Iris Praefke / Quelle: dpa picture alliance / Andrea Warnecke
Audio: Radioeins | 08.11.2019 | Volker Wieprecht | Bild: dpa/Andrea Warnecke

Interview | Moviemento-Mitbetreiberin - "Man will Leute treffen, Filmschaffende kennenlernen"

Seit mehr als 100 Jahren gibt es das Moviemento in Kreuzberg. Doch das Traditionskino ist bedroht: Der Besitzer der Immobilie will die Kinoräume verkaufen. Mitbetreiberin Iris Praefke über die Pläne zur Rettung des Moviemento in Zeiten von Netflix und Co.

rbb: Frau Praefke, sollen Sie für die Kinoräume mehr zahlen oder gehen? In welcher Situation befindet sich das Moviemento?

Iris Praefke: Der aktuelle Vermieter des Hauses hat uns angekündigt, dass die Gewerberäume verkauft werden. Es wird nicht das gesamte Haus verkauft, sondern es wurden schon Wohnungen verkauft im Haus. Und jetzt sollen auch die Gewerberäume verkauft werden. Das Haus selbst ist relativ groß, es gibt 44 Wohnungen und acht Gewerbeeinheiten. Der angepeilte Kaufpreis von zwei Millionen Euro würde eine Miete ergeben - wenn es jemand finanzieren würde - die für ein Kino nicht zu halten wäre. Die Miete würde sich so vervier- oder -fünffachen. Nach der ersten Schockstarre haben wir überlegt, was wir machen. Und wir haben gesagt: Wir versuchen zu kämpfen und die Räume einfach selber zu kaufen.

Wie viel Geld haben Sie denn schon zusammen?

Also, wir haben selber alles zusammengekratzt und kamen auf 200.000 Euro. Ein Freund von uns hat direkt an dem Tag, nachdem er es erfahren hat, ein Darlehen zugesagt - auch in Höhe von 200.000 Euro. Ich finde, das ist schon mal ein guter Start. Das hat uns so viel Hoffnung gemacht. Wir haben auch schon mit vielen Leuten geredet, die alle gesagt haben: Wir sind dabei, wir unterstützen euch. Und wir haben letzten Dienstag die Crowdfunding-Kampagnen gestartet und haben jetzt 25.000 Euro zusammen, was total toll ist. Wir freuen uns super über alle Unterstützer. Von daher ist das, glaube ich, auf einem guten Weg.

Was macht Sie so sicher, dass das Kino in Zeiten von Netflix, Amazon Prime und jetzt auch noch Apple TV+ Bestand hat?

Genauso gut könnte ich fragen, was macht denn das Café um die Ecke so sicher, dass Leute noch Kaffee trinken, wenn sie Kaffee auch zuhause trinken können? Das hat eigentlich gar keinen Einfluss auf die Kinobesucher. Die Leute, die in irgendeiner Form Medien konsumieren, gehen auch ins Kino. Wir zeichnen uns ja gerade dadurch aus, dass wir wahnsinnig viele Festivals zu Gast haben, Sonderveranstaltungen. Und das ist etwas, wofür man rausgeht. Man will Leute treffen. Man will Filmschaffende kennenlernen, über Filme reden, diskutieren, danach noch einen Wein trinken. Und dieses Konzept haben wir schon sehr lange. Das funktioniert total gut.

Eine Untergesellschaft der Deutschen Wohnen ist Ihr jetziger Vermieter. Sind Sie mit denen im Gespräch?

Wir waren bis vor Kurzem nicht im Gespräch. Wir haben aber jetzt einen Termin bei der Deutschen Wohnen selber. Und da sind wir guter Hoffnung, dass da etwas passiert von deren Seite, weil die eventuell auch ein Interesse haben, das älteste Kino Deutschlands zu schützen und zu erhalten.

Wobei die Deutsche Wohnen gerade Geld braucht. Sie muss 14,5 Millionen Euro berappen, dafür, dass sie schludrigen Datenschutz betrieben hat.

Ich weiß nicht, inwieweit das für die eine große Summe ist. Es ist natürlich viel Geld, aber das ist die größte Immobilienfirma Deutschlands. Und die haben meiner Meinung nach auch einen Auftrag, Kultur zu schützen.

Frau Praefke, danke für das Gespräch.

Das Interview führte Volker Wieprecht, Radioeins.

Sendung: Radioeins, 08.11.2019, 15:40 Uhr  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Ich kann mich noch erinnern, dass Anfang der 80er im Moviemento (Damals noch Thali-Kino) die Betreiber (ein paar Punks) das Kino mit genau zwei Filmkopien betrieben haben. Die eine war die "Rocky Horror PictUre" und die andere war "Jubilee".

Das könnte Sie auch interessieren

Sängerin und Gitarristin Nai Palm während eines Konzertes mit ihrer Band Hiatus Kaiyote in London (Bild: dpa)
dpa

Konzertkritik | Nai Palm - Neo-Soul im Punk-Outfit

Mit ihrer Band Hiatus Kaiyote war die Australierin Nai Palm schon für zwei Grammys nominiert. Bei ihrem Solo-Gig im ausverkauften Silent Green in Berlin überzeugte sie vor allem mit ihrer Stimme. Von Henrike Möller