Metropol am Nollendorfplatz (Quelle: rbb|24)
rbb|24
Audio: Radioeins | 23.09.2019 | Mc Lücke und Thomas Spindler | Bild: rbb|24 Download (mp3, 6 MB)

Eröffnung Metropol am Nollendorfplatz - Asche, Staub und fette Partys

Fünf Jahre lang war das Theater am Nollendorfplatz geschlossen – jetzt eröffnet es unter seinem altem Namen "Metropol" wieder und will an glanzvolle Zeiten anknüpfen: mit Live-Konzerten und vielen Partys. Von Laurina Schräder

Noch vor einer Woche prangte das alte, brachial auffällig große Logo des Goya vorne am Giebel des alten Theaters – und darunter der kleine Metropol-Schriftzug, der die Wiedereröffnung des Veranstaltungsortes seit Wochen ankündigt. Dabei war das Goya gerade einmal ein Jahr in dem Gebäude zu Hause, und das ist auch schon 13 Jahre her.

Von dem glamourösen, sagenumwobenen Ort, an dem David Bowie oder Depeche Mode Konzerte gaben, dem deutschen Studio 54, wie es manche bezeichneten, war jahrelang nicht mehr viel zu spüren.

Die Jüngeren kennen das Metropol nur noch aus den Erzählungen ihrer Eltern. Sie selbst sind zum Party machen woanders hingefahren: in den Osten der Stadt, in die Bar 25, das Berghain, Sisyphos. Der graue Koloss am Nollendorfplatz 5 bildet für sie lediglich eine Kulisse in Schöneberg.

Vom Schauspielhaus zur Discothek

Dabei ist die Geschichte des Theaters durchaus beachtenswert: 1905 entsteht am Nollendorfplatz 5 das Neue Schauspielhaus mit einem Konzertsaal aus Mahagoniholz. Nebenan wird damals die Hochbahn Berlins gebaut. Das Gebäude ist ein Vorbote der neuen Zeit, der Moderne, die nicht bloß architektonisch an dem Gebäude festzumachen ist. In den 20er Jahren betreibt der Avantgarde-Theatermacher Erwin Piscator seine Piscator-Bühne in den Räumen des Theaters am Nollendorfplatz. In der Nachkriegszeit werden im Mozartsaal Varieté- und Revuevorstellungen gegeben, vor allem jedoch Filme gezeigt.

Ende der 70er Jahre schließlich avanciert die Location zur West-Berliner Partyadresse Nummer 1: dem Metropol. Viele erinnern sich an Shows mit Lasern, Licht, Ekstase – und auch an das Ende dieser Zeit. Denn nach dem Mauerfall wurden andere Orte der Stadt immer beliebter. Neue Konzepte für das Metropol – beispielsweise der Versuch, den KitKat-Club dauerhaft dort unterzubringen –, scheiterten. Auch der Tanzclub Goya, der 2005 in dem Gebäude eröffnete und zu dem nur Mitglieder Zutritt hatten, war schon nach fünf Monaten Jahr Geschichte. In der Folgezeit diente das Gebäude wechselnden Betreibern als Eventlocation, Restaurant, Bar oder Club. Seit 2014 war es geschlossen.

Jetzt ist das Metropol wieder da: Der Berliner Konzertveranstalter, Club- und Agenturbetreiber Thomas Spindler eröffnet das Theater am Nollendorfplatz unter dem bekannten Namen erneut. Mittlerweile ist der Schriftzug des Goyas beseitigt und mit weiß scheinendem Kreuz ist nun am Giebel wieder Metropol zu lesen.

Moka Efti Orchestra und Zirkus Metropol

Die Spuren des noblen Clubs Goya und dessen massive Umbauarbeiten konnte Spindler allerdings nicht einfach ungeschehen machen: Zum einen wäre ein erneuter Komplettumbau zu teuer gewesen, zum anderen aufgrund der rechtlichen Situation in dem denkmalgeschützten Gebäude, nicht leicht zu realisieren. So sind die riesigen Säulen und Kronleuchter aus Venedig im Innern Teil des neuen Metropol erhalten geblieben.

Die neue Ära des Metropol beginnt am Freitag zunächst mit einer Party und DJ-Headliner Moonbootica. Am Samstag folgt das Konzert des Moka Efti Orchestras feat. Severija - bekannt aus der Serie Babylon Berlin und vor allem durch den Song "Zu Asche, zu Staub". Direkt nach dem Konzert startet der Zirkus Metropol sein Kabarett der Verrückten, mit Stars aus der Welt des Burlesquen oder Tarotkartenlegerinnen.

Es sind zwei Tage, die einen Vorgeschmack auf das geben, was sich auch künftig dort abspielen soll: vor allem Live-Konzerte und Partys. Und zur Finanzierung des Kulturbetriebs soll das Metropol auch für Firmenevents vermietet werden. Im Interview mit Radioeins betonte Betreiber Thomas Spindler allerdings noch einmal, das Programm sei gewissermaßen nur eine Nebensache: "Ich denke, der eigentliche Star des Wochenendes ist das Metropol - keine Frage."

Eine hippe Location mit Tradition

Beitrag von Laurina Schräder

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren