Suli Puschban und die Kapelle der guten Hoffnung © Claudia Grashauser
Suli Puschban und die Kapelle der guten Hoffnung © Claudia Grashauser

Porträt | Kinderliedermacherin Suli Puschban - Sie hat die Schnauze voll von Rosa und schreit "Rette mich!!!"

Suli Puschban ist Rockerin und Horterzieherin in einem. Dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt ihre Musik. Nach "Ich hab die Schnauze voll von Rosa" stellt die Kinderlieder-macherin nun ihr zweites Album vor: "Rette mich!!!". Ein Porträt. Von Susanne Bruha

Suli Puschban ist Urkreuzbergerin, was in ihrem Fall heißt: Sie ist 1994 zugezogen aus Wien. Ihren Akzent hat sie behalten, er ist sowas wie ihr Markenzeichen. Seit quasi immer lebt und arbeitet die Musikerin und gelernte Sozialpädagogin in Kreuzberg 36 - zusammen mit ihrer Freundin in einem Hausprojekt, in dem ausschließlich Frauen wohnen.

Dampft die? Stampft die? Egal!

In der letzten Woche vor dem Erscheinen ihres neuen Albums probt sie hier im letzten Stock in ihrem Studio mehrmals mit ihrer Band. Live haben sie die neuen Songs teilweise noch nie gespielt. Wer singt was und wann? Es gibt noch viel zu proben und Suli kann ihre eigenen komplexen Texte noch nicht auswendig. Beim Lied von der Lokomotive muss sie ein paarmal passen. Dampft die? Stampft die? Egal, bis zum Konzert passt das schon. Was klar ist: Zu dem Song soll es eine Polonaise mit den Kindern durchs ganze SO36 geben. Der 54-Jährigen ist die Freude an dem, was sie tut deutlich anzumerken.

Nicht so kindermäßig

Zur Stammbesetzung von Sulis Band "Kapelle der guten Hoffnung" gehören Maike und Mathias, die Schlagzeuger wechseln und zur Albumpremiere gibt es viele Gäste. Meike und Mathias haben beide vor 20 Jahren an der Hanns-Eisler-Musikhochschule studiert, sie spielen in unterschiedlichen Bands. Sulis Band sei aber eigentlich ihre Lieblingsband meint Bassistin Maike, die Stimmung auf den Konzerten mit den Kindern sei einfach der Hammer. Und Gitarrist Mathias liebt Sulis Texte, die seien nicht so kindermäßig, sondern politisch und gesellschaftlich relevant.

GEMA-Musik-Autoren-preisgekrönt

Und genau – Suli Puschban macht Kindermusik mit starken Texten, sie hinterfragt Geschlechterklischees und besingt Vielfalt. Wie in ihrem Smash-Hit: Da schmeißt die rosa-rote Prinzessin Lilifee auf die Nachfrage, "wie es ihr denn so ginge/ und was das Feenleben bringe" alles hin und schmettert: "Ich hab die Schnauze voll von Rosa/ von lieb und nett und still/ ich hab die Schnauze voll von rosa/ ich mach jetzt was ich will."

Für solche Texte hat Suli Puschban zuletzt den GEMA-Musikautoren-Preis gewonnen und der, so sagt Suli selbst, hat ihr Mut gemacht und sie bestärkt fürs neue Album. Das sei musikalisch viel fetter, fast fußballstadionmäßig und auch das Songwriting habe sie nochmal weiterentwickelt, sie würde sich jetzt mehr trauen als früher.

