Sage-Club, Koepenicker Strasse
Audio: Radioeins | 28.11.2019 | Interview mit Sage-Betreiber | Bild: Bildagentur-online/Schoening

Clubsterben in Berlin - KitKat und Sage Club stehen offenbar vor dem Aus

Beim Clubsterben in Berlin gibt es offenbar zwei neue, prominente Opfer: Dem Berliner KitKat-Club und dem Club Sage sind die Räume gekündigt worden. Das bestätigte Sage-Betreiber Sascha Disselkamp dem rbb. Aufgeben wolle man allerdings nicht.

Den beiden bekannten Berliner Clubs Sage und KitKat droht möglicherweise das Aus. Wie Sage-Betreiber Sascha Disselkamp dem rbb am Donnerstag bestätigte, wurde der Mietvertrag für das von beiden Clubs gemeinsam betriebene Haus vom Besitzer gekündigt. Zuerst hatte die "Berliner Zeitung" berichtet.

Demnach müssen beide Clubs bis Juni 2020 ausziehen. Von Schließung wolle er nicht sprechen, so Disselkamp. "Nur über meine Leiche", sagte Disselkamp bei der rbb-Welle Radioeins. Man sei weiterhin "intensiv bemüht, eine Verlängerung" des Mietvertrags für das Gebäude in der Köpenicker Straße zu bekommen. "Aber wir haben keinen Kontakt zum Besitzer."

Clubszene fürchtet Verdrängung

Auch ein Gegenvorschlag der Clubs für die Umgestaltung des Areals sei bisher ohne Reaktion geblieben. "Stattdessen hatten wir Besuch von Immobilienentwicklern." Offenbar plane der Besitzer Neubauten, Details dazu sind aber bislang unbekannt. "Wenn wir das kaufen, würde unser Plan unter anderem ein Hospiz, Alters-WGs und Proberäume" enthalten", so Disselkamp. "Es müssen nicht immer nur Hotels oder teure Büroflächen gebaut werden."

In Berlin wird schon länger ein "Clubsterben" durch steigende Mieten, Lärmbeschwerden und Gentrifizierung beobachtet. Dabei traf es zuletzt bekannte Einrichtungen wie Jonny Knüppel auf der Lohmühleninsel, das White Trash in Treptow oder den Bassy Cowboy Club in Prenzlauer Berg.

Party im Kitkat Club in Berlin im Jahr 2011 (Quelle: XAMAX/dpa)

Im Mai organisierte die Initiative "Reclaim Club Culture" einen Protestmarsch für den Erhalt der verbliebenen Clubs in der Hauptstadt. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es gerade echt kurz vor Schluss ist", so eine Sprecherin der Initiative damals. Neben Musikclubs hätten im letzten Jahr auch viele Kulturräume oder Gemeinschaftsgärten Investorenprojekten weichen müssen, sagt sie. "Wenn wir so weiter machen mit dem Ausverkauf der Stadt, dann wird es diese Räume hier bald gar nicht mehr geben." Die Initiative forderte unter anderem langfristige Mietverträge oder Rückkäufe, um noch existierende Projekte dauerhaft zu sichern.

Studie: Mehr Touristen, gleiche Umsätze

Eine Studie der Clubcommission, einer Interessenvertretung von Berliner Clubs, hatte Anfang des Jahres ermittelt, dass es in Berlin zu diesem Zeitpunkt zwar rund 280 Clubs gebe - also nicht weniger als vor zehn Jahren -, allerdings würden viele Betreiber wirtschaftliche Probleme haben. Zudem sei ein qualitativer Verlust spürbar. "Clubs geraten so unter Verwertungsdruck, dass man einfach nicht mehr experimentieren kann", sagte Lutz Leichsenring von der Clubcommission. Unbekannten DJs eine Plattform geben oder neue Bands ausprobieren, das gehe nicht mehr, weil man nur noch Umsätze generieren müsse, um Kosten zu decken.

Laut der Studie habe sich der Gesamtumsatz der Clubs mit 168 Millionen Euro jährlich und die Zahl der etwas mehr als 9.000 Beschäftigten in der Branche im Zehn-Jahres-Vergleich kaum verändert. Und das, obwohl eigentlich mehr Touristen wegen der Clubs nach Berlin kommen: Etwa drei Millionen waren es vorletztes Jahr. Sie brachten knapp 1,5 Milliarden Euro in die Stadt. Dass der Umsatz der Clubs trotzdem nicht stieg, liege laut Clubcommission an den steigenden Mieten, die sie oft zu zahlen hätten.

