David Hasselhoff bei seinem Auftritt am 3. Oktober 2019 in Berlin (Quelle: imago images/Baran)
Audio: Inforadio | 04.10.2019 | Steen Lorenzen | Bild: imago images/Baran

Konzertkritik | David Hasselhoff - The Hoff hält Hof in Berlin

30 Jahre Mauerfall - nicht ohne David Hasselhoff! "The Hoff" hat am Tag der Einheit mit einem Konzert in Berlin Erinnerungen seinen legendären Auftritt am Brandenburger Tor 1989 geweckt. Nicht nur musikalisch eine Herausforderung für Steen Lorenzen.  

Deutschland 1989 – ein Wintermärchen. Ein flotter Schauspieler, der in überaus erfolgreichen Fernsehserien in einem futuristischen Sportauto und als Lebensretter in roter Badehose unterwegs ist, singt am Brandenburger Tor ein Lied über die Freiheit. Danach bröckelt der Beton der Mauer endgültig. Der David-Hasselhoff-Mythos ist geboren.

30 Jahre später feiert der US-amerikanische Entertainer statt mit einer halben Million nur noch mit 3.500 Fans den Mauerfall in der etwas zu groß wirkenden Max-Schmeling-Halle.

Hasselhoff zwischen Kult und Trash

Natürlich geht der Kulturkritiker nicht ohne Vorbehalte – um nicht zu sagen Vorurteile – zu diesem Konzert. Was heißt Konzert? Ist das überhaupt eine musikalische Darbietung oder die mit Ballermann-Musik unterlegte Show eines längst verloschenen Fernsehstars? Was ist anderes zu erwarten als schlechte Musik, eine trashige Inszenierung und, wenn es richtig schlimm kommt, rührselige Ansprachen zur Deutsche Einheit?

Doch wer seinen Humor nicht an der Garderobe abgegeben hat, muss – kaum ist Hasselhoff nach einem Videopotpourri aus "Knight Rider"- und "Baywatch"-Sequenzen auf einer Hebebühne erschienen – schmunzeln. Denn der einzige Weg, diesen Abend zu verstehen, ist, sich zumindest für eine Weile dem fahrenden Ritter hinzugeben.

Seine Gefolgsleute sind fröhliche Menschen, die ihm in den 80ern dabei zugeschaut haben, wie er mit seinem Sportflitzer namens K.I.T.T. sprach: Menschen, die ihn in seiner roten Badehose bewundert haben, weil er nicht nur Ertrinkende, sondern gleich die Welt rettete.

Band in Wacken-Festival-Outfit

Das Konzert beginnt musikalisch vielversprechend. The Hoff hat gleich am Anfang ein goldenes Glitzer-Jackett gegen eine Lederjacke ausgetauscht. Neben ihm bauen sich sieben Musiker auf, drei davon könnte er beim Wacken-Festival gecastet haben. Männer, die Kutten tragen, Gitarren schultern und ihre Tattoos auf den Oberarmen zur Schau stellen.

Hasselhoff schmuggelt sogar einen Indierock-Song von Jesus and The Mary Chain ins Programm und beschwört immer wieder mit Nachdruck "30 Years of Freedom". Als wolle er unterstreichen, dass es nach wie vor genug Gründe gibt, nach der Freiheit Ausschau zu halten. Später wird er  noch eine ganz passable Version von Bowies Berlin-Song "Heroes" singen.

Womit wir wieder an der Mauer angekommen wären und der Mauerfall-Partystimmung, für die Hasselhoff schließlich immer wieder nach Berlin kommt – eine Rolle, in der sich der Entertainer offensichtlich gefällt.

Ballermann-Momente und Fotos mit Lebensrettern

Deshalb beginnt nach anfänglichen Überraschungsmomenten nun tatsächlich der Ballermann-taugliche Teil des Abends: mit schmalzigem 80er-Jahre Schlagerpop, süßlichen Countrynummern und aufgemotzten Rocksongs. Hasselhoff und seine Band interpretieren John Denvers "Country Roads", "Hooked on a Feeling" von Blue Swede und bringen die Halle in Wallung mit "It's a Real Good Feeling".

