Berlin: Hetty Berg, Kuratorin und Museumsmanagerin. Sie wird wird ab dem 1. April 2020 neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin. (Quelle: dpa/Y. Sucksdorff)
Audio: rbbKultur | 27.11.2019 | Interview mit Monika Grütters | Bild: dpa/Y. Sucksdorff

Mitteilung des Stiftungsrats - Hetty Berg wird neue Direktorin des Jüdischen Museums

Fünf Monate nach dem Rücktritt von Peter Schäfer gibt es eine Nachfolgerin: Hetty Berg, Chef-Kuratorin des Jüdischen Kulturzentrums in Amsterdam, soll neue Direktorin des Jüdischen Museums in Berlin werden. Zuletzt war das Haus oft kritisiert worden.

Die Chef-Kuratorin des Jüdischen Kulturzentrums in Amsterdam, Hetty Berg, wird neue Direktorin des Jüdischen Museums (JMB) in Berlin. Das erfuhr der rbb am Dienstagabend aus Regierungskreisen. Berg folgt auf den bisherigen Museumsleiter Peter Schäfer, der im Juni dieses Jahres wegen umstrittener Äußerungen zur anti-israelischen BDS-Bewegung zurückgetreten war.

Bestätigung durch den Stiftungsrat

Der Stiftungsrat des Jüdischen Museums Berlin hat die Personale inzwischen bestätigt. Berg werde die Leitung des Hauses am 1. April 2020 übernehmen, teilte die Pressestelle von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der Chefin des Stiftungsrats, am Dienstagabend mit.

Mit Berg gehe eine international erfahrene Museumsexpertin ans Werk, erklärte Grütters. Als Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam habe die künftige Direktorin ihre Führungsstärke erfolgreich unter Beweis gestellt. "Ihre Berufung wird dem Jüdischen Museum Berlin nach innen wie außen neue Impulse verleihen."

Seit 1989 in Amsterdam tätig

Hetty Berg, geboren 1961 in Den Haag, studierte Theaterwissenschaften in Amsterdam und Management in Utrecht. Von 1989 an war sie als Kuratorin und Kulturhistorikerin am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam tätig. Seit 2002 arbeitete Berg als Museums-Managerin und Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam, zu dem neben dem Jüdischen Historischen Museum auch das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge, das Nationale Holocaust-Museum und die Gedenkstätte Hollandsche Schouwburg gehören.

Der Auftrag der Stiftung Jüdisches Museum Berlin ist es nach eigenen Angaben, jüdisches Leben in Berlin und Deutschland zu erforschen, zu vermitteln und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Finanziert wird die Stiftung mit einem jährlichen Zuschuss von über 15 Millionen Euro aus dem Etat der Kulturstaatsministerin. Dabei ist das Jüdische Museum eines der größten jüdischen Museen in Europa. Jedes Jahr kommen etwa rund 650.000 Besucher.

Zentralrat der Juden begrüßt Berufung von Berg

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Berufung Bergs. Sein Präsident Josef Schuster erklärte, die künftige Direktorin bringe eine hohe Qualifikation als Museums-Managerin mit. Der Zentralrat gehe davon aus, dass Berg "die Tradition anspruchsvoller Ausstellungen im JMB fortsetzen und zugleich Empathie für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und Israel aufbringen wird".

Noch im Frühsommer hatte der Zentralrat den damaligen Museumsdirektor Schäfer scharf kritisiert, weil das Museum via Twitter einen Zeitungsartikel empfohlen hatte, in dem es um Wissenschaftler ging, die den Beschluss des Bundestags zur BDS-Bewegung verurteilten. Der Zentralrat stellte daraufhin via Twitter infrage, ob die Bezeichnung "jüdisch" für das Museum noch angemessen sei.

Kritik an früherem Direktor Schäfer

BDS steht für "Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen". Die Bewegung fordert ein Ende der Besetzung des Westjordanlandes, der Golanhöhen und Ost-Jerusalems, die komplette Gleichberechtigung der Palästinenser sowie ein Rückkehr-Recht für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen. Im Mai hatte der Bundestag entschieden, der BDS-Bewegung jede Förderung zu entziehen, weil Argumentationsmuster und Methoden "antisemitisch" seien.

Doch schon vor dem umstrittenen Tweet war das Jüdische Museum in die Kritik geraten. Im Raum stand etwa der Vorwurf, dass in einer Ausstellung über Jerusalem vor allem die palästinensische Haltung zu der zwischen Juden und Moslems umstrittenen Stadt zum Ausdruck gekommen sei.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Viel Erfolg!

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