Die Band Temples während eines Live Konzerts (Bild: dpa)
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Audio: Inforadio | 27.11.2019 | Hans Ackermannn | Bild: dpa

Konzertkritik | Temples im Festsaal Kreuzberg - Radikal altmodisch

Instrumente von damals und wunderbar flirrender, frei herumschwirrender Sound: Die Rockband Temples hat am Dienstag den Festsaal Kreuzberg bespielt. Dabei immer mit dem Sound der großen Vorbilder im Ohr. Von Hans Ackermann

Die Beatles, die Byrds, sogar die Beach Boys - alle Legenden der späten Sechziger Jahre klingen durch, wenn sich die Temples ganz unbekümmert beim Sound von damals bedienen. Jede Menge Hall liegt auf dem Gesang, das Schlagzeug wummert wie bei Ringo Star.

Der junge Sänger James Bagshaw sieht ein bisschen aus wie Marc Bolan - der hat vor rund 50 Jahren mit seiner Band T.Rex den psychedelischen Glamrock mitbegründet. Gibt es hier denn gar nichts aus dem 21. Jahrhundert zu hören?

Gekonnt psychedelische Klangwelten

Wer erklärtermaßen so radikal altmodisch sein will, wie die Band aus der englischen 60.000-Einwohnerstadt Kettering, muss dieses Konzept auch konsequent umsetzen. Mit Instrumenten von damals, die man beim Keyboarder Adam Smith wirklich nicht "Synthesizer" nennen kann. "Elektronenorgel" ist da eher der richtige Begriff. Bei den Gitarren sieht es ähnlich aus - wann hat man zum letzten Mal eine 12-saitige E-Gitarre auf einer Bühne gesehen? War das vielleicht 1975 bei Jimmy Page von Led Zeppelin? Aber endlich spielt mal wieder jemand so ein zauberhaftes Ding. 

Vor der Show hatte man palettenweise Effektgeräte auf die Bühne geschleppt. Echo, Hall und Flanger-Pedale für Gitarre und Bass - alles, was man für einen schönen psychedelischen Abend eben klanglich so braucht. Um damit diesen wunderbar flirrenden, frei herumschwirrenden Sound zu erzeugen.

Ein Lebensgefühl, das ankommt

Doch wie sieht es mit der Haltung dahinter aus, mit dem freien Geist der späten Sechziger? Auch der ist bei den Temples vorhanden und kommt in Songs wie "Colours to Life" oder "The Beam"  zum Ausdruck - ein Strahl von Gedanken, der herausströmt wie in einem musikalischen LSD-Rausch.

Im Publikum folgt man der farbenfrohen Botschaft sehr gern. Einer zündet sich sogar einen Joint an. Dabei hängen doch im Jahr 2019 überall - und natürlich auch im Festsaal  Kreuzberg - diese "Rauchen-Verboten"-Schilder. Der Sünder - nicht zufällig hat er lange Haare und trägt ein bunten Pullover - wird dann nach wenigen Zügen auch schon an seiner Rauchwolke erkannt. Der herbei eilende Security-Mann muss nur kurz schimpfen, dann ist der Glimmstengel aus.

Nostalgisch aber nichts Neues

In Bewegung geraten war man gleich zu Beginn, beim Titel "The Howl". Eine Hymne zum Tanzen und Mitsingen, vom neuen Album der Temples,  das "Hot Motion" heißt - also mit Bewegung und Hitze zu tun hat.

Auch bei Marc Bolan hieß ein Song einst "Hot Love", ein anderer aber "Children of the Revolution". Bei aller äußerlichen und klanglichen Ähnlichkeit mit T.Rex - mit den "Temples" wird sich heute und wohl auch sonst keine musikalische Revolution mehr ereignen.

 

Beitrag von Hans Ackermann

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