zum Konzert erkannt wurde in der U- Bahn. Die Augenbemalung und schwarze Kleidung. Einen Umhang trug auch mein Freund damals.

  3. 8.

    Ich glaube dieses Konzert war 1972 und mein Dad sagte mir gerade am Telefon, es war wohl ein Galgen. Er war auch großer Fan und war bei dem 72er Konzert in der Deutschlandhalle.:-)

  4. 7.

    Lang,lang ist’s her. Bin mir auch gar nicht so hundertprozentig sicher, ob es nicht doch eher ein „Galgen“ war auf dem Konzert in der Deutschlandhalle. Ist auch nicht wichtig. Aber war geil.

  5. 4.

    Unser Autor schreibt nicht, dass die beiden Lieder zusammen gespielt wurden, sondern dass "School's Out" für ihn zusammen mit "Smoke on the Water" die große Hymne der guten alten Rockmusik der 1970er Jahre ist.

  6. 3.

    Erinnere mich noch gut an seinen Auftritt damals in der Deutschlandhalle. Mit Guillotine.

  7. 2.

    Bitte ändert unbedingt ab, dass NICHT Smoke on the Water von Deep Purple, sondern Another Brick in the Wall von Pink Floyd mit Schools Out gemixt wurde!! Ansonsten ein schöner Beitrag, der das Geschehen gut zusammen fasst :)

  8. 1.

    Danke für diesen tollen Bericht. Tja der Cooper hat nichts verloren. Was war das damals schon für eine irre musikalische Zeit:-)

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