Haus- und Hofmusikerin der Rosa-Parks-Grundschule

Dass Suli Puschban seit Jahren als Horterzieherin an der Rosa-Parks-Grundschule in Kreuzberg arbeitet, gibt ihr nicht nur die Inspirationen für ihre Lieder. Sie ist dort sowas wie die Haus- und Hofmusikerin, hat den Schulsong "Bus des Lebens" geschrieben und begreift die Schule als ihre Basis. Von dort kommt ihre Musik und für dort, also für die Kinder dort, sei ihre Musik. Denn auch wenn sich durch Verdrängung die Schülernnenschaft nochmal deutlich verändert habe, die Wurzeln hier seien schon noch so ein "Brennpunkt"-urbaner Bereich, meint Suli Puschban, auch wenn mittlerweile fast 90 Prozent der Kinder an der Schule biodeutsche Wurzeln hätten.

Das 90/10 Verhältnis zeigt sich auch in der Musik-AG bei den 20 Kindern, die heute gekommen sind. Mit der AG macht Suli heute eine Art Wunschkonzert, die Kinder dürfen sich wünschen, was gesungen wird. Es sind alles Songs von ihr selbst. Zum Beispiel "Oh die See" aus dem letzten Schultheaterstück "Odysee". Voller Inbrunst rezitieren die Kids den Text "Das Herz ist schwer/ das Herz ist schwer – Oh die See!" und schlagen sich zum Refrain die Fäuste auf die Brust und stampfen mit den Füßen auf: "Wie mein Herz schlägt/ Wie mein Herz schlägt/ Bumm bumm bummm, kannst du es hören?" Mitreißend, berührend ist das und großes Ohrwurmpotential hat diese Musik.

Suli ist die Verbindung zur Zukunft

Und sie passt so gut zu Kreuzberg, dass Suli die erste Kindermusikerin war, die im legendären Punk-Laden SO36 auftreten darf. So auch zur Recordreleaseparty ihres neuen Albums "Rette mich!!!" (Samstag, 02.11.2019, 14.30 Uhr).

Gero Crocianelli vom SO36 ist selbst ein Riesen-Suli-Fan und findet es eine ganz tolle Sache, durch Suli im Kontakt mit der Jugend, mit den Kids zu sein, mit denen, die folgen eine Verbindung aufzubauen. Denn schließlich sei das SO36 kein Projekt für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft. Und Suli – Suli ist ihre Verbindung.

Sendung: Zibb, 1.11.2019, 18:30 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

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5 Kommentare

  1. 5.

    In dem Augenblick, wo die Welt in Gute vs. Bösewichte eingeteilt wird, gerät schnell Vieles aus den Fugen. Ab dem Zeitpunkt, wo das Mitfühlen aufhört, -wir einem Menschen das Menschsein absprechen und unser Urteil über seine Rechte stellen, gewinnt das tatsächlich Böse Macht und Verheerendes setzt sich in Gang...
    Und: NEIN, wenn jemand am Boden liegt, tritt man ihm nicht auch noch ins Gesicht -auch und erst recht nicht als "Supergirl"!!

  2. 4.

    "Mit dem Gesicht vom Bösewicht wischt sie den Boden auf. Und wenn er zuckt und muckt und spuckt dann springt sie noch mal drauf"
    Dieses Lied lernt meine Tochter gerade im Kindergarten.

  3. 3.

    Interessant ist, dass die Journalistin scheinbar Kinder anschaut und sie in "biodeutsche" und nicht-biodeutsche Kinder unterscheidet. Oder wurden die Kinder im Chor gefragt, ob sie "biodeutsch" sind oder nicht? Mal abgesehen davon, dass überhaupt nicht klar ist, wer oder was eigentlich "biodeutsch" ist und wer nicht... Ich dachte, wir wären was solche Begrifflichkeiten betrifft schon einmal weiter gewesen...
    Außerdem: An der Rosa Parks Grundschule sind laut Berliner Schulverzeichnis knapp 47% Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache. Vom RBB erwarte ich eigentlich eine sorgfältigere Recherche und keine Erfindung von irgendwelchen gefühlten Statistiken.

  4. 2.

    Geh einfach mal hin.

  5. 1.

    Liest sich wie ein Gefallensartikel unter Freunden, vielleicht eher was für die Kiezzeitung?

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