Für die James Simon Galerie als zukünftiger Eingangbereich zu allen Museen auf der Museumsinsel erfolgte die feierliche Schlüsselübergabe im Juli 2019. Quelle: www.imago-images.de/Ulli Winkler
Audio: Inforadio | 29.10.2019 | Sabine Dahl | Bild: www.imago-images.de/Ulli Winkler

Kulturbauten in Berlin - Bundesrechnungshof kritisiert Gebäudeverfall auf Museumsinsel

Berlins Museen sind alt, beliebt - und baufällig. Der Bundesrechnungshof schlägt Alarm. Gefährdet sind nicht nur die verfallenden Bauten, sondern auch etliche Kunstwerke. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz räumt Probleme ein und kündigt einen Plan an.

Von Pfützen umgebene Kunstwerke, nur noch von Plastikplanen geschützte Sammlungsobjekte - Berlins weltberühmte Museen kämpfen gegen den Verfall. Der Bundesrechnungshof sieht wichtige Kulturbauten der Hauptstadt sogar in ihrem Bestand gefährdet.

Es sei "über viele Jahre hinweg ein erheblicher Bauunterhaltsstau entstanden", heißt es in einem Bericht des Rechnungshofes an den Haushaltsausschuss des Bundestages. Die von Bund und Ländern getragene Stiftung Preußischer Kulturbesitz begegne dem nicht effektiv, kritisieren die Prüfer.

Die Stiftung zählt mit mehr als 20 Museen, Sammlungen, Bibliotheken, Instituten und Archiven zu den weltweit größten Kultureinrichtungen.

Kritik am "unzureichenden Werterhalt" bereits 2007

Betroffen sind demnach unter anderem die Villa der Hauptverwaltung, der Museumskomplex in Dahlem, Einrichtungen um das Kulturforum oder das Neue Museum, das zum Unesco-Welterbe der Museumsinsel gehört.

Aufgeführt werden Schäden etwa an Fassaden oder Fenstern, mitunter gefährden mangelnde Abdichtungen Bereiche, in denen Sammlungsgegenstände - "auch wertvolle Exponate" - lagern. Diese stehen auf Paletten, von Pfützen umgeben, nur mit Folien abgedeckt. Dokumentiert werden die Details mit Fotos, betrachtet wurden die Jahre 2010 bis 2017. Bereits 2007 hatte der Bundesrechnungshof den unzureichenden Werterhalt der Stiftungsimmobilien kritisiert.

Zu wenig Geld in den Bauunterhalt geflossen

Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hieß es, in den Bauunterhalt sei in den vergangenen Jahren zu wenig Geld geflossen. Gero Dimter, der Vize-Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, räumte am Dienstag im Gespräch mit dem rbb Mängel an den Kulturbauten ein, warb allerdings um Verständnis. "Nach der Wiedervereinigung ging es zunächst darum, die großen Sanierungsbedarfe im Osten der Stadt zu stemmen", sagte Dimter im rbb-Inforadio, "die Museumsinsel ist inzwischen zu zwei Dritteln saniert, die Staatsbibliothek Unter den Linden vollständig und jetzt richtet sich der Fokus auf die Museen am Kulturforum und in Dahlem."

Bei der Sanierung und Instandhaltung der Gebäude sei die Stiftung auch von ihren Geldgebern abhängig, insbesondere vom Bund und dem Land Berlin. "Wir haben es erreicht, dass in den letzten Jahren der Bauunterhalt von vier Millionen [Euro] im Jahr auf acht Millionen im Jahr verdoppelt werden konnte", sagte Dimter, das decke den Bedarf aber "noch nicht ganz".

Den vom Bundesrechnungshof geforderten Instandhaltungsplan wolle die Stiftung bald konzipieren. Mit Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung erstelle die Stiftung bereits jetzt einen systematischen Plan, um Instandhaltungsbedarfe zu ermitteln und festzuhalten, sagte Dimter. Für größere bauliche Sanierungsarbeiten und Neubauten hat die Stiftung derzeit Mittel in Höhe von rund 136 Millionen pro Jahr zur Verfügung.

Rechnungshof fordert Instandhaltungsplan

Den über die Jahre aufgelaufenen Bauunterhaltsstau beziffert der aktuelle Bericht allein für die Museen auf mehr als 50 Millionen Euro. Dies werde die Stiftung "mit dem derzeitigen Mittel- und Personaleinsatz nicht abbauen können". Der Bundesrechnungshof fordert deswegen einen Instandhaltungsplan. Die zuständige Beauftragte der Bundesregierung, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), habe eine "frühere Zusage, den Bedarf für den Bauunterhalt vollständig zu erfassen und zu veranschlagen, nicht hinreichend umgesetzt".

Im Haus von Grütters ist nach Angaben vom Dienstag die Problematik des unzureichenden Bauunterhalts bei der Stiftung seit Jahren bekannt. "Der Bund versucht, hier gezielt gegenzusteuern", hieß es in einer Stellungnahme.

Der Bauunterhalt sei seit 2010 von 3,73 auf 7,5 Millionen Euro 2019 erhöht worden. 2020 sollen es rund 10 Millionen sein. Erhöhungen müssten sich an Zuschüssen von Bund und Ländern insgesamt orientieren. Ein weiteres Problem sei der Fachkräftemangel im Bauwesen, der dazu geführt habe, dass selbst vorhandene Mittel nicht rasch genug abfließen könnten. Die Stiftung werde einen Instandhaltungsplan aufstellen und den dafür erforderlichen Aufwand bestimmen, "damit der Stau im Bauunterhalt systematischer abgearbeitet werden kann".

Sendung: Inforadio, 29.10.2019, 15 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Warum baut man eine James-Simon-Galerie neu und lässt den Altbestand verrotten? Man möchte nur noch weinen...

  2. 3.

    Das Problem ist eher eine Klientelpolitik: Es werden zuerst die "Aktivisten" medial und politisch bedient, die an lautesten schreien. Für Kultur reichen deshalb ein paar Probenräume und man ist bei den Wählern beliebt.

  3. 2.

    Pardon, aber das Neue Museum ist doch gerade erst nach jahrelangem Wiederaufbau und Restaurierung der noch vorhandenen Teile wiedereröffnet worden. Wie kann es dann bei diesem Gebäude bereits mangelhafte Instandhaltung. Sanierungsbedarf und einen Investitionsstau geben?

  4. 1.

    Hier wird auch Berlin in sich beschrieben. Die Probleme heißen Substanz mit Gleichmut.

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