Symbolbild-Teilnehmer der dreitägigen WikiCon 2013 sitzen am 24.November im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Karlsruhe (Baden-Württemberg) zusammen. (Bild: dpa/Uli Deck)
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ARD-Themenwoche "Bildung" - Wikipedia hat es eher mit den Männern

Wer etwas wissen will, klickt sich meist durch Wikipedia. Die Online-Enyklopädie ist weltweit verfügbar und kostenfrei. Bei der Geschlechtergerechtigkeit gibt es allerdings noch viel Luft nach oben. Von Ina Krauß

2007 war für Elke Köpping der Eintritt in die Wikipedia-Welt. "Ich hatte Lust, einen Artikel zu editieren und habe einfach auf anderen Seiten geschaut, wie sie das machen", erzählt die studierte Germanistin, die als Autorin in Berlin lebt. Schritt für Schritt schaut sie sich von anderen ab, welche Regeln in der Community und welche Relevanzkriterien für Beiträge gelten. "Es war großartig zu beobachten, wie ein kleiner Artikel, den ich damals angelegt hatte, immer weiter wächst."

In ihrer knappen Freizeit schreibt die Endvierzigerin seitdem Biografien über Künstlerinnen oder relevante Menschen, korrigiert Rechtschreibfehler und ergänzt andere Artikel. "Wikipedia kann süchtig machen", sagt Köpping. Wenn sie die notwendigen Quellen und Informationen zu einem Thema oder einer Biografie zur Verfügung hat, schreibt sie los. "Das ist ein unheimlich befriedigendes Gefühl, es hat etwas sehr Produktives."

Elke Köpping (Bild: Sarah-Johanna Eick)
Elke Köpping | | Bild: Sarah-Johanna Eick

Schwarmintelligenz mit Wirkung

Es ist offenbar für viele ein gutes Gefühl, an einem partizipativen Projekt wie Wikipedia mitzuwirken: Das Wissen der Welt mithilfe der Schwarmintelligenz zusammenzutragen und allen Menschen weltweit zur Verfügung zu stellen. Genau genommen hat sich Wikipedia mit seiner Gründung einem globalen Bildungsauftrag verschrieben.

Die Schnelligkeit, mit der das Portal in verschiedenen Sprachen wächst, und auch die Vielfalt der Themen gibt allen Beteiligten Recht. Wikipedia lag im September 2018 auf Platz fünf der am häufigsten besuchten Websites weltweit. Unter den 50 meistgenutzten Plattformen ist sie die einzige nichtkommerzielle.

Die deutsche Wikipedia hatte im Oktober 2019 rund 1,1 Milliarden Zugriffe, die Statistik weist Anfang November mehr als 2,36 Millionen Artikel aus.

Wie relevant sind Frauen?

Aus weiblicher Sicht gibt es in der Wikipedia-Artikelwelt allerdings auch viele Leerstellen, denn Biografien über Frauen sind unterrepräsentiert. Ursache ist einerseits das Relevanzprinzip: Danach muss eine Person bekannt sein und über ihr Tun müssen Veröffentlichungen wie Zeitungsartikel, Beiträge und Bücher existieren. Denn Wikipedia greift auf Quellen zurück. Und über das Wirken von Frauen wird in der Fachliteratur oder in den Medien bis heute weniger berichtet als über das von Männern – sieht man mal von Berichten über Schauspielerinnen oder Popsternchen ab.

Dass es über Marie Curie, Angela Merkel oder die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm Wikipedia-Artikel gibt, überrascht wohl niemanden. Aber dass die Physiknobelpreisträgerin von 2018, Donna Strickland, am Tag der Bekanntgabe in der deutschsprachigen Wikipedia keinen Eintrag hatte, sorgte im vergangenen Jahr dann für Empörung. Denn Relevanzkriterien hatte die kanadische Physikerin längst erfüllt, und zwar nicht erst durch die Ehrung mit dem Nobelpreis. Die beiden männlichen Preisträger von 2018 hatten selbstverständlich einen Eintrag.