Sendung: Radioeins, 28.11.2019, 12:00 Uhr

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26 Kommentare

  1. 26.

    Sage wurde gekündigt, stattdessen wird direkt mit dem Kitkat über einen neuen Mietvertrag verhandelt - sagte zumindest die Hausverwaltung Howe gegenüber dem Tagesspiegel. Die begründet das damit, dass das Kitkat der Hauptnutzer sei. Neubaupläne wurden dementiert wie ihr auch Kaufabsichten Disselkamps neu sind.

  2. 25.

    Die Frage ist durchaus berechtig, "keinen Cent" aber falsch.

    Opern etc. leben traditionell von staatlicher Unterstützung, egal ob Fürst, König, Kaiser oder heute eben aus dem allgemeinen Steueraufkommen. Clubs dahingegen stehen schon immer auf eigenen Beinen. Auch das Big Eden kam zu seiner Zeit ohne Subventionen aus. Hier könnte es aber Unterstützung vom Land bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten geben. Schließlich gibt es viele ungenutzte Immobilien. Lederer und Lompscher müssten sich einfach mal zusammensetzen.

    Keinen Cent ist falsch, weil es z.B. ja die Landeshilfe beim Lärmschutz gibt - auch wenn der Topf dafür gerade mal so siebenstellig ist. https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2018/11/berlin-clubs-laermschutz-fonds-programm.html

  3. 24.

    Weil Theater und Opern ein seit über einem Jahrhundert in dieser Gesellschaft verankert sind und deswegen schon aufgrund dieser Tatsache einen differenzierten Anspruch erheben (dürfen). Klubs und Discos sind vom Selbstverständnis her eher temporäre Phänomene und benötigen Veränderungen wie der Mensch die Luft zum Atmen.

  4. 23.

    Diese Frage ist berechtigt. Aber die Antwort darauf eigentlich ganz leicht. Bei der einen geht’s um staatlich anerkannte geförderte Kulturpolitik für Privilegierte Bürger unseres Landes und auf der anderen Seite geht es um autonomischen Kulturbetrieb für einige wenige. Vielleicht jetzt nicht ganz so präzise ausgedrückt. Kommt dem aber sehr nahe.

  5. 22.

    Die Frage ist: warum kriegen Berliner Opern dreistellige Millionenbeträge pro Jahr, Berliner Clubs aber keinen Cent?

  6. 21.

    Ein schöner Nachruf. Danke hierfür. Ich konnte zwar aus beruflichen Gründen nie daran teilnehmen, da ich immer nachts Dienst hatte, aber viele Namen sind mir noch geläufig. Ja, das waren noch Zeiten.

  7. 20.

    Ich finde richtig geil, was Sie da geschrieben haben. Bei mir kamen sofort nostalgische Gefühle hoch. Ich mach jetzt mal ne (LED-) Kerze an....

  8. 19.

    Ich gehe auch nicht (mehr) in diese Clubs. Ich würde wohl auch nicht mehr an der Tür vorbei kommen.. ;) Trotzdem finde ich es schade, wenn diese Clubs verschwinden sollten. Dafür sind wir eigentlich weltweit bekannt.

  9. 18.

    Die richtig geile Zeit, die den Mythos und das Image Berlins als Club-Metropole begründet ist lange vorbei. Als es Anfang der 90iger so richtig abging, war ich mittendrin und hab' mir das so was von reingezogen, so gut wie jeden Tag. Kennt noch jemand die 'Ständige Vertretung' im Keller des Tacheles, den 'Bluhmenladen' in der Kronenstraße? Clubs, die nur ein paar Wochen oder so existierten und nie einen Namen hatten (in einem alten Aufenthalts- und Lagerraum der BVG unterm Rosenthaler Platz). Eine Kerze an einer offen Kellertür oder an einer Lücke in einem alten Bauzaun? Reingehen und mitfeiern. Das war eine unsagbar geile Zeit und lange, lange vor den ganzen Touriströmen. Ich bin froh, dass ich das alles mitgenommen habe. Und jetzt? Die letzten Reste dieses Spirits werden der Kohle geopfert. Ich lebe mittlerweile im Grünen und brauche das nicht mehr, aber ich wünsche allen die gerne Party machen, dass es noch lange, lange weitergeht. Traurige Geschichte. Gruß, Hajakon

  10. 17.

    Gut kommentiert. Denn darauf wird es hinauslaufen. Und überhaupt. Auf keinen Fall unhöflich ausgedrückt. Passt doch zu Berlin;-)

  11. 15.