Nach 14 Songs muss der 67-jährige Hasselhoff eine längere Pause machen. Die Fans stärken sich mit den nächsten Bieren, posieren vor K.I.T.T. – das "Knight Rider"-Auto steht tatsächlich mitten in der Max-Schmeling-Halle – und machen Fotos mit etwaigen, selbsternannten Baywatch-Lebensrettern. Dann wird Hasselhoff mit Fankurven-Gesang wieder auf die Bühne geholt.

Blümchen und Polonaise

Jetzt müsste eigentlich Dieter Bohlen an der Seite von David erscheinen, stattdessen singt die 90er-Jahre Eurodance-Sängerin Blümchen ein Duett mit ihm. Es ist Zeit für eine Polonaise. Und tatsächlich findet sie auch statt: zum Song "Limbo", mit Fans auf der Bühne. Der Abend endet schließlich, wie er enden muss: mit Hasselhoffs Mauerfall-Mythos-Song "Looking For Freedom".

Der Kulturkritiker rettet sich in die Nacht hinaus und schaut sich zu Hause nochmal Hasselhoffs Auftritt bei Markus Lanz an: Wie The Hoff der "Fridays For Future"-Aktivistin Luisa Neubauer zur Seite springt und FDP-Chef Lindner die Leviten liest. So geht der Abend auch für den Kritiker mit "A Real Good Feeling" zu Ende.

Sendung: Inforadio, 04.10.2019, 07:50 Uhr

Beitrag von Steen Lorenzen

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11 Kommentare

  1. 11.

    Ich habe ihn mehrfach live und kann nur sagen: Respekt, wie er sich von ganz unten wieder nach oben aufgerappelt hat. Ich bin mit Knight Rider aufgewachsen, hab seine Musik in den 90ern gehört und finde, dass er auf der Bühne auch heute noch eine tolle Show liefert.

  2. 10.

    Besser als "Looking For Freedom" fand ich Hasselhoff in "Piranha 2" (Piranha 3DD). Soll mal lieber schauspielern...

  3. 8.

    David Haselmaus erklärt uns die Mauer - LOL

  4. 7.

    @ Immanuel:
    Musste schmunzeln über Ihren Kommentar. Aber ansonsten stimme ich den anderen zu. Lasst den David einfach The Hoff sein und den Fans Ihren Spaß am Hoff!

  5. 6.

    Danke für diesen Kommentar. Sie bringen es auf den Punkt.
    Das er sich selbst nicht so ernst nimmt, hat man auch in dem Film Piranha 2 und in der Kino Version von Baywatsch gesehen.
    Herrlich........

  6. 5.

    Was so alles aufgespühlt wird zum 30. Jahrestag.

  7. 4.

    Was so alles aufgespühlt wird zum 30. Jahrestag.

  8. 3.

    Ich war gestern in der Halle und habe viel Spaß gehabt. David nimmt sich selbst nicht so ernst, liebt sein Publikum und liefert ein gutes Programm mit toller Stimmung. Viele der Lieder aus seinem Repertoire gehören nicht zu meinen Most-Wanteds - aber darum geht es auch nicht. Es geht um einen Abend Spaß, um eine tolle Party und einen Entertainer, der sich aus Alkohol-Krise und Karriereknick neu erfunden und seine Nische gefunden hat. Es muss nicht immer alles ernst sein. Es darf auch einfach mal The Hoff sein.

  9. 2.

    "Looking For Freedom" habe ich nie als alter Ossi mit dem Mauerfall assoziiert. Das war einfach nur ein Schlager.

  10. 1.

    "Looking for Freedom" David Hasselhoff mag Geschmackssache sein, aber er hat damals viele Menschen bewegt und gehört in meinen Augen mit diesem Song irgendwie einfach mit dazu. Auch wir haben in unserer "Glücksseligkeit" oft mitgesungen, wenn dieser Song gespielt wurde genauso wie bei den Scorpions mit" Wind of Change ". War eine coole Zeit.

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