Archivbild: Milow bei einem Auftritt in Regensburg im August 2019. (Quelle: dpa/Niering)
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Audio: Inforadio | 09.10.2019 | Bruno Dietel | Bild: dpa/Niering

Konzertkritik | Milow im Huxleys - Kindergeburtstag mit Schlagerbeats

Der belgische Sänger Milow hatte Ende der Nuller Jahre seinen internationalen Durchbruch - unter anderem mit dem 50-Cent-Cover "Ayo Technology". Nun stand Milow wieder im Huxleys auf der Bühne, wo er 2009 sein erstes Berlin-Konzert überhaupt gespielt hat. Bruno Dietel über einen eher seichten Abend.

Die Vorzeichen für den Abend sind nicht unbedingt perfekt: Milows Vorband ist wegen Krankheit ausgefallen, er fängt deswegen schon deutlich früher an, das Huxleys könnte durchaus voller sein. Aber als der Sänger mit riesigen bunten Luftballons, seiner Gitarre um den Hals und einer Wohnzimmerlampe auf der Schulter von hinten in die Halle reinläuft und seinen ersten Song ganz akustisch in der Menge spielt, hat er das Publikum sofort. Alle Blicke waren auf die Bühne gerichtet – und auf einmal steht der Belgier inmitten der Menschen auf einem Hocker.

Milow steht bei seinem Konzert am 08.10.2019 im Publikum und spielt auf seiner Akkustik-Gitarre. (Quelle: rbb/B. Dietel)
Milow spielt im Huxleys mitten im Publikum. | Bild: rbb/B. Dietel

Weniger singender Songwriter, eher redender Bandleader

Schwarze enge Jeans, ein weißes weites T-Shirt – der 37-jährige Milow ist auf seiner Tour weniger Singer-Songwriter, sondern nach dem akustischen Einstand eher Bandleader und Frontmann. Backgroundsängerin Nina und Gitarrist Tom sind schon seine ganze Musikkarriere über seit 2007 mit dabei, Tom produziert auch viele seiner Songs. Statt Solokonzert gibt es vorprogrammierte Beats und laute Synthies vom Band.

Milow redet viel im Huxleys, sehr viel. Er hört nicht mehr auf zu Quatschen, erzählt von Radiohead- und Nirvana-Postern im Kinderzimmer seiner belgischen Heimatstadt Haacht (nördlich von Brüssel) und von seiner Unizeit, als er sich mit Kellnern Geld für neue Gitarren verdient und eher Musik gemacht als studiert hat.

Schlagerbeats zum Mitstampfen

Einen der wenigen echten, intimen Singer-Songwriter-Momente gibt es zur Zugabe. Band und Milow stehen um ein Vintage-Mikrofon versammelt und singen einen A-Cappella-Song mit Akustikgitarre. Sonst sind die leisen Momente eher selten. Viele Songs sind mit fast schon schlagerartigen Beats zum Mitstampfen und Schunkeln unterlegt, das könnte so auch in der Silvesternacht am Brandenburger Tor laufen.

Guten Rutsch im Oktober

Der Abend fühlt sich insgesamt an wie ein Kindergeburtstag: Bunte Luftballons, Konfetti, alle bitte hüpfen, mitsingen und ständig mitklatschen. Nach gut zwei Stunden macht Milow ein Foto für Mama, verabschiedet sich und wünscht frohe Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2020. Soll das witzig sein? Egal. Danke gleichfalls und einen guten Rutsch!

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2 Kommentare

  1. 2.

    Oh, da scheint der Verfasser des Textes einen schlechten Tag gehabt zu haben!Wenn die Stimmung in Berlin nur halb so gut war wie in Köln, dann war es der Hammer.Er wirkte so authentisch und "nahbar" auf der Bühne.Tolle Musik,sympathische Menschen und gutes Auftreten. Um mich herum sah ich nur glückliche Gesichter.Seine Ansangen zwischen den Songs waren witzig und persönlich. Die Zuschauer bekamen das Gefühl,dass der Künstler hier ein Stück seiner privaten Welt teilt. Das möchte der Zuschauer. Dem Künstler nah sein, ihn spüren und erleben. Ansonsten kann er sich auch einfach nur die Platte anhören. Und wie hätte er das Gefühl des "ihm so nah sein" besser darstellen können, als mit der Luftballoneinlage mitten im Publikum?! Super gut.Ich empfand das Konzert als sehr angenehm. Die 2 Stunden vergingen unheimlich schnell.Das Publikum verließ glücklich aufgeladen das Konzert, andere freuten sich darauf, ihrem Idol noch einmal kurz nah sein zu können. Das bindet! Liebe pur!

  2. 1.

    Habe das Konzert im Huxley's auch besucht. Mein erstes Mal Milow; hatte ihn und seine Musik als Live-Event einfach bislang überhaupt nicht für voll genommen. Und dann - fast das Gegenteil vom in dieser Radiokritik Beschriebenen: Erstklassige Musiker (Gitarre, Klavier/Keyboard, Drums, Bass, additional vocals und percussion), beste Stimmung auf und sofort auch vor der Bühne. Kein Wunder, dass Milow als Frontmann und Leadstimme bei fast zwei Stunden Show zwischendurch auch mal was erzählen muss, das allerdings durchaus kurzweilig. Beeindruckend viel Energie, gefühlvolle Songs kamen aber auch nicht zu kurz. Wer, warum auch immer, ein Unplugged-Konzert A-Cappella erwartet hat, wurde wohl ausnahmsweise nicht in den Bann gezogen; ansonsten viel Begeisterung und Lob vernehmbar. Auch für mich als Milow-Neu-Fan gilt: Unbedingt wieder, hoffentlich bald!

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