Joao Donato
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Audio: Inforadio | 19.11.2019 | H. Ackermann | Bild: imago images/Fotoarena

Konzertkritik | João Donato im Gretchen - Und hektisch-elektrisch tanzt das Girl aus Ipanema

Mit João Donato war am Montag im Berliner Club Gretchen eine Legende des Latin-Jazz zu Gast: Der Pianist und Komponist hat den Bossa Nova mitbegründet und spielte in rund 70 Bühnen-Jahren mit fast jeder Jazzgröße zusammen. Von Hans Ackermann

Wie der Champion bei einem Boxkampf wird João Donato im Gretchen von einem Sprecher über die Lautsprecher begrüßt: "Ladies and Gentleman! From Brazil: João Donato!" Und dann sitzt der 85 Jahre alte Musiker auch schon hinter seinen Keyboards - ein E-Piano Marke Fender Rhodes und ein Hohner Clavinet - auch diese beiden betagten Tasteninstrumente kann man mit Fug und Recht zu den Legenden zählen.

Archivbild: Joao Donato bei einem Live-Auftritt mit Band in Brasilien. (Quelle: imago images/Panda)
João Donato bei einem Live-Auftritt. | Bild: imago images/Panda

Bereits mit den ersten Tönen auf seinem Piano versetzt João Donato das Publikum in tanzende Bewegung. Die beiden ersten Titel sind eher hektisch-elektrisch und kein bisschen versonnen - wie bekannt etwa beim "Girl from Ipanema" - auch wenn diesen Bossa Nova-Welthit nicht Donato geschrieben hat, sondern Antonio Carlos Jobim.

Donatos 1994 gestorbener Weggefährte Tom Jobim wäre heute 92 Jahre alt. Donato, 1934 in Brasilien geboren, ist 85, putzmunter mit Basecap auf dem Kopf und immer am vordersten Bühnenrand zu finden. Er spielt dort mit der rechten Hand vergleichsweise einfache Melodien, die er aber mit komplizierten Akkordwechseln in der linken Hand begleitet.

Schnelle Läufe überlässt er den Jungen

Insgesamt spielt der vitale Altmeister dabei allerdings nie zu viele Noten auf einmal. Das hat auch schon Donatos Zeitgenosse Miles Davis  so gemacht - und lieber den jungen Mitmusikern die schnellen Läufe überlassen. In Donatos Band steht in dieser Hinsicht vor allem der junge, hervorragend aufspielende Posaunist Douglas Antunes im Mittelpunkt.

Wie jugendlich Donato insgesamt über den Latin-Jazz denkt,  hat er vor kurzem mit "Donato Eletrico" bewiesen: ein Album mit elektrischem Jazz, der auch an diesem Abend hauptsächlich zu hören ist. In der Mitte des Konzertes aber gönnt Donato dem Publikum eine kleine Ruhepause und stimmt "Minha Saudade" an - ein schöner altmodischer Bossa Nova, den er Ende der 1950er Jahre komponiert hat. Wohl jeder Jazzmusiker auf dieser Welt kennt die Melodie.

Von seinem Platz am Klavier aus dirigiert Donato seine Band - und auch die Menschen im Publikum.  In einem komplizierten lateinamerikanischen Rhythmus an der genau richtigen Stelle das Wort "Hey" zu rufen - das klingt einfacher, als es ist.

Es muss wohl genau dieser Spaß an der Musik sein, der einen großen Musiker im beinahe biblischen Alter dazu bringt, an einem kalten Novemberabend in einem vergleichsweise kleinen Berliner Club auf die Bühne zu steigen.

Und weil Donato auf jeder Bühne immer alles gibt, singt er dort schließlich auch noch. Das müsste er nicht, aber er trifft bei "Bananeira", seinem berühmten Lied über den Bananenbaum, noch ziemlich gut die hohen Töne. Mit 85 Jahren soll ihm das erst einmal jemand nachmachen.

Beitrag von Hans Ackermann

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