Archivbild: Cari Cari - die oesterreichische Indie-Rock-Band mit Schlagzeugerin und Saengerin Stephanie Widmer und Alexander Koeck bei einem Konzert beim Reeperbahnfestival 2019. (Quelle: dpa/Rainer Merkel)
Audio: Inforadio | 22.10.2019 | Hans Ackermann | Bild: dpa/Rainer Merkel

Konzertkritik | Cari Cari im Festsaal Kreuzberg - Ekstase mit Didgeridoo

Bis zum letzten Platz ausverkauft: Am Montagabend hat die österreichische Band Cari Cari die Besucher im Festsaal Kreuzberg mit ihrer Mischung aus Elektro-Pop und Ethno-Rock in Ekstase versetzt - und sie zum Apachen-Tanz gebeten. Von Hans Ackermann

Vor einem blutroten Wüsten-Mond hat sich die Band aufgebaut. Der erste Titel verbindet verzerrte Gitarren, einen stampfenden Rhythmus und ein magisch dröhnendes Didgeridoo zu einem starken Klang. Der ganze Saal wird mit vergleichsweise minimalem musikalischen Aufwand in maximale Ekstase versetzt.

Das australische Blasinstrument bedient Stephanie Widmer, für den markanten Grundsound der Band ist der Gitarrist und Sänger Alexander Köck zuständig. Cari Cari wissen aber nicht nur, wie man ein Konzert beginnt, sondern halten die Spannung auch danach weiterhin hoch. Obwohl bei dieser "Do-it-yourself-Band", wie sich die beiden Musiker selbst beschreiben, musikalisch vieles ähnlich klingt, kommt keine klangliche Langeweile auf.

Alles selbstgemacht

Do it yourself - damit meinen die beiden sympathischen Autodidakten, dass sie bei ihrer künstlerischen Arbeit wirklich alles selbst erledigen: ihre Songs zusammenbasteln, äußerst phantasievolle Videoclips herstellen, die Bühne wie an diesem Abend in eine musikalische Prärielandschaft verwandeln - einschließlich Apachen-Tanz zum Mitmachen.

Überhaupt hat es der Wilde Westen den österreichischen Musikern ganz besonders angetan - die Stammestänze nordamerikanischer Ureinwohner ebenso wie die Maultrommeln der Cowboys. Dieses markante Zirpen einer metallischen Durchschlagszunge hört man am Anfang des Songs "Dear Mr. Tarantino" - geschrieben für den berühmten Regisseur, wie der Gitarrist dem Publikum vorab erzählt.

Denn die ganz große Hoffnung der Band besteht nach wie vor darin, einmal musikalisch in einem seiner Filme vorzukommen. Einen Song beisteuern, wie Nancy Sinatras "Bang Bang", der im ersten Teil von Tarantinos "Kill Bill" zu hören war. Später an diesem Abend wird Stephanie Widmer dieses traurige Lied als weiteren Gruß nach Hollywood anstimmen.

"Nette Songs zu schlimmen Ereignissen"

Für Quentin Tarantino hat es bei Cari Cari bisher noch nicht gereicht, doch zwei Songs der Band sind schon bei "Shameless" zum Einsatz gekommen. Eine erfolgreiche Fernsehserie, die das Schicksal einer ziemlich kaputten amerikanischen Familie zeigt. Der Vater, gespielt von William Macy, ist Alkoholiker, seine Kinder müssen sich überwiegend allein durchschlagen. "Nette Musik zu schlimmen Ereignissen schreiben" - so hat Gitarrist Alexander Köck eine zentrale Eigenschaft seiner Band beschrieben.

Mit "Nothing’s older than yesterday" haben Cari Cari vor kurzem aber auch einen echten Ohrwurm komponiert. Getragen von einem wunderbar schleppenden Beat, erzählt der Song von der Lieblingsbeschäftigungen der beiden Musiker: das Reisen durch die Welt. Von Jamaika ist dort die Rede und von Tokio - wo man auch schon ganz verrückt nach Cari Cari sein soll.  Eine Begeisterung, die man nach diesem ekstatischen Abend nur allzu gut verstehen kann.

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