    Hallo Kitty,

    das ist mir schon klar. Aber User "Regenbogen" hatte in seiner negativen Aussage gleich mal "die Clubs dort" alle in einen Topf geworfen, aber im Sage-Club findet ja mehr als KitKat statt und das hat nix mit seiner Pauschalaussage von Soddom und Ghomorra gemein. Abgesehen davon, das das auch fürs KitKat keine relevante Beschreibung wäre....

    Ist eh´egal, was sich hinter der Tür abspielt - es ist Kultur und Subkultur mit Geschichte - und die muss erhalten bleiben.
    Mühli

  12. 14.

    Natürlich wäre Clubverlust Klimaschutz, wenn dadurch die Partytouristen ausbleiben, deren Wichtigkeit von den Clubvertreteren hier via RBB hervorgehoben wird.

    Oh, die FFF-Generation ist unterschiedlicher Meinung. Dann stimmt es also doch nicht, was manche "Aktivisten" hier gerne verbreiten.

    Gier nach Profit? Sind die Clubs karitative Einrichtungen? Ja wohl auch i.d.R. nicht.

    Wo ist eigentlich Herr Lederer? Der ist doch sonst so engagiert oder tut zumindest so. Das Land hat selber viele ungenutzte Gewerbeimmobilien. Man könnte ja prüfen, ob sich darunter etwas geeignetes findet.

  13. 12.

    Vertreibung ist das Stichwort, nichts Neues... Ich würde nie in einen der Clubs gehen, dennoch sehe ich das nicht unbedingt positiv, dass solche Clus schließen und irgend welchen Wohnungen oder Büroflächen weichen. Dieser ich sage es mal unhöflich "Schmuddel" gehört irgendwie zu Berlin.

  14. 11.

    Ein richtiges modernes Land, ja es kommt immer mehr DDR Nostalgie auf, Chapeau. Die Kneipen schließen auch. Aber es gibt ja als kleinen Trost der einbetonierte Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Würstchen am Breitscheidplatz.

  15. 10.

    ....und täglich grüßt das Murmeltier = Totschlagargument, "nur Touris".

    Es gab erst kürzlich eine Untersuchung der CC, die belegte, dass mehr als die Hälfte der Clubnutzer Berliner sind. Das zum einen
    Zum anderen: Das Sage ist ja nun wirklich zu 100 % weder ein Fetisch- noch ein "Bumsclub", so wie Du verallgemeinerst - sondern ein ausgezeichneter Rock-Club, der jedes Mal zwei Live-Bands auf der Bühne hat. So was nennt man Kultur und das hat mit "Touristenpuff" nicht ein Atomteilchen zu tun.
    Generell halte ich es für ziemlich primitiv, anderen ihre Orte nicht zu gönnen, nur weil man selbst auf einem anderen Weg ist. Ich war auch noch nie in der Oper, genönne aber jedem sein entsprechendes Angebot!

    Rock forever - Mühli

  16. 9.

    Die besten Klubs sind eh schon dicht, schon seit Jahren! Sage war schon immer für Touristen und Zugereiste, für den echten Spaß für Menschen aus Berlin irrelevant. Also: Tschüssikowski!

  17. 8.

    Clubkulturverlust ist Klimaschutz????
    Sie sehen das wie häufig in ihren Kommentaren schwarz-weiß und vergleichen in diesem Fall Äpfel mit Birnen.
    Erstens gibt es nicht „die“ FFF-Generation als homogene Gruppe (auch bei Leuten in Gretas Alter scheren sich viele einen Dreck um Klimaschutz, genauso wie viele der Aktivisten eben nicht U20 oder U30 sind). Und zweitens haben potentielle Investoren in Berlin in der Regel nicht den Klimaschutz ganz oben auf ihrer Agenda sondern ihre persönliche Gier nach noch mehr Profit.
    Was wäre das Ergebnis? Eine immer langweiligere, weniger vielschichtigere Stadt, die immer weniger Nischen bietet für Dinge und Leute, welche abseits des Mainstreams und des Konsum- und Profitdenkens (ja, das gibt es wirklich!) Kultur etablieren können.
    Zusammengefasst: Ein Verlust von Subkultur.
    Doch genau die ist es, die Berlin (noch) so sympathisch macht - nach dem Motto „leben und leben lassen, so lange es niemanden anders stört“.

  18. 7.

    Warum so frustriert, ich bin nicht Gay, war aber in den Neunzigern oft im KitKat und fand es super. Hoffe man findet eine Lösung und für die Generation die einfach noch Lust haben in Berlin zu feiern.

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