Weltwissen aus Männersicht

Und auch ein weiterer Fakt ist nicht zu übersehen: Schätzungsweise rund 80 Prozent derjenigen, die in Wikipedia editieren, sind männlich. Die Zahlen sind nicht exakt zu ermitteln, weil Benutzernamen nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sind - in der Community muss sich niemand outen. Aber eins räumt auch die Dachorganisation Wikimedia-Foundation ein: In der Community herrscht Männerüberschuss mit Wirkung.

"Wenn hauptsächlich Männer die Wikipedia schreiben, dann wird die Welt vorrangig aus einer Männersicht dargestellt", sagt der Soziologe und Wikipedianer Andreas Kemper: "Männer bekräftigen sich auch gegenseitig darin, dass ihre Sicht relevant und wichtig ist."

Symbolbild - Modell eines Wikipedia-Denkmals in Slubice (Bild: dpa-/Patrick Pleul)
Das Wiki-Logo: eine Erdkugel aus Puzzleteilen | | Bild: dpa-/Patrick Pleul

"Frauen müssen da mitmischen"

Bei der Überzahl von aktiven Männern bleiben Konflikte nicht aus. Die wenigen Frauen kommen kaum durch, wenn es um sprachliche Regeln geht. Elke Köpping benennt das Manko: "Sichtbarkeit von Frauen muss sich auch in der Sprache ausdrücken." Wikipedia habe da ganz klar ein Diversitätsproblem, indem das generische Maskulinum bestimmend sei. Da sei Wikipedia letztlich ein digitales Spiegelbild der realen Gesellschaft.

Eine Änderung ist allerdings erstmal nicht in Sicht. Mehrfach wurde in Community-internen Abstimmungen das Ansinnen abgelehnt, in der deutschen Wikipedia eine gendergerechtere Sprache zu nutzen – zuletzt im Mai 2019.

Elke Köpping ist von der Idee einer frei zugänglichen Online-Enzyklopädie fasziniert  - und will die Geschlechterkluft sowohl in Artikeln als auch in der Community verringern. Deshalb wirbt sie jetzt aktiv darum, dass sich mehr Frauen einbringen: "Wissen für alle Menschen zur Verfügung zu stellen, kostenlos, barrierearm, frei zugänglich - das ist eine ganz idealistische, visionäre Idee. Frauen müssen da mitmischen."

Sendung: rbbKultur, 12.11.2019, 19:04 Uhr

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Beitrag von Ina Krauß

18 Kommentare

  1. 18.

    Danke. Damit bestätigen Sie meinen Vorwurf: In der Wikipedia wird nicht geschrieben, was wissenschaftlich und enzyklopädisch richtig wäre, sondern was der Stärkere festlegt. Danke, daß Sie so bereitwillig mitarbeiten.

    Dieses unwissenschaftliche Treiben beobachtet man übrigens auch im Ausland mit erheblicher Skepsis:

    "Die Geschichtsaufarbeitung in der heutigen Bundesrepublik ist geprägt durch vereinfachte westliche Erfolgsgeschichten auf der einen und durch ostdeutsche Horrorgeschichten auf der anderen Seite. Geschichtsbetrachtung wird von aktuellen Westnormen bestimmt, ostdeutsche Erfahrungen werden marginalisiert. Der Einigungsprozess wird dadurch stark belastet."

    (Prof. Andrew H. Beattie in "Learning from the Germans? History and Memory in German and European Projects of Integration", University of Technology Sydney, 2007)

  2. 17.

    Beobachter, die fünf Länder sind dem Geltungsbereich des Grundgesetzes beigetreten. Nicht umgekehrt. Der Osten ist untergegangen. Zum Glück. Also nutzen wir heute die „Westbezeichnungen“. Wenn Ihnen das nicht gefällt, ist das nicht so schlimm.

  3. 16.

    Falsch. Der Vertrag ist in den ABL unter der propagandistisch geprägten Fremdbezeichnung Warschauer Pakt bekannt. In den NBL ist er der Allgemeinheit unter seine korrekten Eigenbezeichnung Warschauer Vertrag bekannt. Daß auch Sie der jahrzehntelangen Propaganda des kalten Krieges unterliegen, ist zwar nachvollziehbar, macht die Bezeichnung aber nicht richtiger.

