Michael Monroe während eines Konzertes in Stockholm, Schweden (Bild: dpa/Larsson)
Audio: Inforadio | 28.10.2019 | Hans Ackermann | Bild: dpa/Larsson

Konzertkritik | Michael Monroe im Frannz Club - Ohne Schlips und Kragen

Michael Monroe kennen in London oder Los Angeles alle Rockmusikfans. Bei uns dagegen ist der Sänger auch in seinem 40. Bühnenjahr ein Geheimtipp. Am Abend gab Monroe im "Frannz Club" ein längst vergessenes Genre zum besten und hat Hans Ackermann überzeugt. 
 
 

"Calm down for a love song - beruhigt euch mal kurz, hier kommt ein Liebeslied“, ruft Michael Monroe gut gelaunt ins Publikum. Doch wer jetzt wirklich eine ruhige Ballade erwartet, kennt das Temperament dieses Musikers und seiner Rockband, bestehend aus zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, nicht.

Von wegen "Lovesong" - bestenfalls der Text wird hier vielleicht kurz ein bisschen besinnlich. Musikalisch aber fliegen bei Michael Monroe immer die Fetzen. Denn hier wird Glam-Punk und Hair-Metal gespielt. Musik, die es eigentlich gar nicht mehr gibt und für die man nun mal eine blonde Langhaarfrisur braucht. Michael Monroe, der diesen auch visuellen Stil vor rund 40 Jahren mit erfunden hat, darf damit aber für alle Zeiten auftreten.

Ein Temperament, das auch mal Angst macht

Übers Wasser laufen, könne er nicht, aber ein oder zwei Tricks hätte er schon zu bieten, singt Michael Monroe im Titelstück seines neuen Albums "One Man Gang". Tatsächlich bewegt sich der knapp 60 Jahre alte Finne dabei geschmeidig wie ein junger Bursche über die Bühne.

Doch wenn Monroe da oben so wild herumspringt, mit dem Mikrofonständer in der Hand Kunststücke vorführt, die Stange mal wie einen Speer in den Boden rammt oder damit eine Axt imitiert, dann kann man schon ein bisschen Angst bekommen. Um ihn und auch um die vordere Publikumsreihe, in der an diesem recht lauten Abend viele junge Leute stehen.

Zwischen Lidstrich und Punk-Attitüde

Die singen auch kräftig mit, wie beim alten Creedence-Clearwater-Cover "Up around the bend". Diesen Titel hat Michael Monroe vor Jahrzehnten auch schon mit Hanoi Rocks gecovert. Diese finnische Glamrock-Band, gegründet 1979, aufgelöst 2009, war für spätere "Supergruppen" wie Guns N'Roses ein wichtiger Einfluß.

Die Kraft des Rock'n Roll ist das Dauerthema in Michael Monroes Liedern. Man soll tun, was man will, den eigenen Weg gehen und dadurch "frei sein".  Neben solchen aufmunternd-friedlichen Botschaften reitet der Sänger aber auch gern mal eine wütende Punk-Attacke. Gegen diese geschniegelten Typen aus der Politik, mit ihren "Black Ties", ihren schwarzen Krawatten.

So zornig Monroe bei diesem Song mit seiner kräftigen Rock-Stimme umgeht, so sympathisch verspielt galoppiert er dann wieder auf hohen Schuhen durch seine unverwüstliche Bühnenshow. Rubbelt sich mit einem Stapel von Handtüchern im Laufe des Abend immer wieder das nass geschwitzte Langhaar trocken - ohne dabei aus Versehen die Unmengen von Kajal in seinem Gesicht zu verwischen.

Auch mit 60 noch ehrlich, politisch und selbstironisch

Am Mikrofonständer hatte der Sänger gleich zu Beginn eine Art Flagge mit Sternen befestigt.  Sternchen schmücken auch seine schicke Weste. An den Armen trägt er viel Schmuck und Ketten, mit gekonnter Bewegung rückt er sich zwischen den Titeln immer mal wieder den auffälligen Hüftgürtel zurecht - perfekter Glamrock, den Michael Monroe mit großem Spaß und natürlich auch mit einer gewissen Selbstironie zelebriert.

Das Publikum wird in allerbeste Laune versetzt und ist am Ende des Abends zurecht restlos begeistert.

Sendung: Inforadio, 28.10.2019, 06:00

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