Cecilia Bartoli in "Alcina" beim Salzburger Festival 2019. (Quelle: dpa/Salzburg Festival/Matthias Horn)
Audio: Inforadio | 26.11.2019 | Barbara Wiegand | Bild: dpa/Salzburg Festival/Matthias Horn

Konzertkritik | Cecilia Bartoli in der Berliner Philharmonie - Wie die Superstars aus dem 18. Jahrhundert

Der Kastrat Farinelli war mit seinen gestochen scharfen Trillern einer der bekanntesten Sänger Europas. Cecilia Bartoli lässt das Publikum eintauchen in die Zeit dieser Barockstars. Barbara Wiegand war hingerissen, wie Bartoli gesanglich dieser Zeit nachspürte.

"Ein Gott – ein Farinelli": So soll eine Dame anno 1730 im überfüllten Londoner King’s Theatre gestöhnt haben, bevor sie wahrhaft hin und weggerissen von Farinellis Kastratenstimme in Ohnmacht viel. Und ja, ziemlich göttlich ist auch die Bartoli à la Farinelli, vom ersten langgezogenen zarten und doch vollen Ton des Abends in der Berliner Philharmonie an.

Hoffnung auf die ewige Knabenstimme

Mit ihrem Mezzosopran nimmt sie das Publikum mit in die Zeit des Barockstars, als man Kastraten huldigte wegen der Reinheit ihres Gesangs. Erst in den Kirchen, dann auf den Opernbühnen. Immer mehr arme Familien ließen ihre Söhne kastrieren, in der Hoffnung auf die ewige Knabenstimme und damit verbundenem Reichtum.

Tatsächlich machten manche Karriere, andere endeten als Kuriosum auf dem Jahrmarkt. Farinelli aber, der eigentlich Carlo Broschi hieß, war wohl einzigartig – gestochen scharf sollen seine Triller gewesen sein, glasklar die hohen Töne, aberwitzig atemberaubend die Verzierungen, die er meisterte.

Mit dem Barockensemble "Les Musiciens du Prince-Monaco" als kongenialem Partner an der Seite, spürt die Bartoli diesem Stimmwunder nach. Sie bringt es an diesem Abend auf ihre ganz eigene Art wieder zum Klingen - mal zart, mal innig, dann mit Tempo und Temperament die Töne akrobatisch umkurvend. Aus tiefster Kehle im unteren Bereich, warm in der Mitte und oben voll gleißend glitzernd. Das klingt nie künstlich, sondern ist große Kunst.

Beitrag von Barbara Wiegand

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