  4. 15.

    Selbstverständlich lebt ein Mensch in Gewohnheiten, Sie und ich auch. Was mich dennoch stutzen lässt: Die Frauen in der DDR waren nicht unbedingt weniger gleichberechtigt als im vorherigen Bundesgebiet, auch wenn Vieles gewiss aus systematischen Notlagen heraus entstanden ist. Dennoch kenne ich keine Frauen, die sich an der üblichen Sprache gestört hätten. Kurzum: Das komplette Durchdeklinieren in Richtung konsequenten weiblichen Formen empfinde ich als maßlos übertrieben. Und es wäre auch zuweilen grotesk.

    Selber bemühe ich mich, von Radfahrenden und Autofahrenden zu reden und zu schreiben, einfach deshalb, weil beide Begriffe ja nur momentane Tätigkeiten beschreiben sollen, nicht aber ein Berufsbild, was damit verbunden wäre. Auch wenn das "Autofahrersein" so manchem scheinbar wie Blei im Blut liegt.

    Meine Frage ist, bis zu welchem Punkt das geht. Bis zu vorherrschenden und vorfrauschenden Verhältnissen? Durchaus nicht polemisch gemeint, nur als Anfrage an das Sprachgefühl.

  5. 14.

    Das ist doch eine Ausrede. Es geht eben nicht nur um "Faschisten", die in der WP Revisionismus verbreiten. Sie benutzen hier die NS-Keule, um zweifelhafte Praktiken zu rechtfertigen. Tatsächlich werden Positionen der Nato verbreitet, weil die entsprechenden Autoren starke Gruppen bilden, es werden krude Sozialismusdefinitionen von Neoliberalisten verfaßt, es werden antirussische Narrative verbreitet, es wird der Ostblock diffamiert, wo es nur geht, Feministinnen lassen Hinweise auf 300 internationale Studien über häusliche Gewalt verschwinden, die eine 50:50-Beteiligung der Geschlechter nachweisen, christlich geprägte Autoren relativieren die Greueltaten Karls d. Großen und versuchen den heidnischen Ursprung des Osterfeuers zu negieren usw. usw. Was hat denn das mit "Faschisten" zu tun?

  6. 13.

    Ja und? Deswegen ist die Bezeichnung trotzdem falsch und widerspricht sowohl enzyklopädischen als auch den Regeln der WP. Dort ist ganz klar festgelegt, daß deutsche Eigenbezeichnungen zu verwenden sind, wenn es sie gibt. Daß darüber jahrelang diskutiert werden muß, und sich Westdeutsche durchsetzen, weil sie 4:1 in der Überzahl sind, macht es keinen Deut besser. Davon wird der Quatsch nicht richtiger.

    Auch in der MDR-Diskussion wird in keinster Weise bestritten, daß es sich bei Kaverznevs unsachlichen Ausfällen um stalinistische Propaganda handelt. Bibikows Buch "Der Wolf", in dem er Kaverznev zitiert, erschien im russischen Original in den 80ern - unterlag also der Zensur der KPDSU. Es gibt valide Literatur, die belegt, daß die KPdSU seit der Frühphase der Sowjetunion bestimmt hat, daß es dort kein Wolfsproblem gibt. Trotzdem ist es unmöglich, Kaverznevs Polemik gegen den Willen der Wolfsfanatiker wieder zu entfernen. Das ist unwissenschaftlich und für die WP symptomatisch.

  7. 12.

    Das Problem ist ganz einfach, dass es immer irgendwo Querköppe gibt, die nicht einsehen wollen, dass sie nicht gerade zur Verbesserung der Wikipedia-Qualität beitragen. Für die Leute aus dem rechten Spektrum ist Wikipedia ein linkes Kampfprojekt. Ich kenne mich mit vielen Themen gut aus und komme zu dem Ergebnis, dass die Wikipedia-Artikel zu diesen Themen durchweg sehr gut sind. Wenn man einen Fehler oder eine Ungenauigkeit findet, verbessert man das eben. Meiner Meinung nach funktioniert das Prinzip. Korrekte Darstellung setzt sich durch, und das gefällt natürlich denen nicht, die dort Desinformation betreiben wollen.

