Der Thomanerchor sing in der Thomaskirche Leipzig (Quelle: dpa/Schmidt)
Bild: dpa/Hendrik Schmidt

Kein Aufschub für stimmliche "Umerziehung" - Mädchen nimmt nicht am Vorsingen für Knabenchor teil

Im Streit um Mädchenstimmen im Knabenchor möchte die Berliner Rechtsanwältin, die ihrer Tochter eine Aufnahme im Leipziger Thomanerchor ermöglichen wollte, ein Vorsingen des Mädchens verschieben. Damit könne das Kind aber nicht mehr am Aufnahmeverfahren teilnehmen, hieß es am Montag von der Stadt Leipzig. Dies käme einer Vorzugsbehandlung gleich.

Wie ein Sprecher der Stadt mitteilte, wurde die Bewerberin am 11. September zum Vorsingen am Montag, 30. September, oder am Dienstag, 1. Oktober eingeladen. Jedoch bat die Mutter um einen Aufschub von vier Monaten: Ihre Tochter müsse erst noch den "Knabenchorklang erlernen". "Eine solche stimmliche "Umerziehung" entspricht weder dem Menschenbild der Leitung des Chores noch seiner Auffassung vom Kindeswohl", hieß es von der Stadt.

Klangbild des Chors hat Vorrang

Die Stadt Leipzig setzte mit der Einladung zum Vorsingen ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts (Az. VG 3 K 113/19) um, wonach die künstlerische Bewertung einer Stimme den Ausschlag darüber gibt, wer in einem Knabenchor singen darf. Da das Mädchen genauso wie andere Bewerber behandelt werden soll, müsse sie auch zu den vorgegebenen Terminen vorsingen, so die Stadt. Ansonsten sei das Aufnahmeverfahren beendet.

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte im Sommer bereits eine Klage der Rechtsanwältin zurückgewiesen, mit der sie ihre Tochter in den Staats- und Domchor Berlin bringen wollte. Er ist gleichfalls ein Knabenchor. Das Recht auf Kunstfreiheit überwiege bei der Entscheidung des Chors, das Mädchen abzulehnen, befand das Gericht. Das Klangbild des Chors habe Vorrang.

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16 Kommentare

  1. 16.

    Liebe Heike, ich weiß zwar das Eigenlob stinkt, komme aber nicht umhin mitzuteilen, dass ich im Leben nie einen Stimmbruch hatte und somit für lange Zeit hoch Singen konnte. Im jungen Jahren hatte ich den Traum Schlagersänger zu werden, doch habe ich mich nie angestrengt es zu verwirklichen. Aber so wie Robin Gibb von den Bee Gees konnte ich auch perfekt singen. Mir tut das Mädchen leid. Wäre meine Mutter nicht so früh verstorben, hätte sie mich vermutlich in mein Bestreben Sänger zu werden sicherlich unterstützt. Aber auf keinen Fall so wie hier geschehen. Was ist das bloß für eine Mutter.

  2. 15.

    Die Knabenchor-Aktivistin tut ihrer Tochter keine Gefallen, wenn sie als Mutter immer mit dem Kopf durch die Wand will, weil sie ihr Kind angeblich benachteiligt sieht. Erst klagt sie in Berlin, weil sie ihre ihre Tochter für geeignet für den Knabenchoe hält. Jetzt klagt sie in Leipzig, weil sie ihre Tochter noch nicht für einen anderen Knabenchor für geeignet hält. Das ist hanebüchener Unsinn, was die Aktivistin veranstaltet.

    Was kommt als nächstes? Eine Klage gegen Mercedes, weil ihre Tochter keinen Vertrag für die Formel 1 bekommt? Es gibt oft falschen Ehrgeiz der Eltern, der auf das Kind projeziert wird.

  3. 14.

    Mimimi, Ihr Kind möchte sicher auch niemand sein, wenn Sie so Position für jemanden beziehen, der das Kind zum Objekt des eigenen Ego machen muss.
    Übrigens: Anglizismen lassen jemanden nicht unbedingt schlauer erscheinen.

  4. 13.

    Cyber-Bullying gegen eine Frau und Mutter, weil sie nicht euren politischen Vorstellungen entspricht? Cyber-Bullying wird hier zugelassen? Wie tief kann man sinken eine Mutter und ihre Tochter so anzugehen?

    Die Vorgabe, dass das Mädchen den "Knabenchorklang erlernen" muss wurde vom Gericht so vorgegeben, da das Mädchen sonst nicht aufgenommen wird. Wenn man ein Mädchen dazu zwingt wie ein Junge zu klingen, dient das natürlich einzig und allen dem Zweck, dass das Mädchen keine Chance hat im Bewerbungsverfahren.

  5. 12.

