Düsseldorf Düsterboys (Quelle: Presse/Lukas Vogt)
Audio: Inforadio | 13.11.2019 | Jakob Bauer | Bild: Presse/Lukas Vogt

Konzertkritik | The Düsseldorf Düsterboys im Privatclub - Die sehr, sehr weise Schülerband

"The Düsseldorf Düsterboys" haben gerade ihr Debüt-Album herausgebracht, und ihr allererstes Berlin-Konzert ist schon ausverkauft. Na klar - denn hinter den Düsterboys stecken alte Bekannte, die im letzten Jahr so richtig abräumten. Von Jakob Bauer

Der obligatorische Funfact zu Beginn: Die Düsseldorf Düsterboys sind nicht aus Düsseldorf, sondern aus Essen. Der Name ist einem der beiden Frontmänner angeblich im Traum erschienen und die Alliteration ist ja auch einfach zu schön, um sie wegzuschmeißen. Um die Verwirrung komplett zu machen: Die Düsseldorf Düsterboys sind eigentlich: International Music. So heißt die Hauptband von Pedro Goncalves Crescenti und Peter Rubel, den Köpfen hinter der Musik beider Projekte. Und International Music, die waren eine der deutschen Popsensationen des letzten Jahres.

Dementsprechend warm ist der Empfang im pickepackevollen Privatclub für die Düsterboys Pedro und Peter, die zwei Musiker mitgebracht haben und hier ihr Debütkonzert zu ihrem Debütalbum spielen. Mit 40 Minuten Verspätung, aber viel Sonnenschein im Gesicht betreten sie die winzige Bühne, setzen sich auf ihre Barhocker und schwelgen eine gute Stunde im zuckersüßen Harmoniegesang durch ihre verwaschenen Wahrheiten.

Von Velvet Underground, den Doors und Bier-Flaschenöffner-Ringen

Im Vergleich zu ihrem anderen Projekt "International Music" schalten die Düsterboys drei bis vier Gänge zurück. Während es bei International Music schon gerne mal laut und wild wird, spielen die Düsterboys eher Folksongs und suhlen sich in psychedelisch schwurbelnden Spielereien und Melodien.

Die Töne und die Zeilen sitzen an diesem Abend aber alle noch nicht so richtig, als "rumpelig", beschreibt es Peter Rubel einmal selbst – das bessert sich dann wahrscheinlich im Laufe der Tour. Oder auch nicht, denn: Vielleicht muss es das gar nicht. Die Atmosphäre, die Gastgeber und Musik hier aufbauen, ist die eines gemütlichen Kneipenabends, ohne jeglichen Anspruch auf Perfektion.

Wie die Düsterboys da vorne herumalbern, mit einem Flaschenöffner-Ring ihr Bier öffnen und sich mit ihren noch jungenhaften Gesichtern, den tiefen Stimmen und den verwaschenen Gitarren durch die Musikgeschichte der 60er und 70er, durch Velvet Underground und The Doors wühlen, da wirken sie ein bisschen wie eine Schülerband beim Wohnzimmerkonzert. Allerdings wie eine sehr, sehr weise Schülerband.

Düstere Alkoholgedanken und Bock auf Bockwurst

Denn die Texte von Rubel und Crescenti sind melodiegewordenes Gefühl für Sprache. Wenn die beiden über "Alkoholgedanken" singen, dann ist das gleichzeitig eine vermeintlich naive Hymne auf den Rausch, hinter der ein gigantischer Abgrund lauert.

"Alkoholgedanken/Geh Doch Mal zur Tanke/Wanken über Bänke/Schranken/Schränke" heißt es da, und dann "Alkoholgedanken/Denken nicht an morgen/Sorgen sind schlimm/Aber morgen wird es schlimmer"

Aber manchmal sind die Songs der Düsterboys an diesem Abend auch einfach nur witzig. Es gibt einen Block mit Miniaturen, Titel, die nicht länger als 30 Sekunden bis eine Minute gehen, da heißt es dann "Ich möchte einsam sein und einen Döner essen" oder "Du bist hier und ich bin nicht in Amerika" oder "Ich hab Bock auf Bockwurst/Hast du Bock auf Bockwurst?/Ich hab so nen Durst und Bock auf Bockwurst"

Das Schöne bei den Düsterboys und bei diesem Konzert ist: Die Jungs haben es total drauf, die Musik ist toll, die Texte teils zum Niederknien, aber die ganze Show ist so unprätentiös und so nahbar, das man eigentlich erwartet, Pedro und Peter gleich nebenan bei Hühnerhaus auf ein Hendl zu treffen. Oder vielleicht doch auf eine Bockwurst?

Sendung: Inforadio, 13.11.2019, 6.50 Uhr

Beitrag von Jakob Bauer

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1 Kommentar

  1. 1.

    Super Kritik, die die Atmosphäre sehr gut einfängt. The Düsseldorf Düsterboys sind genial und die Platte „Nenn mich Musik“ einfach - Ja, zum Niederknien

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