Billy Raffoul bei seinem Auftritt in Kreuzberg (Quelle: rbb/Bruno Dietel)
Audio: Inforadio | 01.10.2019 | Bruno Dietel | Bild: rbb/Bruno Dietel

Konzertkritik | Billy Raffoul im Privatclub - Reibeisenstimme in intimer Atmosphäre

Der Privatclub in Kreuzberg ist nichts für laute Bands, sondern eher für leisere Abende - also die perfekte Bühne für den Kanadier Billy Raffoul, der dort am Montagabend seine Berlin-Premiere gefeiert hat. Das Publikum war begeistert. Von Bruno Dietel

Der Privatclub ist fast voll, da tritt Billy Raffoul auf die Bühne und beginnt mit eher brutalen, harten Gitarrenschlägen. Seine schwarzen, dicken Haare fallen ihm immer wieder ins Gesicht, er trägt Jeansjacke ganz im Südstaaten-Stil. Ursprünglich ist Raffoul Kanadier, er kommt aus einer Farmerstadt in Ontario. Vor ein paar Jahren hat er sich auf den Weg Richtung Nashville in Tennessee gemacht und in der Musikhauptstadt der USA an seinem Bluesrock-Sound gefeilt.

Rauchige Stimme singt über traurige Seelen

Es ist diese rauchige kratzige Stimme, mit der Billy Raffoul das Publikum sofort für sich einnimmt. Die Stimme eines 60-jährigen Whiskeytrinkers im Körper eines Schönlings Mitte zwanzig. Raffoul wechselt schnell und mühelos zwischen flüsternd-traurigen Momenten und rauer, lauter Anklage. Seine Songs sind Geschichten über gebrochene Herzen und traurige Seelen.

Neil Young und Joe Cocker ähnlich

Selbst in seiner Heimat Kanada hat Billy Raffoul noch keine so großen und langen Konzerte gespielt wie bei seiner ersten Tour durch Deutschland, die mit dem Konzert in Berlin zu Ende geht. Stimmlich wird er schon mit Neil Young oder Joe Cocker verglichen, hat mit DJs wie Kygo oder Avicii zusammengearbeitet, im Privatclub gibt es die akustische Version zu hören.

Angst vor der Zugabe

Billy Raffoul ist extrem offen zu seinem Publikum: Vor Zugaben die Bühne verlassen traue er sich noch nicht, weil ja dann alle schon gegangen sein könnten. Niemand verlässt den Privatclub – alle erwarten eine Zugabe (die er dann einem gestorbenen Freund widmet). Die Leute vor der Bühne bestätigen das Kompliment, was ihnen Billy vorher gemacht hat: Das Publikum hat sich intensiver in seine Songs reingefühlt als er selber. Es nimmt diesen rauhen traurigen Sound mit voller Dankbarkeit auf. So, als ob es ihn schon weit über sein Berlin-Debüt hinaus kennen würde.

Sendung: Inforadio, 01.10.2019, 6:50 Uhr

Beitrag von Bruno Dietel

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