    Sie sollten die Kinder hinter einen Vorhang vorsingen lassen, mit zufällig vergebenen Nummern und Reihenfolge. Dann wär klar, dass nach Stimme entschieden wird und nach nichts anderem. Wär interessant zu erfahren, ob dann die Stimme von Mädchen als nicht zum Klangbild des Chors passend wahrgenommen wird, oder nicht. Zu glauben, das Wissen ob m oder w ginge nicht in die Beurteilung ein, ist eine Illusion. Menschen sind selbst bei gutem Willen nicht in der Lage, ihre Wahrnehmungen und Vorurteile vollständig auseinanderzuhalten. Das Gehirn funktioniert nicht neutral.
    In diesem Fall ist es einfach, die Information mit dem Vorurteil aus der Situation zu entfernen und ein sachlicheres Urteil zu bekommen.

  6. 11.

    Als Linkshänder sollte ich in der Kita "umerzogen" werden - als meine Eltern das spitz bekamen war da aber was los - auch die zaghaften Versuche danach, ich sollte Gabel oder Löffel doch NACH dem Essen dann immer in die rechte Hand wechseln und "nur" festhalten - wurden durch meine Eltern massiv ins Nirvana geschickt und mit dem Versprechen, sollte ich weiterhin so gemobbt werden, würde die Sache den Rechtsweg gehen, wurden dem Personal dort Riegel vorgeschoben.
    Trotz dieses Disputs ging ich gerne dort hin. Mir als Kind war´s egal, ich hatte ja meine Spielkameraden. Ich bin heute meinen Eltern dafür dankbar......habt Ihr echt klasse gemacht Euch gegen Umerziehung zu wehren.
    Es gibt genug Beispiele für Menschen, denen dadurch erheblicher Schaden in Sachen Motorik zugefügt wurde.
    Deshalb muss dieser "Mutter" von Amts wegen schon Einhalt geboten werden.

  7. 9.

    Man kann bei diesem Fall wirklich nur noch den Kopf schütteln. Diese Mutter scheint sich mit dem Begriff "Übergriffigkeit" und das in Bezug auf sich selbst, noch nie befasst zu haben. Wobei ich das schon eher als Vergewaltigung, bzw. als Instrumentalisierung (für ihre eigenen Belange) betrachte. Schlimm. Irgendwann fliegt der Mutter das dann hoffentlich um die Ohren, wenn das Mädchen alt genug, sich zu wehren.

  8. 8.

    Das Kind ist bedauernswert. Als Tochter einer geltungssüchtigen Mutter, in deren Kindheit bestimmt einiges schiefgelaufen zu sein scheint, aufwachsen zu müssen, lässt vermuten, dass das Kind entweder einen psychischen Schaden erleiden wird und früher oder später einen Psychologen benötigen könnte, oder es in der Jugend völlig ausbrechen wird.
    Wie wäre es mal, das Jugendamt auf solche Eltern anzusetzen, oder haben solche Rechtsverdreher einen Bonus, der jeden Schutz des Kindes auf der Strecke bleiben lässt?
    Umerziehen? Das von einer Rechtsanwältin - wie weltfremd ist diese diktatorische Frau eigentlich?
    Das erinnert eher an ein Straflager als an ein liebevolles Elternhaus.

  9. 7.

    Schön, wenn man eine Mutter hat, die Anwältin ist.

    Was würde dieser "Spaß" wohl kosten, wenn man regulär zum Anwalt(m/w/d) ginge, und wer
    wäre bereit, das Kostenrisiko zu tragen?

    P.S.: Mein Sohn hätte gerne bei den - jetzt abgesetzten - Cheerleadern von ALBA mitgemacht ...
    Hätte ich das auch einklagen können ?

  10. 6.

    Ein neunjähriges Mädchen und ihre Mutter gehen nun juristisch dagegen vor.
    Am ende hat die sogenannte Frauenquote des Chors Vorrang.
    Wie bekommt man am besten damit wohl aufmerksamkeit?


  11. 5.

    Ich kann diese Mutter nicht im geringsten Verstehen. Das Wohl ihres Kindes scheint sie recht wenig zu interessieren. Wichtig ist für diese Frau irgendein Prestige. Wenn ich schon lese....stimmliche Umerziehung, wird mir ganz schlecht.
    In meinen Augen ist das schon fast ein Fall für das Jugendamt.

  12. 4.

    "Knabenchorklang erlernen". Mir fehlen die Worte. Das ist doch Realsatire. Vielleicht sollte sich mal das Jugendamt einschalten. Scheint ja in Mode zu kommen, das Kindeswohl eigenen Interessen unterzuordnen.

  13. 3.

    ja,
    das macht ja auch Sinn...

    Gibt es nicht für diese Stimmlage einen Mädchen chor (wo keine Knaben mitsingen dürfen?)

  14. 2.

    Krankhafte Geltungssucht der Mutter. Das arme Mädchen.

  15. 1.

    Bei so einer Mutter kann einem das Mädchen nur sehr leid tun. Diese Mutter hat sie doch nicht alle. Was glaubt sie eigentlich, wer sie ist?

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