Die Grafik zeigt das Museum der Moderne beim Kulturforum am Potsdamer Platz Berlin Tiergarten. (Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz/Herzog & de Meuron)
Audio: Inforadio | 31.10.2019 | Maria Ossowski | Bild: Stiftung Preußischer Kulturbesitz/Herzog & de Meuron

450 Millionen Euro veranschlagt - Stiftung verteidigt höhere Baukosten für Museum der Moderne

Der Museumsbau zu teuer, das Konzept zu schwammig: Für das Berliner Museum der Moderne hagelt es schon vor dem Baustart Kritik. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hält dagegen: Das Verfahren sei transparent und das Museum werde Kunst erlebbar machen.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, hat die deutlich gestiegenen Kosten für das am Berliner Kulturforum geplante Museum der Moderne verteidigt. Berlin baue eine "zweite Museumsinsel, die Museumsinsel der Moderne", sagte Parzinger dem rbb.

Statt der ursprünglich von der Bundesregierung veranschlagten rund 200 Millionen Euro wurden die Kosten im September mit rund 450 Millionen Euro beziffert. Diese Summe könnte der Haushaltsausschuss des Bundestags in seiner sogenannten Bereinigungssitzung am 14. November durchwinken.

360 Millionen Euro plus Risiko-Reserven

Die Summe habe sich einerseits durch steigende Baukosten erhöht, erklärte Parzinger. Und erst jetzt, in der konkreten Planung, könne man seriös angeben, wie teuer das Museum inklusive aller Nutzflächen wird: nämlich 360 Millionen Euro. In den 450 Millionen Euro seien auch mögliche Risiken und Kostensteigerungen enthalten.

"Wir sagen eben nicht fünf, sechs Jahre später, jetzt ist es durch Risikovorsorge und Indexsteigerung noch mal um 100 Millionen teurer geworden. Sondern diese Zahlen werden jetzt kommuniziert", so Parzinger. "Mehr Transparenz kann man doch gar nicht bieten."

Der Stiftung zufolge sollen die überarbeiteten Pläne für den Entwurf des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron im November der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Kunst des 20. Jahrhunderts "erlebbar" machen

Auch den Vorwurf, für das Museum gebe es kein klares inhaltliches Konzept, wies Parzinger zurück. Das Museum erzähle die Kunst- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts – mit den Brüchen um die Mitte des Jahrhunderts und die Veränderungen in der zweiten Jahrhunderthälfte. Mit einbezogen würden auch die Bestände des Kupferstichkabinetts, der Kunstbibliothek und des Kunstgewerbemuseums. Das Museum werde ein lebendiger Ort sein, "wo all das, was das 20. Jahrhundert und seine Kunst ausmacht, in vielfältiger Weise erlebbar sein wird", kündigte der Stiftungspräsident an.

Fast gleichzeitig zur Bekanntgabe der Kostensteigerung bemängelte der Bundesrechnungshof, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz investiere nicht genug in den Erhalt ihrer Gebäude in Berlin. Allein bei den Museen gebe es einen Investitionsstau von rund 50 Millionen Euro. Die Stiftung habe sich nach dem Mauerfall zunächst den Bauten im Ostteil der Stadt gewidmet, erklärte Parzinger. Nun kämen die Bauten im Westen der Stadt zusätzlich in die Jahre. Das Problem sei, dass in den vergangenen Jahrzehnten der Bauunterhalt nicht entsprechend ausgestattet worden sei. Auch werde der Unterhalt nicht vom Bund finanziert, sondern sei Teil der Betriebskosten der Stiftung. Die Betriebskosten wie auch die Personalkosten seien gestiegen.

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9 Kommentare

  1. 8.

    Zitat: "Kann es sein, dass wir ziemlich dumm sind?"

    Das würde ich so nicht sagen. Wir haben ja keine Möglichkeit, solchen Irrsinn zu verhindern. Meiner Meinung nach sind die Verantwortlichen so dreist, für solche Projekte hemmungslos ins Steuersäckel zu greifen.
    Übrigens. die Steuerzahler, die sich auch noch anschauen wollen, wo ihre Euros verbuddelt wurden, die müssen dann ein drittes Mal blechen, nämlich mit dem Eintritt für die heiligen Hallen.

