Der Rapper Common bei seinem Konzert am 16.09.19 im Astra in Berlin (Quelle: rbb / Bruno Dietel)
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Audio: Inforadio | 17.09.19 | Bruno Dietel | Bild: rbb / Bruno Dietel

Konzertkritik | Common in Berlin - Oldschool-Rap ohne Schnickschnack

Rapper, Poet, Schauspieler – und jemand, der nicht aufhört, an das Gute im Menschen zu glauben: Am Montag stand Common im Berliner Astra auf der Bühne und spielte eines seiner zwei Deutschland-Konzerte. Es wurde eine Gospelmesse. Von Bruno Dietel

Das Astra ist bei Weitem nicht voll, als Common an diesem Montagabend die Bühne betritt. Das ist schade, denn eine ausverkaufte Halle auf dem RAW-Gelände hätte der Rapper  verdient. Common hat sich nach dem "Common Sense", dem gesunden Menschenverstand benannt. Bei seinen Konzerten will der 47-Jährige aus Chicago vor allem die Liebe in all ihren Formen preisen, sagt er. Wer seine Mission auch nur ein Stück anzweifelt, wird allein durch die Aura dieses Mannes eines besseren belehrt. Common strahlt eine bedingungslose Wärme ins Publikum aus, eine sehr authentische Herzlichkeit.

Die Bühne als Wohnzimmer

Die Kulisse hat sich Common wie ein Wohnzimmer eingerichtet – ein Sessel, eine gemütliche Wohnzimmerleuchte und der Rapper als sitzender Poet, als Akrobat des gesprochenen Wortes. Er erzählt, wie ihm Hip-Hop die Welt eröffnet hat, Kontinente wie Afrika, Australien und Europa. Wie ihn die Rap-Legenden von De La Soul zum ersten Mal nach Berlin gebracht haben. Und er schwärmt vom Auftritt im Weißen Haus für den ersten schwarzen US-Präsidenten und dessen Frau.

Im Sessel hält es ihn nicht lange. Common kniet, springt und tigert auf der Bühne hin und her, liefert eine Breakdance-Einlage ab und gönnt sich ein Bad in der Menge. Zwischendurch steht ein Barhocker auf der Bühne, der Rapper bittet eine junge Frau nach oben. Die Kanadierin feiert ihren Geburtstag in Berlin, bekommt einen minutenlangen persönlichen Freestyle und darf Common dann mit einem weißen Handtuch den Schweiß von der Stirn wischen.

Ein Musical aus Rap

Common macht ehrlichen, hin und wieder eindeutig politischen Oldschool-Rap - ohne Autotune und ohne Schnickschnack. Er spielt auch seinen gemeinsamen Hit "Love Of My Life (An Ode To Hip-Hop)" mit Erykah Badu. Der Sound im Astra ist hervorragend klar, die Band spielt sich versiert durch Samples, Jazz-, Soul- und Funkbeats, eine Gospelsängerin und ein Beatboxer verstärken die Bühnenshow. Das wirkt hin und wieder sehr durchchoreographiert, aber hinter Common steckt auch ein Schauspieler, der hier letztlich ein Musical aus Gospel und Rap aufführt.

Das Oversize-Shirt trieft vor Schweiß, da lässt sich Common in seinen Sessel sinken und wird kurz vor Schluss noch einmal explizit politisch: Er fragt, wie es jemand ins Weiße Haus geschafft haben könne, der die amerikanische Gesellschaft eher trennt als zusammenführt. Mit 47 Jahren ist Lonnie Rashid Lynn, wie der Musiker bürgerlich heißt, schon ein Urgestein im US-Rap – und vor allem eine sehr einnehmende Erscheinung. Lachende, funkelnde Augen, sehr in sich ruhend wirkend, nahbar und persönlich, noch am Bühnenrand signiert er Platten von Fans. Als gegen Ende der Show Feuerzeuge und Smartphones gezückt werden und das Publikum im Chor mitsingt, hat sich die musikalische Liebe gänzlich übertragen – und das Astra könnte Schauplatz einer Gospelmesse sein.

Beitrag von Bruno Dietel

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