Archivbild: Mac DeMarco spielt bei einem Live-Auftritt mit dem Mikrofon. (Quelle: dpa)
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Audio: Inforadio | 12.11.2019 | J. Bauer | Bild: dpa

Konzertkritik | Mac DeMarco in der Columbiahalle - Maci ist ausnahmsweise mal müde

Bei dem Konzert des Indie-Musikers Mac DeMarco im Berliner Astra vor zwei Jahren war der Andrang so groß, dass es eine Zusatzshow gab. Gestern war er wieder da - in der Columbiahalle. Jakob Bauer hatte große Erwartungen – die milde enttäuscht wurden.

Ich muss persönlich beginnen und mit einer Rückschau: Das Konzert von Mac DeMarco vor zwei Jahren im Astra, das war für mich eine Offenbarung. An die vier Stunden dauerte dieses Ereignis damals, DeMarco und seine Band haben den klassischen Konzertrahmen lustvoll über den Haufen gefahren. Es lag eine Art Happening-Stimmung im Saal, die Zeit verschwamm: Zerfasert war das, im besten aller Sinne, mit viel Gesprächen und spontanen Einlagen.

Der Schlagzeuger hat einfach mal 20 Minuten irgendwas erzählt. DeMarco hat Turnübungen gemacht oder ist durch die Traversen geklettert. Das Publikum war auf der Bühne und hat mitgespielt. Dazwischen immer wieder Songs, die Ansätze eines klassischen Konzertes, Coverversionen, Improvisationen. Und am Ende, nach der xten-Zugabe, tausend Bier und Zigaretten dann DeMarco ganz alleine auf der Bühne, der nach all der Blödelei und dem Exzess von seinem alkoholkranken Vaters erzählt und davon, dass er Angst hat, wie dieser zu werden. Einsam zu verblassen, zu sterben. Man fühlte sich wie am größten Lagerfeuer Berlins. Unglaublich intim. Und dankbar. Und glücklich.  Eine große Pop-Schau war das. Und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch.

Archivbild: Mac DeMarco mit seiner Band auf der Bühne. (Quelle: imago images/R. Gray)
Mac Demarco mit Band auf der Bühne. | Bild: imago images/R. Gray

Lounge-Stimmung

Und die wurden: Eher enttäuscht. Dabei sind die Grundzutaten noch alle vorhanden. Die Musik von DeMarco hat einen außergewöhnlichen Wiedererkennungswert: Gniedelige Gitarren, verschleppte, flächige Synthies, ein lässiger Beat und DeMarcos Gesang der elegant zwischen kehligem Rock-Knurren und zauberhaftem Crooning changiert.

Aber DeMarcos Musik ist in den letzten Jahren deutlich ruhiger geworden, wenn auch nicht schlechter. Doch die Fans hängen an den alten, tanzbaren Slacker-Hymnen – auch an diesem Abend. Wenn DeMarco zur Akustik-Gitarre greift, dann ist das Publikum schon fast ungnädig laut, zumal die Musik außergewöhnlich leise gemischt ist. Es breitet sich eher Lounge-Stimmung aus, als beseeltes Zuhören.

Zu wenig Intimität

Und das ist ein Problem. Denn DeMarcos Show basiert zu großen Teilen auf der Interaktion mit dem Publikum. Der Mann ist ein Clown – der Schalk sitzt ihm tief im Nacken. Aber an diesem Abend kommt er nicht so recht in Fahrt. Ein paar Mal wagt er sich hinaus – witzelt über seine Wohlstandswampe, macht spontan einen Kopfstand, setzt sich auf einen Verstärker und hört seinem Gitarristen zehn Minuten lang beim Improvisieren zu. Dann holt er irgendeinen Dude von der Crew auf die Bühne, der sagt "Ich bin ein Berliner" und sofort danach wieder geht oder er kündet seinen Song "Chamber of Reflection" als "Harry Potter and The Chamber Of Secrets" an.

Und als Zugabe gibt’s "Enter Sandman" von Metallica. Aber: Das ist eine Winzigkeit an Spontaneität und Witz im Vergleich zu dem, was dieser Mann drauf hat. Die so wichtige Intimität zum Publikum, die kommt nie auf.

Sexsymbol mit Anglerhut und Schluffi-Kleidung

Dabei fressen die hippen Männer und Frauen um die 30 ihrem Maci eigentlich aus der Hand. Der ist und bleibt ein seltsames Sexsymbol, mit schlabberigem Anglerhut, prominenter Zahnlücke und Schluffi-Kleidung bricht der 29-Jährige mit seinen beschwipsten Lovesongs seit einigen Jahren die Herzen von Frauen und Männern.

Und man sieht, was für eine treue und starke Fangemeinde sich DeMarco erspielt hat, wenn trotz dieser müden Show immer noch Unterwäsche auf die Bühne fliegt und das Publikum auf Anweisung sofort auf die Knie geht, die Feuerzeuge zückt oder bei den Hits dann doch laut mitsingt und tanzt. Nur: Dazu braucht es eben immer die Bitte von DeMarco.

DeMarco bleibt unter seinen Möglichkeiten

Ein Erklärungsversuch ist sicher, dass DeMarco zugibt, noch ganz schön unter Jetlag zu leiden, es ist die zweite Deutschlandshow nach Hamburg am Abend zuvor. Auch die architektonisch eher bedrückende Columbiahalle mag der Luftigkeit und Lässigkeit dieses Mannes etwas den Zahn gezogen haben. Und so ist DeMarco ein großartiger Musiker, ein fast noch besserer Showman, der an diesem Abend allerdings unter seinen Möglichkeiten bleibt.

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