Roo Panes (Quelle: Jonty Herrmann)
Jonty Herrmann
Audio: Inforadio | 28.11.2019 | Cora Knoblauch | Bild: Jonty Herrmann

Konzertkritik | Roo Panes im Lido - Hundert Prozent Lagerfeuerromantik

Tiefe Stimme, zerzauste Haare, Akustikgitarre: Roo Panes ist sowas wie der Posterboy unter den britischen Singersongwritern. Gleich zu Beginn seiner Karriere wurde er als Model verpflichtet und hat seitdem treue Fans. Am Mittwoch gastierte Panes im Berliner Lido. Von Cora Knoblauch

Er sei kein großer Performer, sagte Andrew Panes - genannt Roo - einmal in einem Interview. Vor Publikum zu singen, bereite ihm im Grunde Unbehagen. Seit diesem Selbstbekenntnis sind ein paar Jahre vergangen, ein großer Performer ist der Brite immer noch nicht.

Beim Auftritt am Mittwoch im Berliner Lido steht Panes zunächst alleine mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne, später gemeinsam mit zwei befreundeten Musikern, die mit ihm singen und mit ihren Akustikinstrumenten einen angenehmen Klangteppich ausbreiten. Diese Atmosphäre von Musik am Lagerfeuer, das sei sein Grundgefühl beim Musikmachen, sagt Panes. Musiker und Publikum im Lido wippen sanft im Takt zu Panes Hit "Lullaby Love".

Stimme und Gesicht einer Werbekampagne

Gleich zu Beginn seiner Karriere landete Roo Panes 2012 einen Coup: Er schickte einer britischen Modemarke seine Musik. Die kaufte ihm im Rahmen einer Akustik-Session nicht nur ein paar Songs ab, sondern verpflichtete ihn gleich noch für eine Saison als Model. Die Kampagne verschaffte dem damals Anfang 20-jährigen Folkmusiker auf einen Schlag eine große Fangemeinde im Netz.

Auf der Bühne im Lido spielt Panes Songs aus seinen drei Studioalben, ab und zu murmelt er mit seiner angenehm tiefen Stimme ein paar Sätze ins Mikrofon. Seine Lieder seien sehr persönlich und bedeuteten ihm sehr viel, sagt er.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich Roo Panes kaum von der großen Schar hübsch anzuschauender Singersongwriter mit verwuschelten Haaren. Seine Songs erzählen von Liebe und Sehnsucht, vom Ankommen und Reisen - von Dingen also, mit denen jeder etwas anfangen kann. Panes bleibt dabei stets auf dem schmalen Grat zwischen Heiterkeit und Traurigkeit. Seine Folksongs rutschen nie ab in die bodenlose Melancholie anderer Singersongwriter. Um den ganz großen Weltschmerz macht Panes einen Bogen. Und vielleicht ist es ja gerade diese verträumte, etwas vage Grundstimmung der Songs, die Roo Panes eine so treue Fangemeinschaft beschert.

Wie beim Anblick der immergleichen Projektionen von scheinbar beliebigen Berglandschaften und verschneiten Wäldern auf der Bühne, stellt sich auch musikalisch nach einer guten Stunde das Gefühl einer gewissen Redundanz ein. Die Fans im schon lange ausverkauften Lido lauschen dem schön unspektakulären Abend trotzdem andächtig.

Beitrag von Cora Knoblauch

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2 Kommentare

  1. 2.

    Gesang fällt unter Kultur. Und ein Konzert ebenso! In dem Beitrag wurde nicht über die Liebschaften des Sängers berichtet, dann wäre es Boulevard. Als Berliner sollten Sie sich in der Tat schämen, das nicht zu wissen!

  2. 1.

    Schreiben Sie doch bitte über diese rbb24-Seite nicht Kultur sondern Boulevard oder Brisant. Als Berliner schämt sich doch, dass Ihre Beiträge Berliner Kultur sein sollen.

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