Die Grafik zeigt das Museum der Moderne beim Kulturforum am Potsdamer Platz Berlin Tiergarten. (Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz/Herzog & de Meuron)
Video: Abendschau | 14.11.2019 | Tobias Schmutzler | Bild: Stiftung Preußischer Kulturbesitz/Herzog & de Meuron

Streit um massive Kostensteigerung - Grütters fordert 450 Millionen Euro für Museum der Moderne

Vor fünf Jahren gab der Bund den Startschuss für ein neues Museum der Moderne in Berlin. Aber der Plan ist umstritten. Nun wird der Bau auch noch deutlich teurer. Am Donnerstag soll der Haushaltsausschuss das Geld bewilligen. Von Angela Ulrich

Otto Fricke macht keinen Hehl daraus: "Die Schmerzgrenze der FDP ist bei diesem Projekt schon lange überschritten, das muss man klar und deutlich sagen." Der Haushälter der Liberalen im Bundestag ist kein großer Freund des geplanten Museums der Moderne in Berlin. Auch Anja Hajduk (Grüne) zeigt sich alles andere als begeistert: "Dieses Museum soll ja schließlich von den Bürgerinnen und Bürgern auch akzeptiert werden", sagt die Grünen-Haushälterin. "Im Moment ist die Öffentlichkeit völlig irritiert. Heißt das eigentlich, so ein Museum kann kosten, was es will?"

Erhöhung von 200 auf 450 Millionen Euro

Berlins neuer kultureller Leuchtturm könnte auch ein neues Sorgenkind werden. Noch vor dem ersten Spatenstich schießen die Kosten für das Prestige-Projekt in die Höhe. War das "Museum des 20. Jahrhunderts" bei Startschuss der Planungen mit 200 Millionen Euro veranschlagt, geht Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) jetzt von mehr als 364 Millionen Euro aus - plus einer wahrscheinlichen Baukostensteigerung und einem Risikopuffer. Grütters will vom Haushaltsausschuss des Bundestages sogar rund 450 Millionen Euro für den Museumsneubau bewilligt bekommen. Dafür verspricht sie: "Wir werden alles daransetzen, durch ein enges Monitoring mindestens einmal im Jahr an die Haushälter berichten, dass diese Schmerzgrenze auch tatsächlich eingehalten wird."

Wo einmal das neue Museum der Moderne entstehen soll, ist derzeit noch eine große Brache: zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie nahe dem Potsdamer Platz. Der neue Bau soll den Platz beleben und auch ein jahrelanges Ärgernis beheben, dass moderne Kunst in Berlin zu wenig Ausstellungsfläche hat. In der Neuen Nationalgalerie nebenan ließen sich nur etwa 20 Prozent der Bestände präsentieren, sagt Monika Grütters – von Werken der Künstlergruppe "Brücke" aus dem Expressionismus bis hin zu Werken von Joseph Beuys.

Keine Angst vor Kostenexplosion

Das Schweizer Architektenduo der Hamburger Elbphilharmonie wird das neue Berliner Museum bauen – allerdings mit einem weit unspektakuläreren Entwurf: Kritiker sprechen bei der schlichten Kunsthalle von einer übergroßen Scheune. Dass bei der Elbphilharmonie die Kosten extrem aus dem Ruder liefen, macht Grütters keine Angst fürs Berliner Projekt. Im Gegenteil: "Die werden alles daran setzen, dass sie hier gerade nicht den Ruf der Elbphilharmonie mit dieser Verteuerung bestätigen werden, sondern den soliden Ruf als gute Architekten, die sich an Kostenobergrenzen halten können."

FDP und Grüne haben ihre Zweifel

Die Kanzlerin soll hinter dem Museum der Moderne stehen. Manche Haushälter von Union und SPD grummeln, aber eher hinter vorgehaltener Hand. In der Opposition ist der Knatsch deutlich lauter, auch wenn Otto Fricke von den Liberalen zugesteht: "Obwohl ich ja ein nüchterner, böser Haushälter bin, der immer nein sagt, muss man klar erkennen, dass wir bei allen Politikfeldern immer erkennen müssen, was der tiefere Sinn einer Gesellschaft ist. Kultur ist auch immer der Humus, auf dem unsere Gesellschaft wächst."

Genau das ist auch für Anja Hajduk von den Grünen klar: "Ich glaube, es wäre nicht zielführend, dieses ganze Projekt jetzt fallenzulassen. Das nicht. Aber wir werden jetzt sehr, sehr genau darauf achten, dass ab jetzt diese Kostenplanung gilt. Das verlangen wir Grüne - und da werden wir auch am Ball bleiben."

Ein Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts

Sendung: 13.11.2019, Inforadio, 15:55 Uhr

Beitrag von Angela Ulrich

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9 Kommentare

  1. 9.

