Sänger Chet Faker. (Quelle: dpa/Alessandro Bosio)
Audio: Inforadio | 16.10.2019 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Alessandro Bosio

Konzertkritik | Soul-Sänger Nick Murphy im Huxleys - Perfekt verkopft

Der australische Soul-Sänger Chet Faker tritt seit drei Jahren nur noch unter seinem richtigen Namen auf: Nick Murphy. Sein Alter Ego hat er trotzdem mit auf Deutschlandtour nach Berlin gebracht. Sicher ist sicher. Von Magdalena Bienert

Wollte jemand eine Doku über Kreuzköllner Hipster drehen wollen – im Huxleys wäre er oder sie am Dienstag richtig gewesen. Hier waren sie im Alter zwischen 20 und 35 Jahren vereint: Große Brillen, Wollmützen und Bärte (speziell Schnauzer), wohin man blickt. Lange Staus an den Bars, der Saal ist ausverkauft. Überall wird Englisch gesprochen. Es scheint als hätten sich sämtliche Exil-Australier der Stadt zum großen Treffen verabredet.

Als endlich fast jeder mit einem Getränk versorgt ist, kommt Nick Murphy kurz nach 21 Uhr ganz unprätentiös in weißem Pulli, schwarzen Jeans und mit seiner Gitarre auf die Bühne. Es beginnt ganz zart mit dem ersten Song "Hear it now" aus seinem aktuellen Album, das den schönen Titel "Run Fast Sleep Naked" trägt.

"Schnell rennen, nackt schlafen"

Die Inspiration für sein "schnell rennen, nackt schlafen"-Album hat der 31-Jährige sich während eines Selbstfindungstrips rund um die Welt geholt. Fünf Jahre sind seit seinem Nummer-Eins-Album (in der australischen Heimat) "Built on Glass" vergangen, damals hieß Murphy noch Chet Faker. Sein neues Werk ist von den Kritikern durchaus zwiespältig aufgenommen worden. "Ich habe die verschiedensten Formen und Farben aus aller Welt gesammelt, sie mit nach Hause gebracht und dort zusammengesetzt", sagt Murphy über seine zweite Platte.

Während der knapp eineinhalb Stunden in Berlin spielt er sich aber durch beide Alben und begeistert seine Fans gleich mit seinem zweiten Song des Abends: "Gold" - der heimliche Hit der ersten Platte (zu dem es übrigens ein visuell sehr starkes One-Take-Video gibt).

Future Beat trifft Modern Soul

Nick Murphy hat drei Musiker auf der Bühne dabei. Aber durch geschickte Schattenspiele verdoppelt sich die Größe der Band, wabert mystisch an der Rückwand durch Nebel. Meistens ist es eher schwarz-weiß als farbig. Dazu tobt sich Nick Murphy am Synthesizer aus und hat sichtlich Spaß an sperrigen Klangflächen. Aus dem groovigen Gute-Laune-Song "The Trouble With Us" macht die Band einen rund zehnminütigen Diskoknaller, dann wieder peitscht sie sich gegenseitig hoch, dass es nur so fiept. Future Beat kombiniert mit Modern Soul nennt Murphy sein Genre.

Zwischen Klavier und Krawall

2012 wurde der Sänger in Sydney "Breakthrough Artist of the Year" und es ging steil bergauf mit seiner Karriere. Jetzt, nach sieben Jahren, scheint es als könne sich der Multiinstrumentalist nicht recht entscheiden, wohin seine Reise musikalisch gehen soll. Sitzt er allein am Klavier, offenbart sich für einen Moment seine Stärke, wirklich authentisch und berührend zu sein. Sein zu können. Denn meistens wirkt er ziemlich verkopft.

Die Show von Nick Murphy ist durchprogrammiert bis ins Detail: klug-eingesetzte Lichtstimmung, keine ausufernden Ansagen, jeder Ton sitzt und der Sound ist perfekt. Es ist ein absolut gutes, sehr solides Konzert. Auf der technischen Ebene. Ins Herz trifft Nick Murphy alias Chet Faker damit aber leider nicht.

Beitrag von Magdalena Bienert

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