Sängerin und Gitarristin Nai Palm während eines Konzertes mit ihrer Band Hiatus Kaiyote in London (Bild: dpa)
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Audio: Inforadio | 18.11.2019 | Henrike Möller | Bild: dpa

Konzertkritik | Nai Palm - Neo-Soul im Punk-Outfit

Mit ihrer Band Hiatus Kaiyote war die Australierin Nai Palm schon für zwei Grammys nominiert. Bei ihrem Solo-Gig im ausverkauften Silent Green in Berlin überzeugte sie vor allem mit ihrer Stimme. Von Henrike Möller

Sie wissen es. Jeder hier im Saal kennt Nai Palms Musik. Und doch: Wie sie da mit ihrem hautengen Feuersalamander-Outfit, den schwarzen Overknee-Lederstiefeln und den Unmengen an Tattoos und Piercings auf der Bühne steht, ist man kurz überrascht, dass da eben kein ungestümer Punk aus ihr rauskommt, sondern: Soul. Weicher, wattiger Neo-Soul, anschmiegsamer als jede Kuscheldecke.

Tief und hoch, verletzlich und kraftvoll

Ihre Stimme sei etwas "husky", entschuldigt sich die 30-Jährige gleich zu Beginn und grinst dabei verschmitzt unter ihrem schwarzen Cap hervor. Ihre Haare sind frisch Pippi-Langstrumpf-Rot gefärbt. Sie sei bis sechs Uhr morgens mit einem guten Freund abgehangen. Manchmal müsse das eben sein.

Heiser oder beansprucht klingt ihre Stimme aber zu keinem Moment. Ab Sekunde eins wechselt sie mit beeindruckender Leichtigkeit zwischen Kopf- und Bruststimme, tief und hoch, verletzlich und kraftvoll. Dass sie beim Gitarrespielen immer mal wieder danebengreift, verzeiht man ihr gerne. Vor allem da sie jeden Patzer mit leidenschaftlichen Gesangsimprovisationen charmant übertüncht.

Viele prominente Fans

Nai Palm performt sowohl ihre eigenen Songs als auch Cover ihrer Band Hiatus Kaiyote, die mit Prince, Drake und den Carters (sprich: Jay-Z und Frau Beyoncé) viele bekannte Bewunderer hat. Das ganze Konzert über steht Nai Palm komplett alleine auf der Bühne. Nur sie und ihre blitzförmige E-Gitarre, die man eher bei einem Metal-Gitarristen vermuten würde als bei einer intimen Singer-Songwriterin. Auch wenn Nai Palm definitiv genug Ausstrahlung hat, um das Mittzwanziger-Hipster-Publikum ganz und gar einzunehmen, ein paar Mitmusiker wünscht man sich ab einem gewissen Punkt dann doch -  der Abwechslung wegen.

Auf ihrem bisher einzigen Soloalbum "Needle Paw" aus dem Jahr 2017 sind exotische Instrumente wie die Kora zu hören, eine westafrikanische Stegharfe oder die Koto, eine japanische Zither. Intro und Outro übernimmt ein Zeremoniensänger eines Aborigine-Stammes. Damit wolle sie das reiche Erbe der australischen Ureinwohner würdigen und weitertragen, erklärte sie in einem Interview.

Live spart Nai Palm diese Details, die ihren reduzierten, schnörkellosen Neo-Soul so besonders machen, an diesem Abend leider aus. Das Konzert fühlt sich sowieso ein bisschen an wie ein spontaner Guerilla-Gig. Was es vielleicht auch ist. Im Publikum scheinen einige Freunde von ihr zu sein. Und auf Facebook schrieb Nai Palm neulich, dass sie vor allem nach Berlin käme, weil hier viele Menschen leben würden, die sie liebe. Nach eineinviertel Stunden ist das Konzert dann auch schon vorbei. Zumindest der offizielle Teil.

Beitrag von Henrike Möller

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