Bildcollage: Eine Kerze brennt am Reformationstag (l.); ein junges Mädchen vor Halloween-Kürbissen. (Quelle: dpa/W. Bahnmüller)
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Gesetzlicher Feiertag in Brandenburg - Protestanten feiern Reformation, viele Kinder Halloween

Protestanten in aller Welt feiern am Donnerstag den Reformationstag. Dabei wird an die Anfänge der evangelischen Kirche vor über 500 Jahren erinnert. Vor allem in den Bundesländern, in denen der Tag ein gesetzlicher Feiertag ist, laden die Kirchen zu Gottesdiensten, Konzerten und Diskussionsveranstaltungen ein. In den anderen Bundesländern haben die evangelischen Landeskirchen ihre zentralen Veranstaltungen teilweise auf die Abendstunden gelegt.

In Brandenburg ein gesetzlicher Feiertag - nicht in Berlin

Auch in Brandenburg ist der Reformationstag am 31. Oktober ein gesetzlicher Feiertag. Daher wird in Berlin wie in jedem Jahr mit einem größeren Andrang von Menschen aus Brandenburg gerechnet, die den Tag nicht nur nutzen, um der Reformation zu gedenken, sondern zum Einkaufen oder zur Freizeitgestaltung in die Hauptstadt reisen.

Auch in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen ist der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag. In Berlin dagegen nicht - stattdessen hatte das Abgeordnetenhaus Ende Januar entschieden, den Internationalen Frauentag am 8. März zum Feiertag zu erklären.

Reformationsgedenken im Zeichen des Mauerfall-Jubiläums

In diesem Jahr steht der Reformationstag auch im Zeichen des 30-jährigen Mauerfall-Jubiläums. An der Berliner Gethsemanekirche findet ein ARD-Fernsehgottesdienst statt zum Thema "Glaube.Liebe.Revolution - 30 Jahre Friedliche Revolution". Als Gast wird der Liedermacher Stephan Krawczyk erwartet, wie die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am Dienstag ankündigte.

In Brandenburg lädt die Gemeinde in Wittenberge (Landkreis Prignitz) zu einem Gottesdienst "Zu Tisch mit Martin Luther". In der Kirche von Dissen-Striesow (Landkreis Spree-Neiße) wird ein Wendischer Abendmahlsgottesdienst gefeiert.

Der zentrale Reformationsempfang der Landeskirche findet dieses Jahr in der Zionskirche in Berlin-Mitte statt. Die Andacht hält Bischof Markus Dröge gemeinsam mit dem früheren
Generalsuperintendenten Martin-Michael Passauer.

Evangelische Selbstbesinnung und Gedenken an Luther

Am Reformationstag wird an den Thesenanschlag Martin Luthers (1483 - 1546) am 31. an der Wittenberger Schlosskirche im Jahr 1517 erinnert. Luther prangerte vor allem den Ablasshandel in der Katholischen Kirche an und wollte die Kirche erneuern. Die von ihm geforderten Reformen führten schließlich zur Gründung der evangelischen Kirchen. In der Evangelischen Kirche wird der Tag als Gelegenheit zur Selbstbesinnung verstanden. Zum 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober 2017 war der Tag einmalig bundesweit arbeitsfrei.

Viele Kinder feiern lieber "Halloween"

Für viele Kinder in Berlin und Brandenburg wie auch in den übrigen Bundesländern ist der Reformationstag eher mit dem Gedanken an "Süßes oder Saures" verbunden. So hat sich seit den 1990er-Jahren Jahren auch in Deutschland der Brauch verbreitet, am 31. Oktober Halloween zu feiern.

Verkleidet als Feen, Fledermäuse, Geister oder Hexen, ziehen die Kinder von Haus zu Haus und fordern die Menschen auf, ihnen Süßigkeiten zu geben - begleitet von der Drohung, ihnen sonst böse Streiche zu spielen. Zentrales Halloween-Symbol ist ein ausgehöhlter Kürbis mit Augen, Nase und Mund, der von innen mit einer Kerze beleuchtet wird.

Ursprünglich kommt der Halloween-Brauch aus dem katholischen Irland, wo mit "All Hallows' Eve" die Nacht vor dem Hochfest Allerheiligen (1. November) gefeiert wird. Irische Auswanderer brachten Halloween in die USA, von wo aus der Brauch später auch nach Deutschland kam.

Polizei will zu Halloween hart durchgreifen

Nachdem in den vergangenen zwei Jahren Busse und Autos zu Halloween mit Böllern beworfen wurden, hat die Polizei in diesem Jahr angekündigt, hart durchzugreifen. Wie ein Sprecher am Mittwoch sagte, soll an Halloween vor allem im Ortsteil Schöneberg mit "aller Entschiedenheit" gegen Störer vorgegangen werden. Dazu gehöre auch der "offensive Einsatz" von Einsatzkräften. Die Polizisten seien zu den Gefahren durch Pyrotechnik sensibilisiert.

2018 waren an der Ecke Pallas- und Potsdamer Straße aus mehreren kleinen Grüppchen heraus ein Linienbus und Autos mit Eiern und Böllern beworfen worden. Auch eine Radfahrerin war zum Ziel eines Böllers geworden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 31.10.2019, 19.30 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Das mag eine schöne Idee sein - verträgt sich aber nicht mit der Abfolge der Feiertage im Kirchenjahr. Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten sind nun mal bewegliche Feste, wobei sich Pfingsten und Himmelfahrt am Ostersonntag orientieren. So ist Pfingsten (von griechisch "pentekoste heméra" = "fünfzigster Tag") immer 50 Tage nach Ostern - und Himmelfahrt immer zehn Tage vor Pfingsten. Und Halloween am selben Tag wie Allerheiligen zu feiern, wäre ungefähr so, als würde man die Walpurgisnacht erst am 1. Mai feiern. Bei Halloween handelt es sich nämlich um einen alten irisch-katholischen Volksbrauch am Vorabend von Allerheiligen ("All Hallows' Eve"). So einfach lassen sich kirchliche Feiertage also nicht zusammenlegen - und das ist im Vereinigten Königreich nicht anders als in der Bundesrepublik.