  8. 11.

    Der Vertrag ist nun mal der Allgemeinheit unter der Bezeichnung „Warschauer Pakt“ bekannt. Bei dem, was wir unter „Warschauer Vertrag“ verstehen, handelt es sich um einen Vertrag zwischen der Bundesrepublik und Polen. Zwei verschiedene Dinge, über die es dort jeweils vernünftige Artikel gibt.

  9. 10.

    Der Brockhaus Online (gedruckt ist er beim Druck bereits veraltet) nennt es auch "Warschauer Pakt", aber bei Wikipedia findet Sie immerhin in den ersten Sätzen direkt die Bezeichnung "Warschauer Vertrag" und die entsprechenden Diskussionen im Archiv.

    Ihre Meinung zu Kaverznev wurde schon in anderen Foren diskutiert, und bleibt was es ist, eine Meinung: https://www.mdr.de/sachsen/leipzig/delitzsch-eilenburg-torgau/erster-wolfsriss-nordsachsen-100.html

    Insofern sollten Sie vielleicht doch mal WP:NPOV verinnerlichen.

  10. 9.

    Danke, ich ziehe lieber die Englische Original-Wikipedia vor. Hat mir zu viele "Arbeitnehmer" wie Moderatoren, belanglose Journalisten und C-Promis im Angebot.

  11. 8.

    Teil 2. Jedes Lexikon wie Brockhaus usw., jedes Fachbuch ist seriöser als die WP. Dort wird nämnlich lektoriert und die Autoren sind bekannt, während in der WP sich diejenigen durchsetzen, die sich am besten in Gruppen organisiert haben. Da wird dann z.B. im Artikel Wolf nicht davor zurückgeschreckt, stalinistische Propaganda von 1933 (Kaverznev) zu kolportieren, weil sie den Wolfsfanatikern gerade ins Konzept paßt. Oder der Militärpakt Warschauer Vertrag wird entgegen den Wikipediaregeln nicht unter der deutschsprachigen Eigenbezeichnung Warschauer Vertrag sondern unter der abwertenden Parole des Kalten Krieges "Warschauer Pakt" geführt. Darüber wird dort seit Jahren gestritten und die Wikipedia-Regeln werden außer Kraft gesetzt - weil man es kann. Das ist nicht enzyklopädisch, das ist unterirdisch. Und dieses Treiben zieht sich quer durch die Wikipedia. Dort gilt nicht Wahrheit, Lauterkeit und Wissenschaft sondern das Recht des Stärkeren.

  12. 7.

    Bitte versuchen Sie nicht, mir Wikipedia zu erklären. Das ist ja lächerlich. Ich bin seit 10 Jahren Wikipedia-Autor. Und unterlassen Sie bitte die billige Nazikeule. Das ist so unredlich wie wohlfeil. Die Wikipedia erweckt in weiten Teilen den Eindruck einer Nato-Pressestelle. Auch das ist rechts. Aber damit werden Sie wohl kein Problem haben.

  13. 6.

    Und Germany´s next Topmodel hat es eher mit Frauen.

    Nur: da macht keiner ein Fass auf.

    Hört doch mal auf, immer auf den Männern rumzuhacken. Es nervt.

  14. 5.

    Welche bessere Wissens-Datenbank kennen Sie denn, bei der alle Quellen und Bearbeitungen 100% transparent sind?
    Manche Kritik an Wikipedia ist sicher gerechtfertigt, aber oft kommt Kritik von Personen, deren Bearbeitungen revidiert wurden, weil die Quellen nicht seriös oder garnicht angegeben waren. Und gerade bei politischen Themen wird oft eine Einflussnahme Richtung rechts versucht, die von der Masse der anderen User aber schnell als unbelegt oder Einzelmeinung revidiert wird.
    (Meine Erfahrung nach ca. 10.000 Edits innerhalb der letzten 10 Jahre)

  15. 4.

