Party im Club Tresor vor der Schließung. Quelle: imago
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Studie "Clubkultur Berlin" - Clubs in Berlin fordern mehr Platz und besseren Schutz

In der Studie "Clubkultur Berlin" der Clubcommission Berlin fordern die Autoren den Senat auf, die Berliner Partyszene als Kulturbetriebe anzuerkennen. Das soll Clubs vor Verdrängung wegen Raumknappheit und Preissteigerungen in der Innenstadt schützen.

Berlins Clubszene hat den Senat aufgefordert, die Party- und Veranstaltungsorte in der Hauptstadt rechtlich mit etablierten Kultureinrichtungen wie Museen und Theatern gleichzustellen. In einer Studie, die die "Clubcommission Berlin" am Dienstag veröffentlicht hat, liefern die Autoren eine detaillierte Bestandaufnahme des Berliner Nachtlebens und fordern Maßnahmen des Senats, um eine Verdrängung der Clubs aus einer "dichten Stadt" zu verhindern.

Als Schlüsselinstrument schlagen die Autoren der Studie eine rechtliche Einordnung der Clubszene als Kulturstätten, wie etwa Museen oder Theater vor. "Aktuell gelten Clubs genau wie Spielhallen, Sex-Kinos und Wettbüros als Vergnügungsstätten", erklärte Lukas Drevenstedt, Geschäftsführer der Clubcommission rbb|24 am Dienstag. "Es wird dabei unterstellt, es gäbe vergleichbare negative städtebauliche Auswirkungen und eine kommerzielle Unterhaltung stehe gegenüber der kulturellen und sozialen Bedeutung der Clubs im Vordergrund."

Kunst und Politik in Berliner Clubs

Die "Clubcommission" ist ein Branchenverband der Berliner Club-, Party- und Kulturveranstalter.  In der Studie mit dem Titel "Clubkultur Berlin" haben die Autoren die soziale, ästhetische und ökonomische Bedeutung der Clubs analysiert. Die Studie zeigt auf, dass in 226 Berliner Clubs pro Jahr mehr als 70.000 Veranstaltungen stattfinden.

Vier von fünf Veranstaltern hätten zudem schon einmal mit Institutionen aus den Bereichen Film, Literatur oder Theater zusammengearbeitet. "Dies führt dazu, dass ein vielfältiges Programm entsteht, das auch musikalische Nischen bedient", so der Verband in einer Mitteilung. Drei Viertel der Clubs würden außerdem ein künstlerisches Konzept verfolgen, 90 Prozent engagierten sich zudem politisch. 

Clubtourismus bringt Berlin 1,48 Milliarden Euro pro Jahr

Der Verband leitet aus den für die Studie erhobenen Daten Forderungen an den Senat ab. "Gegenüber etablierten Kulturorten wie Museen, Theatern oder Konzerthäusern liegt hier eine Ungleichbehandlung vor", erklärt Verbandsgeschäftsführer Drevenstedt rbb|24. "Es mangelt an Planungssicherheit für Clubkulturschaffende. Die Möglichkeit, Clubs unter bestimmten Voraussetzungen als Anlagen kultureller Zwecke einordnen zu können, würde den Handlungsspielraum sowohl für die Behörden als auch für die Clubs erhöhen."

Auch wirtschaftlich sei die Branche ein enormer Faktor für die Hauptstadt. Der Studie zufolge arbeiten 9.000 Menschen in Berliner Clubs, deren Gesamtumsatz lag im Jahr 2017 bei 168 Millionen Euro. Im Schnitt seien 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Club beschäftigt, dadurch sei die Branche ein relevanter Arbeitgeber der klein- und mittelständischen Kreativ- und Kulturwirtschaft. "1,48 Milliarden Euro werden jährlich durch Club-Tourismus in Berlin umgesetzt", heißt es in der Mitteilung. 

Eine Millionen Euro für den Lärmschutz

Da sich 90 Prozent aller Berliner Party- und Veranstaltungsorte innerhalb des S-Bahn-Rings befänden, sei aber die Zukunft vieler Clubs ungewiss. "Raumknappheit und Preissteigerungen in der Innenstadt befördern Verdrängung von Clubkultur", heißt es. Dies mache sich bereits jetzt in den Innenstadtbezirken bemerkbar, in denen bereits eine große Knappheit an Wohnraum und Gewerbeflächen herrsche. Die Autoren der Studie haben zudem eine Prognose für den Bedarf an neuen Flächen errechnet. Demnach fehlten in den kommenden fünf bis acht Jahren rund 30.000 Quadratmeter für Clubs, innerstädtische Festivals, Proberäume und Produktionsstudios.

Zur Veröffentlichung der Studie erklärte der Clubverband, dass der Berliner Senat die Szene bereits unterstütze. Um die Lärm-Konflikte zwischen Anwohnern und Clubbesitzern in der Hauptstadt zu entschärfen, hatte der Berliner Senat bereits im November 2018 ein Lärmschutzprogramm für Clubs und Musikspielstätten gestartet. Ziel des Programms "Lärmschutz Clubs" [laermschutzfonds.de] ist es, die Berliner Clubkultur zu erhalten und dem Wandel der Stadt anzupassen. Dazu sollen Lärmschutzmaßnahmen mit insgesamt einer Million Euro gefördert werden.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    In erster Linie geht es darum die bestehenden Clubs zu erhalten. Im Zuge der Gentrifizierung werden sie verdrängt. Und das schlimme daran ist, dass sie Teil der Kultur Berlins sind. Sie machen Berlin zu dem Berlin in dem ich wohnen will.

    Clubs sind Gewerbe die Kultur in Berlin betreiben. Sie stehen nicht in Konkurrenz zum Wohnraum.

    Clubs sind übrigens keine Discos. Sie werden kuratiert mit einem Programm.

    Clubs sind keine Spielhallen werden aber so besteuert.

  2. 2.

    Wieso sollte man innerhalb des Ringes feiern können, wenn der Großteil der Berliner dort nicht mal mehr wohnen kann? Wäre toll, wenn beides möglich wäre, is aber nich... Die Discoszene nimmt sich zu wichtig!!

  3. 1.

    Die Frage ist nur, welche Kriterien ein Club erfüllen muss, um Kulturstätte zu sein. Es könnte sonst auch jede Grillparty mit DJ-Beschallung zur Kulturveranstaltung erklärt werden.

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