Archivbild von 2016: Die britische Sängerin Tanita Tikaram bei einem Konzert in Zürich (Quelle: dpa/rtn/ etlef Engel)
Audio: Inforadio | 06.10.2019 | Lennart Garbes | Bild: dpa/rtn/Detlef Engel

Konzertkritik | Tanita Tikaram - 80er-Ikone weiß immer noch zu überraschen

31 Jahre ist es her, dass Tanita Tikaram mit "Twist in my Sobriety" zum Popstar wurde. Auch weil sie nie so richtig berühmt sein wollte, hat sie ihren Kultstatus bis heute bewahrt. Das ist auch bei ihrem Konzert im Heimathafen Neukölln zu spüren. Von Lennart Garbes

Es liegt Spannung in der Luft. Als die Lichter im Konzertsaal im Heimathafen Neukölln ausgehen, ist die Vorfreude beim Publikum fast greifbar. Doch Tanita Tikaram ist bekannt dafür, ein bisschen eigen und unberechenbarer zu sein als andere Popstars. So reißt der Beginn ihre Konzerts auch nicht gleich alle mit, sondern beginnt mit einem ruhigen Geigensolo.

Rückblick auf drei Jahrzehnte Musik

Andächtig lauscht das Publikum dem ruhigen Beginn des Konzerts. Tikaram, ganz in Rot, wechselt immer wieder zwischen einer verstärkten Akustikgitarre und dem Klavier. Begleitet wird sie von einer ganz in Weiß auftretenden Geigerin sowie von schwarz gekleideten Männern an Kontrabass, Akkordeon, Schlagzeug, Saxophon und Oboe.

Der Auftritt soll auch ein Rückblick sein auf drei Jahrzehnte als Musikerin, sagt Tikaram. Zwischen den Liedern erklärt sie, worum es in dem jeweiligen Song geht oder was sie inspiriert hat. Denn Tikaram schreibt ihre Lieder selbst, seit Teenagertagen. Immer wieder fällt der Satz: "Diesen Song habe ich geschrieben, als ich noch ganz jung war."

Mit 18 wird Tikaram im legendären Westlondoner Club "The Mean Fiddler" entdeckt. Sie erhält ihren ersten Plattenvertrag, ein Jahr später erscheint das Debütalbum "Ancient Heart", das sich über vier Millionen Mal verkauft.

In der zweiten Hälfte wird es merklich lebhafter

Für den ersten richtigen Jubelsturm an diesem Abend sorgt ihre Bemerkung, dass sie in diesem Jahr 50 geworden ist. Eine Tatsache, mit der sich viele der Konzertbesucher offenbar identifizieren können.

Viele der Songs an diesem Abend sind folkige Interpretationen der sehr unterschiedlichen Tikaram-Kompositionen, die von Klassik über Soul und Blues bis hin zu Einflüssen keltischer Musik reichen. Das verbindende Element bleibt ihre sinnlich-sonore Stimme.

Während die erste Hälfte des Konzerts ein wenig vor sich hinplätschert, wird es in der zweiten Hälfte merklich lebhafter. Es ist aber nicht "Twist in my Sobriety" der die hinteren Reihen im größtenteils bestuhlten Heimathafen von expressivem Schunkeln ins Tanzen übergehen lässt, sondern ihr zweiter großer Hit "Good Tradition" - ebenfalls von 1988.

Marlene Dietrich als Highlight

Trotz der folkigen Grundstimmung lebt die zweite Hälfte des Konzerts auch von größerer Abwechslung. Es gibt sowohl Schlagzeug- als auch Akkordeonsoli, Tikaram singt auf Französisch und schließlich gemeinsam mit dem Publikum. Eine Cover-Version von Marlene Dietrichs "Ich bin Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" macht Tikarams Konzert endgültig zu einem besonderen Abend.

Die Coverversion ist Teil ihres aktuellen Projekts. Tikaram interpretiert Lieder von Frauen die sie musikalisch beeinflusst und beeindruckt haben - von Nina Simone bis Molly Drake. Im nächsten Jahr soll daraus ein Album werden. Auch weil Tanita Tikaram nicht an ihren größten Hits hängengeblieben ist, sondern immer noch zu überraschen weiß, hat sie sich ihren Kultstatus weiterhin verdient.

Beitrag von Lennart Garbes

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ich war ehrlich erschrocken, wieviel Botox ein Gesicht aushalten kann.
    Was im ARD-Morgenmagazin zu sehen war, machte mich traurig.

  2. 2.

    Ja, Herr Rille, Tikarams Stimme klang bei ihren großen Hits der späten 80er wirklich sehr besonders und vor allem älter und ausgereift und so ganz und gar nicht nach einer Teenagerin. Darin lag/liegt ja die Besonderheit und der Reiz des Albums aber Ihr Kommentar macht auch deutlich wie sehr Sie sich als Musikauskenner in der Materie zu Hause fühlen ;-)

  3. 1.

    Wat? So jung? ich dachte immer Ende der 80er, dass sie stimmtechnisch um die 40 sein muss. Aber egal heute gibt's ja Melodymaker diverse Wikia zum Nachsehen.

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