Grafische Animation zur Planungen für das Museum des 20. Jahrhunderts (Quelle: Stiftung Preussischer Kulturbesitz)
Bild: Stiftung Preussischer Kulturbesitz

Kommentar | Museum der Moderne - Bravo und Buhrufe - doch die Freude überwiegt

Kulturstaatsministerin Grütters sprach von einer "echten Schmerzgrenze": Am Donnerstag hat der Bund 364 Millionen Euro für das Museum der Moderne bewilligt, 164 Millionen mehr als geplant. Und bei aller Kritik - die Freude überwiegt, meint Maria Ossowski.

"Bravo!" - ein Hoch auf die Haushälter und ihr Votum für die Berliner Kultur und die Bewilligung höherer Mittel für das Museum der Moderne. Und "Buuuuuuuuuuuh!" - ein Tadel für das Gemauschel um die Kosten. Es lebe der Widerspruch. Wir können jubeln und grummeln zugleich in der Hauptstadt - und das hat vielerlei berechtigte Gründe. Hier zunächst die Gründe für die Freude.

Berlin ist nicht Posemuckel

Erstens: Endlich werden wir alle Schätze des 20. Jahrhunderts in einem angemessenen Rahmen zeigen können. Seit Jahrzehnten sind die Depots überfüllt, Mies van der Rohes Nationalgalerie bietet viel zu wenig Platz. 

Zweitens: Endlich können wir durch hell erleuchtete Gänge vorbei an großer Kunst hinüberlaufen in die anderen Museen. Berlins hässlichster Kulturplatz, die windige Schräge vor der Gemäldegalerie, hat viele Besucher derart verschreckt, dass sie eine der schönsten Sammlungen der Welt gar nicht erst angesteuert haben. 

Drittens: Berlin ist nicht Posemuckel. Berlin gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Welt, besonders bei jungen Leuten. Mit gestückelten Sammlungen in ollen Bauten locken wir keine Kunstfans in die Hauptstadt. London, Paris und New York leisten sich ebenfalls spektakuläre Achitektur für die Kunst. Nur wir sollen provinziell bleiben? Nein, danke!

Viertens: Das Museum wird chic - auch wenn Kritiker von "Scheune" oder "Supermarkt" sprachen. Der Entwurf von Herzog/de Meuron verspricht Offenheit und Licht, die unterirdische Durchquerung zu den anderen Häusern wird ein Ereignis.

Warum müssen öffentliche Bauten immer teurer werden?

Doch jetzt zum Gegrummel und zum Ärger.

Erstens: Wieso präsentieren die Architekten einen Entwurf für 200 Millionen Euro, ohne auch nur einen Gedanken an den Denkmalschutz der Matthäuskirche zu verschwenden, und ohne genaue Expertise des Baugrundes?

Zweitens: Wieso wissen die Verantwortlichen seit einem Jahr um die immens steigenden Baukosten, aber erst jetzt erfahren wir davon?

Drittens: Warum sind die Nutzräume im Entwurf von 2013 nicht mit einberechnet worden, bei damals bewilligten 200 Millionen Euro?

Viertens, und das jetzt bitte in Großbuchstaben: WARUM müssen alle öffentlichen Bauten permanent teurer werden? Klar - Bauboom, Betongold, alles richtig, aber solche Kostensteigerungen steigern leider nicht das Vertrauen der Bürger in solche Großprojekte.

Freude überwiegt beim Weitem

Schauen wir uns beide Seiten an - Jubel und Ärger - überwiegt dennoch bei Weitem die Freude. Ist dieses Museum erst einmal eröffnet, hoffentlich zum Preis von 364 Millionen, der Grütterschen "Schmerzgrenze", werden bitte nicht später als 2026 alle Schmerzen vergessen sein.

Ein Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts

Sendung: Inforadio, 14.11.2019, 17.45 Uhr 

Beitrag von Maria Ossowski

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10 Kommentare

  1. 10.

    Kino

  2. 9.

    Steuern sind immer einseitig und jenseits von Gegenleistungen. Aus der Alkohol- und Branntweinsteuer wird ja auch nicht abgeleitet, dass der Staat dafür sorgen müsse, dass die einschlägigen Getränke an der nächsten Straßenecke erhältlich sein müssten.

    Das Gegenanspruch-Modell ist seinerzeit aus der Kfz-Steuer abgeleitet worden. Deshalb auch das Über-Gebühr-In-Beschlag-Nehmen des öffentlichen Straßenraums gerade dort, wo andere ihre Wege brauchen. Mit völliger Selbstverständlichkeit übrigens.

  3. 8.