  2. 8.

    Na gut, dann heisst der Tag halt weder katholisch noch evangelisch, sondern "arbeitsfreier Feiertag". Schulfrei natürlich auch, in allen Bundesländern.

    SChaut euch UK an, da fallen wie von Zauberhand die Feiertage immer auf einen Montag oder Freitag - wie genial! Wenn der Frauentag immer der erste Montag im März wäre, der Tag der Arbeit der erste Freitag im Mai, Himmelfahrt wäre der letzte Freitag im Mai, gerne direkt vor Pfingstmontag, der Staatsfeiertag wäre der erste Montag im Oktober, und im November würde der Buß- und Bettag, Allerheiligen, Reformationstag, Allerseelen, Halloween und Totensonntag, sowie Volkstrauertag zum vorletzten Freitag im November zusammengefasst.

    Perfekt, oder?

    Dazu ist Deutschland aber leider nicht fähig....

  3. 7.

    Warum? Religiöses Feiertage feiern 80-90% Der Bevölkerung nicht. Besonders in Brandenburg.
    Es ist nur ein Tag, an dem man frei hat.
    Eine kleine Minderheit geht tatsächlich dazu in die Kirche.
    Zum Glück. Schimpft sich immerhin sekulärer Staat.

  4. 5.

    Um richtig Halloween feiern zu können, braucht man Allerheiligen, also den 1. November frei! Wenn man am nächsten Tag in die Schule oder zur Arbeit muss, ist es einfach nicht dasselbe.

    @ Vorort: Von der Fläche her gesehen ist Berlin - immerhin mehr als doppelt so groß wie Bremen - nur das drittkleinste Bundesland. Wenn man nach der Einwohnerzahl geht, sind sogar acht (!) Bundesländer "kleiner" als Berlin. *klugscheiß* ;-)

    An alle diejenigen, welche heute Abend Süßigkeiten an bei ihnen klingelnde Kinder ausgeben hier noch die Bitte, vorab einmal auf das Mindesthaltbarkeitsdatum der Ware zu achten. Unsere Kinder haben zum Teil Süßkram bekommen, der bereits seit mehreren Jahren abgelaufen war. Irgendwann mussten wir leider aus lebensmittelhygienischen/gesundheitlichen Gründen dazu übergehen, alles wegzuwerfen, wo kein MHD drauf stand.

    Happy Halloween! :-)

  5. 4.

    Naja. Etwa ein Sechstel der Berliner sind Protestanten hingegen ca. die Hälfte Frauen ;) Und mit den Kindern erfreuen sich auch viele Erwachsene an den Halloween Feiern :) Bei "den Protestanten" wird übrigens auch sehr unterschiedlich gefeiert: "Auf der Erde gibt es rund 900 Millionen Protestanten, darunter 300 Millionen in den durch die Reformation direkt geprägten Kirchen (Evangelische) und 600 Millionen in neuprotestantischen (teilweise durch die Erweckungsbewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts) geprägten Kirchen (zumeist Evangelikale). Die meisten Protestanten sind nur in einer Handvoll Konfessionsfamilien verstreut: Lutheraner, Reformierte (u. a. Calvinisten, Zwinglianer, Presbyterianer, Kongregationalisten), Anglikaner (darunter auch Episkopalianer), Täufer (u. a. Mennoniten, Amische, Hutterer), Baptisten, Methodisten, Adventisten und Pfingstler. Zudem gibt es eine Mehrzahl von Kleinstgruppen wie z. B. Arminianer und auch in Berlin einige friedliche Quäker ..." Quelle: Wikipedia

  6. 3.

    Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber mir kommt das sehr nach Absprache unter der Wirtschaft aus:
    Berlin macht heute mehr Umsatz, am 8. März klingeln dafür im Land Brandenburg die Kassen.
    Ganz ehrlich - wenn schon ein zusätzlicher Feiertag, dann heute. Für Brandenburg UND Berlin. Aber diese Messe ist inzwischen gesungen.

  7. 2.

    Ich freue mich jedes Mal, dass ich in Berlin arbeiten darf, mein Kind aber schulfrei hat - am Frauentag umgekehrt. Wir wohnen in Sichtweite der alten Grenze. Ganz Norddeutschland, überwiegend protestantisch, hat frei, nur in Berlin tobt der Bär, vor allem wenn die Brandenburger shoppen gehen. Ganz klasse...
    Und morgen ist dann im kompletten anderen Teil Deutschlands, den kath. Bundesländern, frei. Nur wir Irren sitzen im Büro und versuchen, in der Brückentagswoche Kunden zu erreichen. Erfolglos natürlich. Versteht aber die Leitung nicht - kinderlos, "ach, ist woanders Feiertag?".

    So ein hirnloser Quatsch. Föderalismus hat in der Bildungspolitik und im Feiertagswesen nichts zu suchen! Entweder hat KEINER frei oder ALLE.

    Ein Insellösung für das kleinste Bundesland Berlin ist der Gipfel der Zumutung.

  8. 1.

    Schade! Hätte auch in Berlin endlich ein schöner Feiertag sein können. Aber dann würde dem Einzelhandel ja das ganze Geld flöten gehen. Das geht natürlich nicht. Dann lieber im Frühling, wo ohnehin ein Feiertag den Anderen jagt. Danke lieber Senat!

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