Black Pumas
Audio: Inforadio | 13.11.2019 | Steen Lorenzen | Bild: Greg Giannukos

Konzertkritik | Black Pumas im Frannz - Vier Wollmützen und eine Seele

Sie sind das nächste große Retro-Ding in der Soulmusik: Die Black Pumas aus Austin. Für ihre ausverkauften US-Konzerte und jetzt auch in Europa ist aus dem Duo eine siebenköpfige Band geworden. Im Frannz spielte sie ein mitreißendes Konzert. Von Steen Lorenzen

Wer an diesem kalten Novemberabend vor dem Frannz in der Schlange steht, ist hoffentlich warm eingepackt erschienen. Auf der Bühne des Clubs ist es dagegen völlig aberwitzig, mit Wollmütze herumzulaufen. Es sei denn, man hat sich sein Outfit bei Soul-Legende Marvin Gaye abgeguckt - und das haben gleich vier der sieben Musiker an diesem Dienstagabend.

Marvin Gayes Wollmütze und…

Vier Wollmützen und vier Sonnenbrillen, das ist die erste Blitzbilanz zum Auftakt des Black-Pumas-Konzertes, das von Anfang an weit zurückliegende Soul-Jahrzehnte channelt. Trotz der vielen Marvin Gaye-Mützen erinnert Black Pumas-Sänger Eric Burton dabei eher an Curtis Mayfield, wenn er mit ganzer Kraft seine Kopfstimme vorantreibt. Auch die Band hat etwas von der Dynamik Mayfields verinnerlicht. Es gibt die feinadrigen, fragilen Songs im Repertoire, aber dann auch kraftvollen Soul, bei dem das Publikum zum Verstärker wird.

… Curtis Mayfields Gesang

Hinter diesem wiederbelebten Sound stehen vor allem die zwei Köpfe der Band, die sich 2017 in Austin, Texas gefunden haben: Neben Sänger Eric Burton - vor nicht allzu langer Zeit noch Straßensänger - der erfahrene Gitarrist Adrian Quesada.

Was kann eine Band tun, um nicht mit dem Etikett "Retro" versehen schnell wieder in Vergessenheit zu geraten? Sie kann sich live von einer frischen, gegenwärtigen Seite zeigen. Sänger Eric Burton ist in dieser Hinsicht ein wahrer Glücksfall. Ein drahtiger Typ in schwarz-rot meliertem Jackett, der seine Band anfeuert und dirigiert und gleichzeitig die unmittelbare Nähe zum Publikum sucht und findet. Schon beim dritten Song hält es ihn nicht mehr auf der Bühne, Burton verschwindet in der Menge und lässt sich kurz darauf vom Publikum ins Mikrofon diktieren, wie man sich auf Deutsch näherkommt.

Ich möchte Euch kennenlernen!

Gitarrist Quesada beobachtet derweil das Treiben von der Seitenlinie. Im Gegensatz zu seinem Kompagnon ist Quesada schon jahrzehntelang als Gitarrist, Produzent und Bandleader unterwegs. Seine Erfahrungen mit Latinfunk-Bands wie Grupo Fantasma, mit der er bereits einen Grammy gewonnen hat, bringt er mit rhythmisch raffinierten Momenten ein - und mit Soli, die zuweilen an Santanas Künste erinnern, zum Ausdruck.

Das große Miteinander

Die Band behauptet, sich ohne große Hintergedanken Black Pumas genannt zu haben. Das ist natürlich ein einigermaßen kokettes Statement, wenn man sich beim Namen die Nähe zur schwarzen Organisation Black Panther anschaut. Im Unterschied zu den Panthern vermeiden diese Pumas allerdings konkrete politische Statements. Immerhin beschwören ihre Songs das große Miteinander, am überzeugendsten im Song "Colors".

Konsequenterweise gehen die Black Pumas auch mit diesem Song zum ersten Mal von der Bühne. Eric Burton ist dem Publikum längst sehr viel näher gekommen und selbst Pokerface Adrian Quesada zeigt unter seiner Wollmütze ein verschmitztes Lächeln.

Sendung: Inforadio, 13.11.2019, 7.50 Uhr

Beitrag von Steen Lorenzen

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