    Da will ich Ihnen getrost zustimmen. Das so bezeichnete Kulturforum ist nach meiner Empfindung eher ein Un-Ort. Es ist ein städtebauliches Etwas, das aus einer unzusammenhängenden Ansammlung von Solitären besteht und solchen Gebäuden, die dafür gehalten werden. Ein Zusammenhang existiert nur auf dem Papier und in den Planungsunterlagen, fußläufig, von unbefangener Neugierde gepackt, nicht.

    Auch die meisten Visualisierungen des Museums der Moderne bestärken mehr diesen Un-Ort, als dass sie ein Zeichen gäben, das zu etwas tatsächlich Zusammenwirkenden zu gestalten.

  4. 7.

    Darum geht es nicht, wir zahlen Steuern nicht nur für Problematik.
    Es gibt einen Haushalt. Schreibt ihnen vor was Sie an Lebenswichtige Dingen kaufen müssen?
    Der Bürger erwartet in allen Bereiche Investitionen. Sonst könnte man ja ganz einfach alles mögliche einsparen.
    Die Menschen erwarten für Steuern Gegenleistungen, das ist Sinn von Steuern.

  5. 6.

    Bei den ersten Bildern denkt man, sorry, wirklich an eine Scheune. Da ist der Spitzname vorprogrammiert. Mir scheint, die Architekten waren 1939, vor 80 Jahren, mit dem New Yorker GUGGENHEIM mutiger und in der Tat: modern. Das hier erinnert äußerlich an einen mittelalterlichen Zweckbau. Es schmälert meiner Meinung nach sogar die Architekturwirkung der Philharmonie. - Ich freue mich darauf meine Meinung nach der Eröffnung revidieren zu können. Berlin hätte es verdient.

  6. 5.

    Bei mir kommt wenig Freude auf, wenn ich an unsere zum großem Teil immer noch vergammelten Schulgebäude denke.

  7. 4.

    Nicht immer alles durcheinander schmeißen, Wohnungsbau wird nicht vom Bund finanziert, da haben wir eine "hervorragende" Bausenatorin die sich eigentlich darum kümmern sollte. Und Kunst kostet nun mal Geld und wir sollten froh sein, dass wir in Berlin soviel Kunst zum bewundern haben wie keine andere Stadt in Deutschland.

  8. 3.

    Bin ich kleinkariert und hinterwäldlerisch wenn ich dieses Prestigeobjekt kritisiere während es in Berlin wirklich eklatante Mängel in Lebenswichtigen Bereichen gibt? Vielleicht.
    ABER: in Berlin ist für jeden Mist Geld da - nur nicht für die Dinge die für die Bevölkerung wichtig sind. Halt so Nebensächlichkeiten wie Wohnsraum , Kitaplätze, Schulplätze (guckt doch mal bitte in die überfüllten Grundschulen vor Ort - es ist unglaublich!), keine Ärzte die noch Patiennten aufnehmen - gerade Kinderärtze!, eine Charite, ein Jugendamt - ach egal was- nennt es , es passt schon in diese Liste , alles ist überlastet, es fehlt an allem.
    Kunst ist nüchtern betrachtet nunmal ein Luxusobjekt. Und Luxus sollte man sich erst dann leisten, wenn die Basisdinge des Lebens abgedeckt sind.
    Und ich bleibe bei der Kritik: da hätte man auch irgend einen alten DDR Schuppen für nehmen können - bei der optischen Mischung aus Friedhofskapelle und Lidlfiliale.

  9. 2.

    Sie haben ja wirklich versucht, uns das Haus schön zu schreiben. Zweifel bleiben. Das Kulturforum als Ganzes wird mit der neuen Halle icht schöner. Wieviel Fehlplanung dort auf das Konto der Verantwortlichen geht, zeigt doch auch die jetzige Baustelle. Wir kommen kaum von der Bushaltestelle auf den "Berg". Ich hoffe sehr, daß dann auch der ganze Autoverkehr dort herausgenommen wird, damit man endlich atmen kann, auf diesem gräßichen zugigen Gebirge.

  10. 1.

    Erhebe heftig Einspruch, das Kulturforum bisher als „hässlichsten Kulturplatz“ der Stadt zu bezeichnen. Die Weite des Platzes, betrachtet von den Stufen der Gemäldegalerie aus, zeigt eine tolle Silhoutte mit einer Farbkomposition der verschiedenen Fassadenfarben, die Silhoutte des Potsdamer Platzes die die Philharmonie so perfekt ergänzt, das ist für mich eine Augenweide... auf der sich der geplante Bau für mich wirklich sehr phantasielos macht und sehr schlecht einfügt! Die Entscheidung für den Entwurf ist mir unverständlich.

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