Sänger Michael Marco Fitzthum mit seiner Band "Wanda". (Quelle: dpa/Eventpress Hoensch)
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Konzertkritik | Wanda auf dem Mercedes Platz - Mediterranes Flair in der Betonwüste

Einen Überraschungsgig hat am Mittwoch die österreichische Band Wanda am Berliner Mercedes Platz gespielt. 2.000 Musikfans tanzten draußen und umsonst zu Hits wie "Bussi Baby". Von Christiane Falk

 

Der Regen hält die Fans nicht ab, sie kommen nur später: Während es beim Soundcheck der österreichischen Band Wanda am Mittwoch noch leer ist, ändert sich das Bild, als sie um 19 Uhr für ein einstündiges Konzert auf die Bühne vor der Berliner Verti Music Hall kommen.

Und die Künstler von Wanda wissen, wie man einen Auftritt bestreitet, der sich deutlich von einem Konzert der Tour unterscheiden soll: Statt den Besuchern hauptsächlich Songs des neuen Albums "Ciao!" vorzustellen, starten Wanda gleich mit einem des ganz großen Hit.

Für ein paar Minuten wandelt sich die Betonwüste des Berliner Mercedes Platzes in eine Stadt in Norditalien. In "Bologna" singt Marco Wanda: "Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag: für Amore, Amore'" und animiert die Fans sofort zum Mitsingen.

Rooftop Auftritt von Wanda auf dem Mercedes Platz. (Quelle: rbb/Christiane Falk)
Wanda auf dem Mercedes PlatzBild: rbb/Christiane Falk

Kuschelig eng

50 Jahre ist es her, dass die Beatles 1969 ihr letztes Konzert gaben - das sogenannte "Rooftop Conzert" in der Savile Row in London bekamen nur die Fans mit, die zufällig vorbeikamen. Das Gratiskonzert von Wanda wird lediglich einige Stunden auf Radioeins beworben - und 2.000 Fans kommen.

Auf der kleinen Bühne vor der Verti Music Hall ist kaum Platz für die fünf Bandmitglieder. Wanda, die sonst mittlerweile die großen Hallen und Stadien bespielen, stehen so eng beieinander wie seit Jahren nicht mehr - und scheinen es zu genießen. Marco Wanda fordert sein Publikum auch schnell zum Tanz auf - "Luzia" gehört zu den rockigsten und treibendsten Songs. Es folgt kurz darauf mit "Schickt mir die Post" ein weiterer Song des Debütalbums.

Erst nach einer knappen halben Stunde stimmen Wanda die ersten neuen Lieder an. "Ciao Baby" und "S.O.S." fügen sich wunderbar in den typischen Wanda-Sound ein, sind gefüllt mit melancholischen, nachdenklichen Schlagworten und Formulierungen, wie sie keine andere deutschsprachige Band so schonungslos ausarbeitet.

Manch einer kritisiert Wanda als Schlagerband, vergisst dabei aber, dass Schlager durch Musiker wie Udo Jürgens oder auch Manfred Krug kein Schimpfwort, sondern durchaus eine Auszeichnung sein kann. Doch Wanda beherrschen ohnehin mehr als sehnsuchtsvolle Schlager: An ihren Songs haften nicht selten noch der Dreck und Schweiß der letzten Nacht, den die Indie-Club-Gänger nur zu gut kennen und schätzen. Bei Wanda-Konzerten treffen sich die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, Alt und Jung, Hippies und Hipster.

Selbst bei diesem ungewöhnlichen Auftritt sind sie alle gekommen, feiern friedlich, aber ausgelassen miteinander. Immer wenn Marco Wanda sie animiniert, schreien die Fans laut und lauter, den Blick immer nach oben geheftet, wo er den leidenschaftlichen Frontmann gibt und seine gut eingespielten Bandkollegen ihm stets das perfekte, wenngleich im Vergleich zum Studiospiel rauere Soundgewand liefern.

Der räumliche Abstand zwischen Band und Fans mag größer sein als sonst, der Funke zwischen beiden springt dennoch über, zu zwingend sind die Melodien und Texte. "Lascia Mi Fare" und "Columbo" werden lautstark bejubelt, beim Finale mit "Bussi Baby" und "1, 2, 3, 4" springen die Fans wie Flummis auf und ab.

Eigentlich soll dann Schluss sein, doch Wanda wollen sich nicht trennen und stimmen ein zweites Mal "Luzia" an. Noch einmal Energie rauslassen, ein letztes Mal Winken und das Versprechen: Wir sehen uns wieder in Berlin.

Beitrag von Christiane Falk

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wenn man in der seelenlosesten Location Berlins die Leute so "kriegt", dann spricht das eindeutig für die Band, die wirklich ein außerordentlicher Mitreißer ist.
    Großes Lob an Wanda, an radioeins für die gesamte Crowdfunding-Aktion.

    Aber mein Haar in der "Suppe": nicht zum ersten Mal arbeitet radioeins bei Aktionen ausgerechnet mit eben jener Vertie Music Hall, bzw. dem Mercedes-Gelände intensiv zusammen. Dieser Kommerz-Tempel, diese Area, die sich Investoren von der Stadt "geklaut" haben (im Sinne von "wem gehört die Stadt") sollte nicht unbedingt Prime-Partner eines eigentlich progressiven Senders sein. Es gibt in Berlin soviele Veranstaltungsorte, die geerdet und aus der Stadt heraus gelebt werden. Nur mal so als Denkanstoß.....

  2. 1.

    Leider fehlt hier noch die Information, dass das Konzert für einen guten Zweck, einer Spendenaktion „crowd fun day“ von Radioeins und betterplace.org, war. Das Filmorchester Babelsberg gab auch ein Gratiskonzert im Bahnhof Potsdam. Solch ein Zusammenwirken von Künstlern mit sozialem Engagement könnte in eurem Beitrag gerne hervorgehoben werden!

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