    Durch Sprache wird viel gelenkt, bewusst und unbewusst. Damit werden Gesellschaften geprägt, und derzeit ist die „männliche“ Sicht- und Schreibweise überpräsentiert. Ich behaupte, dass Sie die Gedanken der Frauen hinsichtlich der Sprache in Texten nicht nachempfinden können. Sie sind mit dem „Arzt“, dem „Unternehmenschef“ usw. vermutlich groß und vertraut geworden, in der Realität als auch in der Literatur - und Sie als Mann, so behaupte ich weiter, stören sich daran auch nicht. Gendern wird Gleichberechtigung nicht auf direktem Wege bringen, aber eine gewisse Normalität, dass auch Frauen „Ärtz*innen“, oder „Unternehmenschef*innen“ sein können, wird sich langfristig ergeben.

  16. 3.

    Die Doku ist nicht schlecht! Sieht man jedoch genauer hin, wird jedem klar, das diese Arbeit so statt finden muss. Solange Faschisten und andere ihren geschichtsrevisionistischen Müll und Fantasien, als Fakten darstellen wollen. Solange wird es wohl eine Art Zensur geben und das ist auch wichtig und richtig! Naiv wäre es zu denken, das auf kommerziellen Plattformen keine Zensur statt findet. Zum Anderen, nennen Sie mir eine Gruppe Menschen, die zusammen wirken, wo nicht diskutiert, gestritten und kritisiert wird!
    Das der Frauenanteil so gering ist, finde ich schade! Eine Änderung kann jedoch nicht erzwungen werden.
    Das mit der Gendergerechten Sprache ist meines Erachtens den Meisten einfach zuviel. Ich denke die sind froh das jetzt alles so steht und die haben mit den oben genannten Aufgaben schon genug zu tun. Warum also sich n Haufen Arbeit machen, wenn es eigtl. nur sehr wenige für wichtig halten. Also ist weniger Ignoranz den mehr Prakmatismus.
    Ick spende wieder!

  17. 2.

    Wie man von der Idee einer angeblich "frei zugänglichen Online-Enzyklopädie fasziniert" sein kann, die in den Bereichen Politik und Geschichte längst zu einer umstrittenen Propagandaplattform verkommen ist, ist mir ein Rätsel. Der Artikel ist an Naivität schwer zu überbieten. Filmtipp: "Die dunkle Seite der Wikipedia".

    Und ja - wenn dort mehr frauenrelevante Themen erscheinen sollen, müssen die Frauen endlich mal hinterm Ofen hervorkommen. Der Männeranteil in der Wikipedia liegt bei 84-90%. Das ist also sogar noch extremer als in politischen Parteien, wo der Frauenanteil etwa ein Viertel beträgt. Noch unterrepräsentierter sind übrigens Unternehmensgründerinnen. Ihr Anteil beträgt nur 4 %:

    Wenn sich dieses geschlechterspezifische Desinteresse und diese Lethargie quer durch die Gesellschaft zieht und auch die Vergangenheit bestimmt hat, ist der Mangel an Frauen, die die Wikipedia-Relevanzkriterien erfüllen, ja wohl nicht verwunderlich.

  18. 1.

    Ich will da doch zwischen vermeintlich männerdominierter Sprache und dem tatsächlich männerdominierten Denken unterscheiden. Die Unterrepräsentation von Frauen in der offen gehaltenen Enzyklopädie Wikipedia hat nichts und rein garnichts mit einer nicht-gendergerechten Sprache zu tun, wohl aber alles, auf welche Ziele hin gedacht wird.

    Die Einführung einer TA Sprache, d. h. einer recht hölzern daherkommenden "technischen Anleitung Sprache" mit "-innen", *Innen", mit ein, zwei oder sonstwelcher Zahl an Sternchen schreckt nach meiner Empfindung eher ab, als dass Menschen voller Freude und Wissbegier ermuntert würden, das zu lesen.

    Die Welt besteht mithin nicht aus Kästchen. Immer sind die Linien krumm und zuweilen oft genug auch nicht eindeutig. Wer von Näherung spricht, hat in einer auf Eindeutigkeit ausgelegten Welt klar verloren. - Leben verläuft allerdings nie nur nach Plan und da sind Frauen tatsächlich näher am Leben dran als Männer.

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