  2. 7.

    Ich gewinne mehr und mehr den Endruck, dass wir auf Kosten der Steuerzahler Infrastruktur bauen, in die betuchte Sammler von Kunst dann ihre Sammlungen geben, die der Steuerzahler dann auch noch zwei Mal bezahlen muss.
    1 Mal für die Leihgabe
    2. Mal für die Unterhaltung der Infrastruktur und der Sicherheit

    Kann es sein, dass wir ziemlich dumm sind?

  3. 6.

    Auch wenn es jetzt darum geht, die Stiftung mit mehr Finanzmitteln auszustatten, muss man analytisch eines festhalten: Die Stiftung ist einfach zu groß, zu intransparent, zu wenig professionell aufgestellt, inkl. wissenschaftlichen(!) Mitarbeitenden und der zwingenden Nähe zur Wissenschaft, die mit allen anderen Museen normalerweise einhergeht. Stattdessen lagert man den wissenschaftlichen Teil aus, anstatt dessen Nähe und Expertise überall einzubinden.

    Enteignung wäre nicht nur bei manchen immobilienunternehmen sinnvoll, sondern auch bei dieser Stiftung. Sie muss radikal verkleinert und die professionellen Herausforderungen und Lasten auf mehr Schultern als bisher verteilt werden. Deprofessionalisierung ist kein Konzept. Dass Parzinger und Co. nicht mehr in dieser Welt leben, zeigt sich anhand der anmaßenden Behauptung, die gesamte - globale(!) und nicht eurozentristische - Kunst ließe sich in ihren kümmerlich organisierten Ausstellungsformen darbieten.

  4. 5.

    So sicher wie das Amen in der Kirche kommt der übliche Einwand,
    dass man Sozialwohnungen dafür bauen könnte, man könnte auch die Rente erhöhen, man könnte auch Kitas bauen, man könnte auch die Universitäten sanieren und und und ..

    Deutschland ist ein Kulturland und wird von vielen Millionen Touristen jährlich besucht, nicht weil es Sozialwohnung gibt, sondern weil es attraktive Leuchttürme der Kultur gibt, noch .

    Würden wir das aufgeben, würden wir auch wirtschaftlich weiter in Europa zurückfallen .Moderne Betriebe treffen ihre Investitionsentscheidungen auch nach dem Standortfaktor,.
    Bei dem spielt das Kulturangebot eine ganz wichtige Rolle.. der Mensch lebt nicht vom Wohnklo alleine.

  5. 4.

    Wie viele Wohnungen mit bezahlbaren Mieten könnten für diese Summe gebaut werden?

    Mehr als 65.000 jedenfalls, oder?

    Soviele GSW-Wohnungen hat der rot-rote Senat Wowereit II jedenfalls seinerzeit um 400 Millionen "verkauft".

  6. 3.

    Diese Summen können niemandem plausibel erklärt werden. Der gesamte Außenraum des Kulturforums ist bis heute nicht adäquat gestaltet worden. Ist dafür einmal Geld bereitgestellt worden?
    Warum dürfen "die" das???

  7. 2.

    Wie viele Wohnungen mit bezahlbaren Mieten könnten für diese Summe gebaut werden?
    Prioritäten sollten gesetzt werden.

  8. 1.

    Zitat"...diese Zahlen werden jetzt kommuniziert". Bemerkenswerte Aussage, vor Baubeginn. Allein, mir fehlt der Glaube an diese Zahlen. Ich hoffe, in den Jahren des Baus erinnert sich noch jemand daran. Was sollte die Staatsoper nochmal kosten?

    Zitat: "Kunst des 20. Jahrhunderts "erlebbar" machen". Erleben werden die Steuerzahler einmal mehr ihr blaues Wunder. Denn auch im 21. Jahrhundert ist es keine Kunst, die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen. Es wird langsam Zeit, dass so etwas ein Straftatestand wird. Veruntreuung wäre ein guter Anfang. Warum nicht auch Betrug?

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