Der Eingang zum Kino Moviemento
Video: rbb|24 | 05.11.2019 | Material: Abendschau | Bild: dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Investor will verkaufen - Crowdfunding soll Kino "Moviemento" in Kreuzberg retten

Die Betreiber des Kreuzberger Kinos "Moviemento" stemmen sich gegen den Verkauf des traditionsreichen Hauses. Das 1907 eröffnete Kino ist eines der ältesten in Deutschland und soll nun mit Hilfe von Crowdfunding gerettet werden. "Wir wollen die Räume des Kinos der Spekulation entziehen und so langfristig das Überleben dieses einzigartigen Ortes sichern", schreiben die Betreiber dazu auf der Plattform "Startnext" [startnext.de]. Zuerst hatte die Zeitung "taz" [taz.de] berichtet.

Gebraucht werden zwei Millionen Euro

Im Oktober habe man vom geplanten Verkauf durch den Besitzer des Hauses am Kottbusser Damm 22 erfahren. "Die erste Reaktion war ein krasser Schock", sagte Mitbetreiberin Iris Praefke auf Startnext. Danach aber habe man sich umgehend an Freunde und Unterstützer gewandt. "Bisher haben alle ihre Unterstützung zugesagt", so Geschäftsführer Wulf Sörgel auf derselben Plattform.

Nun wollen, so ist es der Projektbeschreibung auf Startnext zu entnehmen, Paefke und Sörgel das Moviemento selbst kaufen und erhalten. Der Preis liege bei rund zwei Millionen Euro. Per Crowdfunding im Internet sollen in einem ersten Schritt 100.000 Euro eingesammelt werden. Ab Februar 2020 peile man mit einer zweiten Sammlung sogar 1,6 Millionen Euro an, um den Kauf zu finalisieren und um den Betrieb des Kinos zu ermöglichen. Die Besitzer selbst gehen nach eigenen Angaben in Vorleistung: "Wir haben unser komplettes Geld zusammengekratzt - es sind so 200.000 Euro, ein Freund hat ebenfalls sofort 200.000 Euro zugesagt", schreiben Paefke und Sörgel auf der Crowdfundingplattform Startnext. Außerdem hoffen sie "auf eine erhebliche Reduzierung des Kaufpreises durch Immobilienkaufleute mit Herz".

Das Gebäude gehört einer Untergesellschaft der Deutsche Wohnen. Das Unternehmen bestätigte auf Nachfrage von rbb|24 die Verkaufsabsichten. "Einem Kauf durch die derzeitigen Mieter stehen wir offen gegenüber", sagte ein Sprecher der Deutsche Wohnen dem rbb.

Prominente Unterstützung

Das Moviemento ist vor allem in der Independent Film-Szene eine Institution, zudem werden hier seit Jahren Filme des queer-feministischen Pornfilmfestivals Berlin gezeigt. Unterstützt werden die Betreiber unter anderem von den Schauspielerinnen Katharina Wackernagel (Krimireihe "Stralsund") und Carolin Grenzkow ("Tatort").

Falls am Ende mehr Geld eingesammelt werden sollte, als für den Kauf notwendig ist, wollen die Betreiber das Kino erweitern, möglicherweise um einen vierten Kinosaal.  

Sörgel und Praefke betreiben in Berlin bereits das Kino Central in Mitte und das Kino Toni in Weißensee. Im Januar übernahm Sörgel zudem die Geschäfte des insolvenzbedrohten Filmtheaters Weltspiegel in Cottbus.

Sendung: Abendschau, 04.11.2019, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Verstehe ich nicht, die Logik dieser "Rettungsaktion". Es soll hier für privaten Eigentum gespendet werden? Kann mir das mal jemand erklären? Wem gehört dann das Kino? Betreibern, die die Belegschaft für 10 cent Gehaltserhöhung pro Stunde konkurrieren lässt? Einer Leitung, die Mitarbeiter*innen rausmobbt um ihnen keine Abfindung zahlen zu müssen? Angeblich linken Kinobetreibern, die kurdische Aktivist*innen kriminalisieren und ihnen Screenings verwehren? Auf einmal hat die Kinoleitung Geldnot, nachdem sie gerade ein neues Kino in Weißensee aufgekauft hat? Denken die Betreiber es reicht ein bisschen Punk-Look im Foyer um plötzlich auf den Zug der Kämpfe gegen Verdrängung linker Räume in gentrifizierten Vierteln aufzusteigen? Echt eine Frechheit.. Es gibt genügend Räume, die es wirklich nötig haben gerettet zu werden. Das Moviemento ist mit Sicherheit keins davon.

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