Andy Barlow und Lou Rhodes von der Band Lamb bei einem Konzert im Metropol in Berlin. (Quelle: imago images/Martin Müller)
Audio: Inforadio | 20.11.2019 | Magdalena Bienert | Bild: imago images/Martin Müller

Konzertkritik | Lamb im Metropol - Feenhafte Klänge von den Wegbereitern des Trip-Hop

Sie gelten als Pioniere des Trip-Hop und kommen aus der britischen Musikerhochburg Manchester. Das Duo Lamb ist nach fünf Jahren zurück mit einem neuem Album - und konnte seine Fans davon live absolut überzeugen. Von Magdalena Bienert

Die Bühne ist ziemlich voll. Mit Instrumenten und mit knapp zehn senkrecht aufgestellten Glühbirnen. Es gibt genug Zeit, das alles unter die Lupe zu nehmen. Kurz vor 21 Uhr - das Publikum wird langsam unruhig, schließlich gab es keine Vorband - kommen endlich die Musiker und Musikerinnen: Eine Violinistin ("halb Prinzessin, halb Elfe", wird Mitstreiter Andy Barlow später über sie sagen) und ein Schlagzeuger nehmen im Hintergrund Platz. Der Bassist schließt sofort die Augen, nachdem er rechts vorne angekommen ist. Louise Rhodes und Andy Barlow - die beiden, die Lamb sind - betreten breit grinsend die Bühne des Metropols und werden gleich frenetisch im vollen Haus bejubelt. Endlich sind sie zurück.

Die Fee und der Junge

Andy Barlow verschanzt sich in einem Technik- Quadrat aus Keyboard und Synthesizer, während Lou Rhodes ans Mikrofon tritt. Mit ihrer besonderen, zart-brüchigen Stimme ist sie auch gesanglich eins mit ihrer ätherischen Erscheinung. Sie trägt ein weißes arm- und rückenfreies, fluffiges Kleid in A-Linienform und auf dem Kopf einen schwarzen, filigran-wippenden Schmuck aus kleinen Blättern oder Federn.

Die Band gibt es schon über zwanzig Jahre, die Sängerin dürfte über 50 sein. Kaum zu glauben, aber können Feenwesen überhaupt altern? Auch Andy Barlow hat sich etwas Unverstelltes, Jungenhaftes erhalten, wie er immer wieder lachend zu seinen Mitstreitern schaut, die Arme in die Luft reckt und Applaus einfordert.

Lou Rhodes von der Band Lamb bei einem Konzert im Metropol in Berlin. (Quelle: imago images/Martin Müller)
| Bild: imago images/Martin Müller

Das Geheimnis des Loslassens

Das aktuelle Studioalbum haben Lamb "The secret of letting go" genannt. Das ist sicherlich sowohl spirituell, als auch musikalisch zu verstehen. Loslassen war auch das Motto dieses siebten Longplayers, sagte Sängerin Lou Rhodes in einem Interview. "Unsere Regel war: alles was nicht gebraucht wird, fliegt von der Platte. Ich mag den Platz, der dadurch entstanden ist".

Live ist dieser Minimalismus oft unglaublich berührend. Manche im Publikum wiegen sich mit geschlossenen Augen. Loslassen, egal, was andere denken könnten. Bei "One Hand Clapping", das letzte Lied vor den Zugaben, übernehmen die Fans einen zarten Chor-Part, der tief unter die Haut geht. Lamb schaffen es einen tottraurig zu machen und dann, nur wenige Minuten später, wenn Andy Barlow Vollgas gibt, gleicht das Metropol einem Elektro-Festival. Die Wegbereiter des Trip-Hop, oft mit den britischen Pionieren Portishead in einem Atemzug genannt, haben es auch nach über zwei Jahrzehnten noch drauf.

Gesund und voller Dankbarkeit

Immer wieder gönnt die Band ihrer Sängerin kleine Pausen. Dann trinkt Lou Rhodes aus einer Thermoskanne oder stellt sich an den Bühnenrand. Vor einer Woche musste sie wegen Krankheit das Konzert in Köln absagen. Berlin spürt davon kaum etwas mehr - was für ein Glück.

Immer wieder führt die Sängerin ihre beiden Hände vor der Brust aneinander und bedankt sich. Sie bewundert diese besondere Location (der Sound ist auch hervorragend) und sie kommt nicht am Satz aller Sätze vorbei: Berlin sei immer etwas Besonderes. Na klar, das sagen sie alle. Aber hier an diesem Abend, in diesem Raum, der voll mit guter Energie ist, spürt jede und jeder, dass ihre Worte wirklich von Herzen kommen. Lamb - immer wieder etwas Besonderes.

Sendung: Inforadio, 20.11.2019, 6:55 Uhr

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