    Bedenklich..... Hoffe endlich, dass in Berlin und D mal ebenso schnell und konsequent FÜR #BILDUNG investiert wird und schnell umgesetzt wird.
    Wenn man hört, dass für ein überteuertes Kunstmuseum mal eben vom Bund 250 Mio zusätzlich (!) rausgehauen werden, bei Denkmalschutz viel Geld vorhanden ist, wir aber bei Bauten für Hochschulen nach Jahrzehnten des Investitionsstaus immer Druck machen müssen, dass immerhin der Status quo abgebildet wird, ist das bedenklich. Eine Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Und Umwelt als auch Wissenschaft darf da mal bessere Prioritäten setzen ggü Kultur, und das auch dem Bund klar machen. Ohne Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Zukunft sind Museen in dieser Dimension auch nicht gerechtfertigt. Leider muss ich das so sagen.

  2. 8.

    Für Berlin muß eben alles noch besser und teurer sein, für mich ein Grund mehr, Berlin nicht mehr zu besuchen und auch aus Berlin nichts mehr zu kaufen, wie z.B. Schokolade etc.. Wenn sie ihr Geld selbst erwirtschaften wäre es für mich in Ordnung, aber so nicht.
    Und in anderen Bundesländern wird noch permanent die Hand aufgehalten für freie Kitas, Kindergärten und Mittagessen und in anderen Bundesländern müssen die Eltern alles selbst stemmen. So geht es einfach nicht!

  3. 6.

    man sollte das Geld lieber Notleidenden Künstlern zu Gute kommen lassen........

  4. 5.

    Viel Blabla, doch die eigentliche IOnfo fehlt: Warum stieg der Preis von 200 Mio. auf 364 Mio. Wieso war die ursprüngliche Kostenschätzung so falsch? Saß da ein Anfänger dran oder gehört die HOAI überarbeitet? Die sieht eine Bezahlung auch auf Basis der Baukosten vor. Der EuGH bietet jetzt Möglichkeiten, dieses Korsett zu sprengen.

  5. 4.

    Wenn das Ding auch einen ALDI Preis hätte, hätte ich nichts dagegen. Aber warum soll das Ding ein halbe Milliarde kosten? Wird es aus purem Gold gebaut?

    Hertha wegem dem Stadionbau bremsen und verhindern, weil die ihr eignes Stadion selbstfinanziert bauen wollen, bloß weil dann die Mieteinnahmen für ein veraltertes Stadion verlieren würde und kein Konzept für die Nachnutzung hat.

  6. 3.

    also der bund sagt 2014 wir geben 200mio - 2015 beginnt der ideenwettbewerb - 2016 die entscheidung, gewinner ist das buero das die elbphilharmonie in hamburg fuer 77mio bauen sollten, am ende waren es ueber 800mio - jetzt will sie schon vorm ersten spatenstich 450mio vom bund - fuer wen war dann die "200mio-ausschreibung" 2015 gedacht, wenn heute der preis des ganzen mal wieder irrelevant erscheint

  7. 2.

    Das Museum wird akzeptiert wenn es gute Ausstellungen macht nicht weil Grüne und FDP es zerreden.

    Das ALLE Bauaufträge teuerer werden als geplant liegt an den Vergaberichtlinien und am kapitalistischen Markt.

    Nicht das seriöseste Angebot wird angenommen sondern das billigste.

    Ich habe vor einigen Monaten im Bus gesessen da haben sich 2 Architekt*innen gerade über dieses Thema unterhalten. Möglichst billig kalkulieren um den Auftrag zu bekommen und wenn dann alles schon gebaut wird Nachforderungen stellen. Grund siehe oben.

    Freue mich auf das Museum.

  8. 1.

    Keine Frage, dass die Kunst des 20. Jh. keinen adäquaten Ausstellungsraum hat, dass hier mithin ein Defizit besteht. Für die Akzeptanz ist allerdings auch die Architektur wichtig. Gegenüber der Philharmonie fällt die Architektur des Museums der Moderne klar ab. Weshalb eine vermeintlich hochkarätige Jury eine überdimensionierte ALDI-Architektur als preiswürdig erkannt ist, ist mir ein glattes Rätsel. Das reißen auch die grafischen Animatioen nicht mehr raus, auch gerade wenn ich mir vergegenwärtige, dass vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters aus einem Hören und Sehen vergeht angesichts der Lautstärke, die auf sämtlichen Animationen angedeutet ist.

    Aus diesem Zwiespalt kommt die Architektur und der Bau nicht heraus. Das Kulturforum bleibt leider ein Torso. Es sei denn, es findet wirklich jemand den Mut und tunnelt die B 1 in diesem entscheidenden Abschnitt ein.

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