Peter Handke, Juni 2019; Foto: dpa/ HERBERT NEUBAUER
Audio: Inforadio | 10.10.2019 | Carsten Schmiester | Bild: dpa/ HERBERT NEUBAUER

"Der Himmel über Berlin"-Autor - Literaturnobelpreis 2019 geht an Peter Handke

Der Literaturnobelpreis für 2019 geht an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Handke ist in Berlin aufgewachsen und unter anderem für das Drehbuch zu Wim Wenders Film "Der Himmel über Berlin" bekannt.

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke ist mit dem Literaturnobelpreis 2019 ausgezeichnet worden. Das hat die Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstagmittag bekannt gegeben.

Der 1942 in Kärnten geborene Handke wuchs von 1944-48 in Pankow, im Osten Berlins auf. Er zog danach mit seiner Familie nach Griffen (Österreich). 1968 lebte er für kurze Zeit mit seiner Familie erneut in Berlin.

Der Österreicher galt seit Jahren als Kandidat für den Nobelpreis.

Handke schrieb Drehbuch zu "Der Himmel über Berlin"

Er schrieb das Drehbuch für Wim Wenders Film "Der Himmel über Berlin" (1987). 2007 wurde er mit dem "Berliner Heinrich-Heine-Preis" ausgezeichnet. Drei seiner Theaterstücke feierten ihre Uraufführung in Berlin ("Der Ritt über den Bodensee" (1971), "Untertagsblues - ein Stationendrama" (2003) und "Spuren der Verirrten" (2007).

Sein Debüt als Schriftsteller feierte er 1966 mit dem Romen "Die Hornissen". Im selben Jahr wurde er fast über Nacht bekannt, als er in einer Schmährede dem legendären Literatenzirkel Gruppe 47 "Beschreibungsimpotenz" vorwarf. 2011 sorgte die fünfstündige Uraufführung von "Immer noch Sturm" bei den Salzburger Festspielen über den Freiheitskampf der Kärntner Slowenen für Aufsehen. Vertraut ist vielen Schülern das später ebenfalls von Wim Wenders verfilmte Werk "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1970) über das Schicksal eines entwurzelten Ex-Sportlers.

Der Berliner Suhrkamp Verlag zeigte sich nach Entscheidung begeistert. "Der Verlag freut sich riesig", sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Von Handke werde nächstes Jahr ein neues Buch und ein Theaterstück erscheinen.

Auszeichnung mit 828.000 Euro dotiert

Ebenfalls ausgezeichnet wird die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk. Sie erhält laut Schwedischer Akademie den nachgeholten Literaturnobelpreis für das Jahr 2018.

Der Literaturnobelpreis, der aktuell mit umgerechnet rund 828.000 Euro dotiert ist, gilt als der weltweit bedeutendste Preis für Literatur. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht.

Erstmals seit Jahrzehnten hat die Schwedische Akademie, deren Mitglieder die Auszeichnung vergeben, damit gleich zwei Literaturnobelpreisträger bekanntgeben. 2018 war das Gremium  durch eine Affäre um Indiskretionen, sexuelle Übergriffe und Veruntreuung handlungsunfähig und hatte keinen Preisträger ermittelt. 2017 ging der Preis an den britischen Romanautor Kazuo Ishiguro.

Das letzte Mal, als zwei Literaturnobelpreise in einem Jahr verliehen wurden, war 1950 mit William Faulkner und Bertrand Russell. 1949 hatte die Schwedische Akademie keinen geeigneten Kandidaten gesehen und somit die Preisvergabe gemäß ihren Statuten verschoben. Bisher erhielten 13 deutschsprachige Autoren den Literaturnobelpreis.

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3 Kommentare

  1. 2.

    Oje. Der! Kein Wunder, daß diesen Preis keiner mehr ernst nimmt. Man sollte ihn wirklich abschaffen.

  2. 1.

    Ja... und es hat Zeit gefehlt sich mit der Vita und dem was die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk geschrieben hat, zu beschäftigen.

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